Schleswig : „Der Albtraum muss aufhören“

Schrott-Immobilie Hesterberg Nr. 6: Seit 15 Jahren bitten Anwohner die Stadt Schleswig um Abhilfe. Helge Lehmkuhl will sich das nicht länger ansehen müssen.
Schrott-Immobilie Hesterberg Nr. 6: Seit 15 Jahren bitten Anwohner die Stadt Schleswig um Abhilfe. Helge Lehmkuhl will sich das nicht länger ansehen müssen.

Dubiose Geschichte um hässliche Bauruine im Hesterberg: CDU-Chef und Anwohner Helge Lehmkuhl fordert Stadt zum baldigen Abriss auf.

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28. Mai 2015, 07:55 Uhr

Das Haus Hesterberg Nr.  6 – die erste Adresse in Schleswig für Ratten und Ungeziefer. Für die Nachbarn im Hesterberg indes ist die Bauruine der reine Albtraum. Denn seit nunmehr 15 Jahren bitten sie die städtischen Behörden um Hilfe, damit das Gruselhaus endlich beseitigt wird. Bisher vergebens. Nur der Schädlingsbekämpfer kommt hin und wieder auf Anordnung der Stadt.

So ist die Ausgangslage. Und die will Helge Lehmkuhl, CDU-Ortsvorsitzender und selbst Hesterberg-Anwohner, geändert sehen, wie er gegenüber den SN ankündigt: „Der Albtraum im Hesterberg muss endlich aufhören, die Hütte muss weg.“ Schließlich handele es sich hier nicht um „irgendeine verfallene Scheune auf dem freien Feld, sondern um eine Bauruine mitten in der Stadt.“ Im Bauausschuss am 23. Juni möchte Lehmkuhl von der Stadt die Auskunft bekommen, was gegen die Bauruine im Hesterberg sowie gegen zehn weitere Schrott-Immobilien unternommen werden soll.

Bürgermeister Arthur Christiansen hat bereits signalisiert, dass er die Sache in Angriff nehmen und alle rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen will. Auf SN-Nachfrage erklärt er: „Schrottimmobilien passen nicht zu Schleswig. Auch wenn das Eingreifen unserer Behörde juristisch sehr komplex ist, werden wir handeln.“

Was kann die Stadt im Fall Hesterberg tun? Denn die Eigentumsverhältnisse sind tatsächlich mehr als dubios. So war nach SN-Recherchen bis 2008 eine gewisse „Gesellschaft für nordische Kirchen- und Kirchenrechtsgeschichte“ als Besitzerin der Ruine eingetragen. Doch diese Gesellschaft ist seit 2009 insolvent. Einer aus dem Vorstand der Gesellschaft hatte ein unübersichtliches Geflecht aus Vereinen geschaffen, die er rund um die völlig marode Immobilien aufgebaut hatte. Nach unseren Recherchen hatte die Gesellschaft das Haus im Hesterberg noch vor der Insolvenzeröffnung weiter verkauft, so dass danach ein neuer Besitzer ins Spiel trat. Wer das ist – „das wissen wir nicht“, sagt Rathaus-Sprecherin Antje Wendt auf SN-Nachfrage. Bekannt ist aber, dass besagte Gesellschaft auch in Kiel und Lübeck verfallene Häuser besaß und es erheblichen Ärger mit den Stadtverwaltungen und Anwohnern dort gab.

Die Grundsteuer für das Haus Hesterberg Nr. 6 wird mysteriöserweise regelmäßig an die Stadt überwiesen, sonst hätte sie bereits eine Zwangsversteigerung einleiten können. Von wem aber das Geld kommt, könne man wegen des Steuergeheimnisses nicht sagen, hieß es.

Doch es gibt ja das Grundbuch beim Amtsgericht Schleswig. In dem sind normalerweise alle Grundstücks-Eigentümer verzeichnet – also eigentlich doch auch der von Hesterberg Nr. 6.

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