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Schleswiger Nachrichten

23. Oktober 2017 | 03:21 Uhr

Schleswig : Der Ansturm auf die Kita-Plätze

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Alle Kindergärten in Schleswig sind derzeit voll belegt. Auch der Bedarf an Nachmittagsangeboten ist gestiegen.

von
erstellt am 04.Apr.2017 | 12:52 Uhr

Über mangelnden Nachwuchs kann Schleswig sich zur Zeit nicht beklagen – legt man die Kitas in der Stadt als Gradmesser an. Denn sie sind alle voll belegt. Einige Kitas, wie die am Stadtfeld, bieten deshalb sogar schon Nachmittagsbetreuung an. „Zum einen, weil wir damit Elternwünschen nachkommen, aber auch, weil die Vormittagsplätze ausgebucht sind“, erklärt Astrid Buddrich, Leiterin der Kita Stadtfeld. Insgesamt gibt es fast 1000 genehmigte Plätze in den städtischen, kirchlichen, dänischen und nicht-kommunalen Kindertagesstätten der Stadt.

In der Kita Stadtfeld stapft gestern Mittag eine Kleinkinder-Schar vom Spielplatz zur Eingangstür des Kindergarten-Gebäudes: alle hintereinander im Gänsemarsch, damit die Betreuerin den Überblick behält und mitzählen kann. Es ist Essenszeit, gleich soll es Hühnerfrikassee geben für die einen und etwas Vegetarisches für die anderen. Es geht fröhlich und entspannt zu, aber mit Struktur: Jeder noch so kleine Knirps in dieser Gruppe scheint genau zu wissen, was er zu tun und zu lassen hat. „Die Kleinen lernen schnell“, sagt Astrid Buddrich, „selbst die Kinder von Flüchtlingen, die zuerst kein Wort Deutsch sprechen, kommen bald bei uns zurecht.“ Derzeit betreut die Kita Stadtfeld 150 Kinder – aufgeteilt in fünf Gruppen der über Dreijährigen, vier Krippengruppen sowie einer Outdoor-Gruppe mit 18 Kindern, die jedem Wind und Wetter trotzen und als Wandertruppe ständig draußen unterwegs sind, auf den Königswiesen oder an anderen schönen Plätzen die Natur erkunden. Nur zum Essen oder bei Gewitter suchen sie Innenräume auf.

Zu den Gründen, weshalb die Kindergärten gut belegt sind, erklärt Buddrich gegenüber den SN: „Seit etwa zwei Jahren gibt es in Schleswig die Tendenz, dass mehr Eltern als früher ihre Kinder in die Kita geben.“ Zudem mache sich bemerkbar, dass Flüchtlingskinder und Kinder von Zugezogenen in Neubaugebieten wie dem Berender Redder die Reihen verstärken.

Allein 20 Kinder aus Schleswiger Flüchtlingsfamilien gehen in die Kita am Stadtfeld. Weitere 20 Kinder haben einen Migrationshintergrund, und 30 Kita-Gänger stammen aus Ländern innerhalb der EU. Die Multikulti-Kita stellt sich für die Kindergartenleiterin, die seit 1986 die Stadtfeld-Einrichtung mit 21 vorwiegend in Teilzeit beschäftigten Mitarbeitern führt, jedoch als Bereicherung dar. „Gerade die bunte Völkervielfalt hier beschert uns immer wieder Erlebnisse, die uns die Arbeit wertvoll machen.“ Sie nennt ein Beispiel: „Vor eineinhalb Jahren kam ein kleiner bulgarischer Junge zu uns, sprach kein Wort Deutsch und war sehr schüchtern. Nach einem Monat war er mit unserem Tagesablauf vertraut, heute übersetzt der Kleine, der jetzt zur Schule kommt, Gespräche für seine Mutter.“ Es sei ein gutes Gefühl mitzuerleben, wie Kinder, „die mit gesenktem Kopf hier ankommen, nach einiger Zeit fröhlich und mit geradem Rücken durch die Welt gehen“.

Stadtsprecherin Antje Wendt bestätigt auf SN-Nachfrage die steigenden Belegungszahlen in den Schleswiger Kindergärten. In den vier städtischen Kitas am Moorkatenweg, am Stadtfeld, in der Kita Süd und in St. Jürgen werden nach ihren Angaben derzeit 453 Kinder in Krippen- und Regelgruppen betreut. Im Zusammenhang mit der Gründung von neuen Kitas verweist sie auf die gesetzliche Regelung, nach der freie Träger wie Kirche, Arbeitsgemeinschaft Deutsches Schleswig (ADS) oder DRK stets Vorrang vor städtischen Trägerschaften erhalten.

Wie die für den Schul- und Kita-Bereich zuständige Rathaus-Mitarbeiterin Heike Schäfer mitteilt, gibt es 309 genehmigte Plätze in dänischen Kita-Einrichtungen, und die nicht-kommunalen Kindergärten (als Träger fungieren hier Kirche, ADS, Waldkindergarten, Kinderspielzentrum Friedrichsberg, Waldorfkindergarten und Villa Sonnenstrahl) bieten insgesamt 266 Plätze an. Die Genehmigung der Plätze erfolgt durch die Fachaufsicht des Kreises, die den Kita-Bedarfsplan erstellt.

„Meist melden die Eltern ihre Kinder bei gleich mehreren Kitas an, um ganz sicher gehen zu können, irgendwo einen Platz zu bekommen“, sagt Heike Schäfer. Deshalb seien die Wartelisten der Kitas nicht sehr aussagekräftig. Tatsache bleibt aber, dass alle Kindergärten in der Stadt großen Zulauf aufweisen. Die meisten von ihnen haben deshalb ihre Öffnungszeiten schon bis in den späten Nachmittag ausgeweitet.

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