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200 Jahre Bibelgesellschaft : Dem Volk aufs Maul schauen

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

200-jährigen Jubiläum der schleswig-holsteinischen Bibelgesellschaft: Festakt mit 70 Gästen im St.-Petri-Dom

„Dankbar rückwärts, mutig vorwärts, gläubig aufwärts“ – mit diesen Worten von Franz Josef Strauß, der gestern 100 Jahre alt geworden wäre, lässt sich der Geist der Feierlichkeiten jener Institution zusammenfassen, die jetzt exakt doppelt so alt ist wie der legendäre CSU-Politiker: Die Schleswig-Holsteinische Bibelgesellschaft feierte am Sonnabend im St.-Petri-Dom ihr 200-jähriges Bestehen.

Das ursprüngliche Ziel der Bibelgesellschaften, die damals in den deutschen Teilstaaten entstanden, sei noch immer aktuell, meinte Christoph Rösel, der Generalsektretär der Deutscne Bibelgesellschaft: Es geht darum, die Bevölkerung mit preisgünstigen Exemplaren der Bibel zu versorgen. Rösel verwies auf den steigenden Anteil von Christen in der ländlichen Bevölkerung Chinas. Diese seinen aber oftmals zu arm, sich eine Bibel zu kaufen, und deshalb auf Spenden angewiesen. Also geht die Arbeit weiter – im Rückblick auf das Geschaffte und zugleich mutig voraus.

In Deutschland indes zählt es zu den wichtigsten Aufgaben der Bibelgesellschaft, die einheitliche Ausgabe der Luther-Bibel regelmäßig zu überarbeiten. Das Ergebnis einer erneuten „Durchsicht“ dieser Bibel durch eine Kommission der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) wird im Herbst 2016 veröffentlicht. Davon gab der aus Stuttgart angereiste Generalsekretär schon einige Kostproben. Dabei dürfe man nicht nur „dem Volk aufs Maul schauen“, so wie es der Reformator für seine Übersetzung der Bibel aus dem hebräischen und griechischen ins Deutsche im frühen 16. Jahrhundert tat, sondern man müsse auch dem „Reformator aufs Maul schauen“, betonte Rösel. Das heißt – ganz in Luthers Sinne – neben der Berücksichtigung der aktuellen Sprachgewohnheit dicht am Originaltext zu bleiben.

Die rund 70 Teilnehmer der Andacht erinnerte der Theologe auch an die vielen Redewendung, die oftmals der von Luther selbst überarbeiteten zweiten Ausgabe entstammen und die ganz unbemerkt Teil unserer Sprache geworden sind: Wer also mal wieder jemandem das Maul stopft oder Perlen vor die Säue wirft, bedient sich der Strahlkraft, die solche Wendungen immer noch haben. „Stilbildend für die deutsche Sprache“ nannte das Rösler.

Rolf Fischer, Staatssekretär im Kieler Wissenschafts- und Sozialministerium, nutzte sein Grußwort für ein Bekenntnis zum geplanten Gottesbezug in der Landesverfassung. „Politik ist immer auch an Werte gebunden, dieser Wertekanon spiegelt sich auch in unserer Verfassung wider. Aber das Grundgesetz ist eben keine Bibel“, sagte der SPD-Politiker.

Welche erhebende Kraft die biblischen Worte für den einzelnen Gläubigen abseits reiner sprachlichen Ästhetik haben, darauf verwies Bischof Gothard Magaard in seiner Predigt und nannte die vielen bildhaften Vergleiche, die für uns eine Versicherung von Gottes Liebe seien.

Die Vorsitzende der Schleswig-Holsteinischen Bibelgesellschaft, die Schleswiger Pröpstin Johanna Lenz-Aude, erinnerte an die Gründung des Bibelzentrums am St.-Johannis-Kloster durch ihren Vorgänger Dietrich Heyde. Dort begann am Sonnabend eine neue Ausstellung: Gezeigt werden fünf von Schleswig-Holsteinern handgeschriebene Bibeln, und zwar die Flensburger und die Dithmarscher Bibel, die Kieler Bürgerbibel, der Angeliter Psalter sowie das Neue Testament aus Garding.

 

 

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