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Gesperrte Bahnhofshalle : Das Schleswiger Bahnhofs-Chaos geht weiter

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Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Am 8. Mai richtet die Bahn einen provisorischen Fahrkarten-Schalter ein – aber die Toiletten bleiben unzugänglich.

Georg Niedziella hat seit zwei Wochen eine ungewohnte Aufgabe: Er führt Fahrgäste durch den Tarifdschungel der Deutschen Bahn. Jedenfalls versucht er das, so gut er kann. Der pensionierte Lehrer von der Bruno-Lorenzen-Schule ist ehrenamtlicher Leiter der Bahnhofsmission – und damit einer der letzten Ansprechpartner, die Reisende auf dem Schleswiger Bahnhof überhaupt noch antreffen. Sehr oft steht er jetzt am Fahrkarten-Automaten neben dem Bahnhofskiosk und hilft eiligen Reisenden, rechtzeitig die richtigen Knöpfe zu drücken, bevor ihr Zug abfährt.

Fahrkarten gibt es derzeit nur am Automaten: Fahrgast Lukas Wendt im Gespräch mit Georg Niedziella von der Bahnhofsmission.
Fahrkarten gibt es derzeit nur am Automaten: Fahrgast Lukas Wendt im Gespräch mit Georg Niedziella von der Bahnhofsmission.
 

Seit dem 13. April ist die Bahnhofshalle aus baulichen Gründen gesperrt. Seither ist auch das Reise-Center der Deutschen Bahn geschlossen. Fahrkarten gibt es nur noch am Automaten. Niedziella hatte sich insgeheim schon darauf eingestellt, noch über Monate als Helfer am Automaten tätig zu sein. Denn bisher hatte die Bahn AG sich nicht dazu geäußert, wie es weitergehen soll mit dem Fahrkartenverkauf. Auf der jüngsten Hauptausschuss-Sitzung im Rathaus hatten die Ratsmitglieder an den Bürgermeister appelliert, die Bahn dazu aufzufordern, zumindest einen provisorischen Ticketschalter in einem Container zu eröffnen.

Doch jetzt tut sich etwas. Ab Montag, 8. Mai wird es wieder einen „personenbedienten Verkauf“ geben, teilte der Hamburger Bahnsprecher Egbert Meyer-Lovis gestern auf SN-Nachfrage mit. Dazu wird der ehemalige Kassenraum im Bahnhofsgebäude hergerichtet. Dieser Raum ist durch eine Außentür von der Straßenseite aus erreichbar und von der Sperrung der Halle nicht betroffen. „Die Möbel sind organisiert“, sagte Meyer-Lovis. Im Außenbereich werde dann ein Schild mit der Aufschrift „Reisezentrum“ installiert. An den verriegelten Eingangstüren zur Halle sollen Kundeninformationen und Wegbeschreibungen angebracht werden. Außerdem soll bald wieder ein zweiter Fahrkartenautomat erreichbar sein: Der Automat, der sich in der verriegelten Halle befindet, soll nach Gleis 3 umgesetzt werden.

Ansonsten sei „der Sachstand leider im Wesentlichen unverändert“, so der Bahnsprecher. Das Empfangsgebäude bleibe so lange auf behördliche Anordnung geschlossen, bis der Eigentümer alle baurechtlichen Voraussetzungen erfüllt. Die Bahn hatte die Türen vor zwei Wochen nach einem Ortstermin mit Vertretern des Eisenbahnbundesamtes verriegelt. Die Behördenvertreter fürchteten um die Standfestigkeit des Gebäudes. Der Eigentümer, ein Unternehmensberater aus dem Breisgau, habe im Keller und im Obergeschoss Umbauarbeiten vorgenommen. Nach Angaben des Eisenbahnbundesamtes und des Schleswiger Bauamtes hat er dazu keine Genehmigung.

Hinter der weißen Tür verbirgt sich der ehemalige Kassenraum. Dort richtet die Bahn ihr provisorisches Reisecenter ein.
Hinter der weißen Tür verbirgt sich der ehemalige Kassenraum. Dort richtet die Bahn ihr provisorisches Reisecenter ein. Foto: oje (2)
 

Niedziella rechnet nicht damit, dass sich an der Situation in absehbarer Zeit etwas ändert. An den Baustopp, den das Bauamt im Oktober verhängt hatte, scheine sich der Eigentümer inzwischen zu halten. „Wir haben jedenfalls keine Bauarbeiter mehr gesehen“, sagt Niedziella.

Der Investor, der aus dem Gebäude einen „Event-Bahnhof“ machen möchte, kündigt unterdessen an, seine Renovierungsarbeiten in Kürze fortzusetzen. Er bezweifelt die Rechtmäßigkeit der Sperrung. Ihm sei bislang keine schriftliche Begründung zugestellt worden, erklärt er auf seiner Facebook-Seite. Die Bahn habe die Empfangshalle „wohl aufgrund von Falschmeldungen der Baubehörde Schleswig“ verschlossen, meint er.

Auch wenn am 8. Mai wieder ein Fahrkartenschalter öffnet, gibt es für ein anderes Problem noch keine Lösung: Solange die Halle verriegelt ist, sind auch die Toiletten nicht zugänglich. Derzeit werde geprüft, „inwieweit anschlusstechnisch und auch unabhängig vom Eigentümer ein WC-Wagen oder zur Not auch Dixi-Toiletten aufgestellt werden können“, erklärte Bahnsprecher Meyer-Lovis. Diese Prüfung werde Anfang Mai stattfinden, „so dass wir hier keine schnelle Lösung erwarten“.

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erstellt am 29.Apr.2017 | 07:13 Uhr

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