Treene-Hochwasser : „Das war ein Jahrhundert-Ereignis“

Im Bereich um die Oeverseer Wassermühle glich die Treene zeitweise einem reißenden Strom.
1 von 3
Im Bereich um die Oeverseer Wassermühle glich die Treene zeitweise einem reißenden Strom.

Nicht nur in Hollingstedt sorgt das Treene-Hochwasser für Rekordpegelstände. Noch nie fiel auf der Geest so viel Regen wie im Dezember.

shz.de von
22. Januar 2015, 12:46 Uhr

Was seit Weihnachten als Regen vom Himmel gekommen ist, übertrifft auf der Geest alles bisher Dagewesene – was viele Anwohner der Treenegemeinden gefühlsmäßig betonen, lässt sich auch in Zahlen belegen – zumindest für die vergangenen Jahre und Jahrzehnte. Und es ist sichtbar: Äcker und Wiesen sind überflutet, die Treene füllt ihr Urstromtal aus, Straßen und Wege sind gesperrt. Nur langsam entspannt sich die Situation.

Oberhalb von Tarp ist die Treene normalerweise ein Flüsschen mit etwa fünf bis zehn Metern Breite, die beschaulich durch das jahrtausendealte „Urstromtal“ fließt. Nicht so zu Weihnachten und in den ersten Wochen des neuen Jahres. Breit war sie geworden, hatte einen großen Teil des Urstromtales eingenommen. Die zahlreichen Brücken in Tarp und Umgebung waren nicht mehr erreichbar, alles war überflutet. Da half nur der Spaziergang auf höher gelegenen Wegen.

Anders beispielsweise in Hollingstedt, wo die Treene weite Flächen überschwemmte und die Feuerwehr im Großeinsatz war, um die Deiche mit Sandsäcken zu sichern. So knapp wie zur Weihnachtszeit stand das Wasser selten unterhalb der Deichkrone, der Hollingstedter Pegel wies Heiligabend einen Rekordstand von 6,30 Meter auf. So hoch stand die Treene in den vergangenen 30 Jahren nicht einmal. Die Statistik des Landes weist in dieser Spanne nur zwei Zeitpunkte aus, an denen der Pegel überhaupt die Sechs-Meter-Marke kratzte: am 27. Februar 2002 (6,01 Meter) und am 12. Januar 2007 (6,01 Meter).

Im Dezember fielen im Raum Tarp 167 Millimeter Niederschlag pro Quadratmeter, so viel wie noch nie seit Aufzeichnungen überliefert sind, nämlich seit 1881. Die normale Niederschlagsmenge für diesen Bereich beträgt im Januar 80 Millimeter. Diese Menge wurde bereits bis zur Monatsmitte übertroffen. Holger Stehen vom Fachdienst Wasserwirtschaft des Kreises hat zudem die Abflussmengen der Treene bei Treia dokumentiert. Die bisherige Höchstmenge floss nach Abschmelzen des Schnees nach der Schneekatastrophe 1978. Es waren 45,2 Kubikmeter Wasser pro Sekunde. Zu Weihnachten 2014 jedoch flossen 62 Kubikmeter pro Sekunde durch die Treene, also runde 40 Prozent mehr. Normal sind etwa fünf Kubikmeter pro Sekunde, bei Sommerniedrigwasser gar nur drei.

In Oeversee am Bäckerweg wohnt Klaus Thomsen. „Wir wohnen seit 80 Jahren hier, einen solch hohen Wasserstand der Treene haben wir noch nie erlebt“, sagt er. „Für uns ist es ein Jahrhundert-Ereignis.“ Theo Block wohnt seit 1970 in der Wassermühle. Es gab naturgemäß immer wieder einmal hohe Wasserstände im Mühlenteich, aber „so hoch wie jetzt war es noch nie“, erklärt er. „Wäre es noch eine Stufe höher angestiegen, dann wäre das Wasser ins Haus gelaufen.“ 

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen