zwischen Schleswig und Maasholm : Dem Aal auf die Sprünge helfen

Auch Gastronomen beteiligten sich an der Aussetz-Aktion – nicht zuletzt im eigenen Interesse, damit wieder Aal auf den Tisch kommt.
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Auch Gastronomen beteiligten sich an der Aussetz-Aktion – nicht zuletzt im eigenen Interesse, damit wieder Aal auf den Tisch kommt.

Zum wiederholten Male wurden gestern mehrere Tausend Jungfische in der Schlei ausgesetzt.

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30. Juli 2015, 15:30 Uhr

Und täglich grüßt das Murmeltier. Oder in diesem Fall besser gesagt: der Aal. Denn das Aussetzen von mehreren Tausend Mini-Exemplaren des beliebten Speisefisches an verschiedenen Stellen in der Schlei ist inzwischen zur Tradition geworden, die sich jedes Jahr zweimal wiederholt. Gestern war es wieder so weit. Um 8 Uhr versammelten sich die Schleswiger Fischer am Holm und entließen mehrere mit Jungaalen (mit einem Gewicht von jeweils etwa 0,8 Gramm) prall gefüllte Kübel in ihr Heimatgewässer. Ziel der Aktion ist es, die Population dieser seit Jahrhunderten in der Schlei heimischen, aber inzwischen bedrohten Fischart wieder anzuheben. Insgesamt wurden deshalb gestern Aale mit einem Gesamtgewicht von einer halben Tonne in der Schlei ausgesetzt – in Schleswig, Missunde, Karschau, Arnis und Maasholm. Und damit nicht genug: Bereits im April hatten die Fischer 170  000 Glasaale, die in einem noch früheren Entwicklungsstadium nur rund 0,3 Gramm wiegen, in das Gewässer entlassen.

Bereits zum fünften Mal fand diese groß angelegte Aktion nun statt. Angefangen hatte man 2010 mit dem Besatz von 33  000 Jungaalen. Wie damals war auch diesmal die Schar der Unterstützer groß. Zwar wird das „Aalutsetten“ zu 60 Prozent über öffentliche Mittel aus der Fischereiabgabe und dem Europäischen Fischereifonds finanziert. Die restlichen 40 Prozent der Gesamtsumme von rund 46  000 Euro aber teilen sich die Schleifischer unter anderem mit den Angelvereinen in der Region, zahlreichen Schleianrainer-Gemeinden und -Städten, einigen Restaurants, Räuchereien und Supermärkten sowie verschiedene Privataktionen.

Dass sich die Aktion auszahlt, davon ist Jörn Ross, Ältermann der Holmer Fischerzunft, überzeugt. „Die Tendenz ist eindeutig ansteigend“, sagte er mit Blick auf die Fangzahlen insbesondere in diesem Jahr. Denn jetzt hätten die Aale, die 2010 ausgesetzt wurden, das Mindestmaß von 45 Zentimetern erreicht. „Die Saison ist gut losgegangen. Es sind auf jeden Fall Aale da. Aber momentan verstecken sie sich.“ Das wiederum liege allerdings nur an den niedrigen Wassertemperaturen, die die Schlei zurzeit aufweist. „Wenn es unter 20 Grad werden, dann sind sie nicht mehr so aktiv. Und da der Aal lange Zeit ohne Nahrung aushält, bleibt er halt da wo er ist – bis es wieder wärmer wird.“

Wie die Mehrzahl seiner Kollegen reiste Ross, nachdem die Arbeit am Holm getan war, nach Maasholm. Dort wurde das Aalutsetten erneut zum kleinen Volksfest. Denn diesmal hatte sich Ministerpräsident Torsten Albig als prominenter Helfer angekündigt. Für ihn eine Premiere. Sein großer Wunsch sei es, dass die Winzlinge mit den Jahren zu stattlichen Fischen heranwachsen, betonte er von Bord eines Fischerbootes aus. „Der Aal gehört zur Schlei und zu ganz Schleswig-Holstein wie Leuchttürme und Windräder.“

Anschließend überreichte Albig im Namen der Schlei-Fischer den Ehrenpreis „Goldene Reuse“, die im vergangenen Jahr postum an den langjährigen Holmer Ältermann Harald Ross verliehen wurde, an Lieselotte Wiese. Mit der Veröffentlichung ihres Schleifischkochbuches habe die Arnisser Fischerfrau die heimische Fischwelt einem größeren Kreis von Köchen nahegebracht. Passend dazu waren zehn Vertreter der regionalen Gastronomie nach Maasholm gekommen, um ihre Verbundenheit mit der lokalen Fischerei zu bekunden.

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