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AUsgrabungen : Das Tor im Danewerk wird zugeschüttet

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Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Nach vier Jahren beenden die Archäologen ihre Arbeiten am Danewerk. Im Frühjahr wird das Denkmal in den Urzustand zurückversetzt, um es zu schützen.

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erstellt am 06.Nov.2014 | 14:16 Uhr

Vier Jahre lang wurde am Danewerk gegraben – jetzt werden die Vorbereitungen getroffen, um eine der bedeutendsten mittelalterlichen Befestigungsanlagen der Welt für die Nachwelt zu konservieren. „Für uns steht jetzt die Erhaltung im Vordergrund. Wir müssen die Mauer schützen“, erklärte Dr. Martin Segschneider vom Archäologischen Landesamt. Das bedeutet konkret, dass die Grabungsstelle zugeschüttet wird. Die Steinwälle werden zunächst für den kommenden Winter durch Vlies und Planen geschützt, im Frühjahr werden auch sie mit Erde bedeckt. „Wir stellen den Urzustand wieder her. Dann können wir aufatmen, weil die Mauer gesichert ist“, so Segschneider. Wie die Anlage der Öffentlichkeit in Zukunft präsentiert werden soll, ist noch nicht geklärt. Die Überlegungen werden offenbar zurückgestellt, bis Ende Juni die Entscheidung darüber gefallen ist, ob Haithabu und das Danewerk zum Weltkulturerbe ernannt werden.

Das vierte und vorerst letzte Grabungsjahr brachte einige überraschende Erkenntnisse, wie Dr. Astrid Tummuscheit vom Archäologischen Landesamt berichtete, die die Grabungen zusammen mit Frauke Witte vom Museum Sønderjylland leitet. Der Fokus lag auf einem rund 500 Quadratmeter großen Gelände vor dem Wall. In dem „fundarmen“ Gebiet entdeckten die Mitarbeiter erstaunlich viele und teilweise sehr gut erhaltene Spaten, mit denen Gräben ausgehoben oder Wälle aufgehäuft wurden. Darunter ist auch das Lieblings-Fundstück von Astrid Tummuscheit: Ein mehr als 800 Jahre altes und fast perfekt erhaltenes asymmetrisches Werkzeug. „Da wird Geschichte lebendig – damit hat vor Jahrhunderten ein Mensch hart gearbeitet.“

Es gab aber auch Funde, nach deren Auswertung die Archäologen bisherige Annahmen korrigieren mussten. So gingen sie bisher davon aus, dass das Tor im Wall etwa im Jahr 1200 geschlossen wurde. Nun aber wurden Holzpflöcke für Entwässerungsgräben gefunden, die offensichtlich durch das Tor führten. Die Datierung des Holzes war langwierig und schwierig – und das Ergebnis überraschend: Der Graben wurde 1200 gebaut. „Wir müssen jetzt davon ausgehen, dass das Tor noch einige Jahrzehnte länger in Betrieb war, als wir bisher geglaubt hatten“, sagte Tummuscheit.

Auf dem untersuchten Gelände fanden die Forscher eine Vielzahl von Gräben und Wegeresten – darunter einen Weg, der vom großen Tor aus nicht in gerader Linie zum Ochsenweg führt, sondern zunächst parallel zum Wall verläuft. Astrid Tummuscheit erklärt diese überraschende Wendung mit einer Verteidigungsstrategie: „Mögliche Angreifer wurden auf diese Weise gezwungen, sich zu Fuß oder auf dem Pferd an der Verteidigungslinie entlang zu bewegen – und zwar so, dass die ungeschützte rechte Seite, links wurde der Schild getragen, den Verteidigern zugewandt war. So wurden die Angreifer verwundbar.“

Claus von von Carnap-Bornheim, der Leiter des Archäologischen Landesamtes, bezeichnete die nun abgeschlossenen Arbeiten als eine der wichtigsten Grabungen der letzten Jahre. „Und sie stellen einen überragenden wissenschaftlichen Erfolg dar.“ Von Carnap-Bornheim machte zudem deutlich, dass die Arbeiten mit Blick auf den angestrebten Kulturerbe-Titel eine nicht unwesentliche Rolle spielen. „Die Grabungen zeigen, wie wir hier mit dem Denkmal umgehen – das wird von der Kommission durchaus bewertet.“ Insgesamt 800 000 Euro wurden für die vierjährige Grabung ausgegeben, Geld, das allein in Schleswig-Holstein generiert worden sei. Der dänische Anteil des deutsch-dänischen Projekts stammt zum größten Teil aus Fördermitteln und von Sponsoren.

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