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Aktion in Schleswig : Denkzettel für Falschparker

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Mitglieder des SoVD belehrten gestern Schleswiger Autofahrer, die ihre Wagen ohne Berechtigung auf Behindertenstellplätze abstellen.

Nein, niedermachen wolle man gewiss niemanden. „Aber einen Denkanstoß geben und darauf aufmerksam machen, dass solche Dinge nicht gehen, das schon“, erklärte Uwe-Dieter May, Vorsitzender des SoVD-Kreisverbandes, als er gestern in der Poststraße einen Scheibenwischer zur Seite von der Windschutzscheibe eines Autos hob und kurz darauf einen gut sichtbaren Zettel dahinter klemmte. Auf diesem prangte eine leicht provozierende, aber ebenso auch leicht verständliche Botschaft: „Sie haben meinen Parkplatz! Wollen Sie auch meine Behinderung?“

Im Visier hatten May und einige andere Mitstreiter des Sozialverbandes all diejenigen Autofahrer, die – obwohl sie dazu nicht berechtigt sind – einfach auf Behinderten-Stellplätzen parken. „Und das kommt deutlich öfter vor, als man denkt“, betonte etwa Karl-Heinz Brennert. Die Leute würden sich dabei offenbar gar keine Gedanken machen. „Oder sie haben einfach keine Lust, ein paar Schritte weiter zu gehen. Die Behindertenparkplätze sind ja meistens direkt vor der Tür.“

So zum Beispiel vor dem Real-Kaufhaus an der Flensburger Straße. Dort starteten May und Brennert sowie Ulla Buchweitz, Jutta Jepsen und Monika Klatt gestern ihre Tour durchs Stadtgebiet, um an all diejenigen Falschparker besagte Zettel zu verteilen – und sie eventuell sogar zur Rede zu stellen. Damit schloss sich die Schleswiger Gruppe einer landesweiten SoVD-Aktion an, die nun zum zweiten Mal stattfindet.

Weiter ging es dann in der Poststraße. „Eines der großen Sorgenkinder“, wie May betonte. Denn dort gibt es auf dem Seitenstreifen ohnehin nur wenige Parkplätze für Kunden der Post oder der benachbarten Bank. Ein einziger davon soll für Behinderte freigehalten werden. Eigentlich. „Denn hier stehen fast täglich Leute, die das nicht dürfen“, betonte er. Offenbar sei es gang und gäbe, auf dem Parkplatz anzuhalten, um mal eben ein Paket abzugeben oder an den Bankautomaten zu gehen. „Aber genau in diesen wenigen Minuten kann auch jemand vorbei kommen, der diesen Stellplatz wegen seiner Behinderung wirklich benötigt. Der muss dann weiter weg parken oder noch dreimal um den Pudding fahren, ehe er seinen Wagen endlich dahin stellen kann, wo er hingehört.“

Eine Autofahrerin gab dann auf Nachfrage von May und Co. gestern auch zu, dass sie „nur mal eben schnell“ an den Postschalter musste. Sie zeigte sich aber einsichtig und gelobte Besserung. „In Zukunft wird das sicherlich nicht mehr vorkommen.“ Das dürfte nicht nur im Interesse der Behinderten sein, sondern auch in ihrem eigenen. Denn wer seinen Wagen unberechtigterweise auf einem Behindertenparkplatz abstellt, muss tief in die Tasche greifen. Mit mindestens 35 Euro Bußgeld ist man in diesem Fall dabei. Nicht selten kommt ein kostenpflichtiges Abschleppen hinzu.

Nicht weniger bitter wie das vorsätzliche Falschparken von gesunden Menschen stößt May und seinen Kollegen im übrigen auch der Missbrauch von Behindertenausweisen auf, die zum Benutzen eines Behindertenparkplatzes gar nicht berechtigen. „Das kommt mindestens genauso häufig vor. Auch in Schleswig.“ Auch gestern habe vor Real ein Auto gestanden, in das der Fahrer einen sogenannten G-Schein gelegt hatte. Das bedeutet zwar „gehbehindert“, reicht aber nicht aus, um auch auf einem Behindertenparkplatz zu stehen. Dafür, so erklärt May weiter, brauche man einen Ausweis mit AG-Kennzeichnung. Dies steht für „außergewöhnliche Gehbehinderung“. Und wer diesen Ausweis in seinem Auto liegen hat, braucht ganz gewiss einen entsprechenden Parkplatz – egal ob in der Poststraße, bei Real oder auf dem Schleicenter.

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erstellt am 29.Aug.2015 | 07:35 Uhr

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