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Schleswiger Nachrichten

23. Oktober 2017 | 01:08 Uhr

Schleswig : „Das Schilf wächst zögerlich“

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Zwei Jahre nach einer mysteriösen Mäh- und Planier-Aktion sprießt langsam wieder neues Schilf auf dem Uferstreifen vor der Mühle „Nicola“ auf der Freiheit.

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erstellt am 13.Aug.2015 | 12:08 Uhr

Auf den ersten Blick sieht es aus wie ein ungemähter Rasen: Frisches Grün wächst auf dem Uferstreifen unterhalb der Mühle „Nicola“ auf der Freiheit. Langsam erobert sich die Natur zurück, was vor gut zwei Jahren über Nacht zerstört war. Auf einer Länge von rund 200 Metern war der Schilfgürtel an der Schlei plötzlich verschwunden. Die Holmer Fischer waren die ersten, denen dies auffiel. Es sah aus, als wäre das Schilf mit schwerem Gerät abgemäht und niedergewalzt worden. Die Untere Naturschutzbehörde beim Kreis Schleswig-Flensburg leitete ein Verfahren wegen Verstoßes gegen das Landesnaturschutzgesetz ein. Die Mühle war damals noch im Bau. In der Schleswiger Stadtverwaltung vermutete man den Bauherrn Arnd Jansohn als Verursacher. Dieser aber weist das entschieden zurück. „Ich weiß nicht, wer dafür verantwortlich ist“, sagt er.

In der Kreisverwaltung setzte man von Anfang an darauf, dass sich das Schilf von selbst wieder ansiedelt. „Auf diese Weise können wir sicherstellen, dass dort auch in Zukunft heimische Sorten wachsen, die an das Brackwasser in der Schlei angepasst sind“, sagt Bettina Koch von der Naturschutzbehörde. Doch als die Mühle in diesem Jahr an Pfingstmontag feierlich eröffnet wurde, war noch immer kaum frisches Schilf zu erkennen. Inzwischen steht es an vielen Stellen rund 30 Zentimeter hoch. Jansohn verweist auf die gescheiterten Versuche, Schilf aus dem Gottorfer Schlossgraben auf der Möweninsel anzupflanzen. „So etwas braucht seine Zeit.“ Schließlich sei das Ufer Wind und Wetter mit Wellenschlag und Hochwasser ausgesetzt. Er hat das stets im Blick, denn zusammen mit seiner Frau Nicola wohnt er seit dem Frühjahr in einem Haus, das er direkt neben der Mühle errichtete.

Bettina Koch hatte erwartet, dass das Schilf deutlich schneller wächst. „Es wächst zögerlich. Eigentlich müsste es schon wieder so hoch sein wie ich – und ich bin 1,60 Meter groß“, sagt sie. Erkenntnisse, dass in der Zwischenzeit wieder jemand unbemerkt gemäht und planiert haben könnte, hat sie indes nicht. Der Schilfgürtel gilt als schützenswertes Biotop. Er bietet an Land Lebensraum für Brutvögel und ist unter Wasser Laichgrund für Fische.

Unabhängig von der Schilf-Affäre hat sich die Mühle in diesem Sommer zu einem beliebten Ausflugsziel entwickelt. Seit Pfingsten haben Jansohn und seine Helfer an jedem Wochenende zwischen 50 und 120 Besucher durch das Bauwerk geführt. Hinzu kommen nahezu wöchentlich Gruppenführungen. Noch bis Ende September ist die Mühle sonnabends und sonntags von 13 bis 17 Uhr geöffnet. Dort kann man die Anlage besichtigen und frisch gemahlenes Bio-Mehl kaufen. Jansohn hat sich entschlossen, die Mühle für den Mehlverkauf auch im Winterhalbjahr zu öffnen, und zwar immer sonnabends von 11 bis 12 Uhr. Im nächsten Sommer ist die Mühle voraussichtlich nur noch sonntags geöffnet. „Da kommen deutlich mehr Leute als am Sonnabend“, hat Jansohn festgestellt.

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