Stadtweg : Das war der letzte Tag bei Ibbeken

Martina Krieß
Martina Krieß

Familienunternehmen hat nach 140 Jahren aufgegeben / Beim Räumungsverkauf spekulierten die Kunden über die Gründe des Niedergangs

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18. Juli 2011, 09:59 Uhr

Schleswig | Am Sonnabend ist im Stadtweg ein Stück Schleswiger Wirtschaftsgeschichte zu Ende gegangen. Ibbeken gibt es nicht mehr. Nach 140 Jahren und fünf Generationen musste das zuletzt von Frauke Ibbeken-Nothelm und Holger Nothelm geführte Schreibwarengeschäft aufgeben. Ein Schritt, der den Inhabern sehr schwer gefallen ist. Die wirtschaftliche Lage ließ ihnen keine andere Wahl.

Am letzten Tag des Räumungsverkaufs zeigt sich inmitten riesigen Kaufinteresses und Kundenandrangs vor allem eines: Bedauern über die Schließung des Geschäfts. "Wieder gibt es einen Fachhandel weniger, und richtige Qualität finde ich in Schleswig nun nicht mehr", sagte Silke Schrank aus Schaalby. Wie ihr ergeht es vielen Kunden an diesem Tag - der letzte Einkauf ist mit einer gehörigen Portion Wehmut verbunden. "Sehr geschätzt habe ich die Beratung, besonders als es um die Füller für die Kinder ging", fährt sie fort. Ein kleiner Trost sei, dass ihre Schule die Regale von Ibbeken weiter verwenden könne. "So haben zumindest die Kinder noch was davon."

Die Ursachenanalyse war ein Hauptgesprächsthema der Kunden am letzten Tag bei Ibbeken - und es gab viele verschiedene Theorien. So meinte Sonja Schröder aus Schleswig: "Die Schließung war abzusehen, als Rossmann nebenan aufgemacht hat." Das Aussterben der traditionellen Fachgeschäfte sei ein Trend, der weit über Schleswigs Stadtgrenzen hinaus beobachtet werden kann, bemerkte Julia Taschka aus Gettorf: "Kinder basteln heute nicht mehr so viel wie früher, das macht es schwierig für solche Fachgeschäfte zu überleben. Das ist schade." Für Martina Krieß aus Hünning war das Geschäft immer "ein Anlaufpunkt, in dem ich nie lange nach dem suchen musste, was ich haben wollte." Auch Marlies Kratzsch aus Schleswig wird die Kundenberatung vermissen: "Hier durften die Kinder noch alle Füller ausprobieren, ehe einer gekauft wurde - wo geht das heute schon?" So nutzen viele Kunden ein letztes Mal die Möglichkeit, einen fachkundigen Rat vom Ehepaar Ibbeken einzuholen, ehe um 14 Uhr mit dem Schließen der Türen auch 140 Jahre Firmengeschichte zu Ende gehen. Neben Frauke Ibbeken-Nothelm und Holger Nothelm verabschiedeten sich auch drei langjährige Angestellte im Alter zwischen 40 und 60 Jahren von ihren Kunden.

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