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Schleswiger Nachrichten

22. August 2017 | 11:44 Uhr

Schleswig : Das Rathaus im Jazz-Fieber

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Großer Andrang und begeisterter Applaus beim Schleswiger Jazz-Herbst mit den Hothouse Jazzmen und dem Lene-Krämer-Duo

Wenn im Ständesaal über zweihundert Füße wippen und in der Gotischen Halle begeisterter Applaus donnert, dann liegt wieder Jazz in der Luft. Mit dem traditionellen Doppelkonzert im Rathaus begann am Sonnabend der Schleswiger Jazzherbst. Mit den Hothouse Jazzmen aus Kiel und dem deutschdänischen Lene-Krämer- Duo präsentierten der Schleswiger Musikclub (SMC) in Kooperation mit dem Sydslesvigsk Forening (SSF) und der Stadt Schleswig etablierte Musiker aus der schleswig-holsteinischen Jazzszene. Ehe die Hothouse Jazzmen im Ständesaal den musikalischen Einstieg übernehmen konnten, war zunächst Stühlerücken angesagt.

Angesichts von mehr als 120 Jazzfans „müssen wir Stühle nachstellen, denn mit einem solchen Andrang hatten wir nicht gerechnet“, zeigte sich Peter Dernehl, erster Vorsitzender des SMC, erfreut. Somit konnten die Jazzmänner der 1975 gegründeten Formation ein volles Haus zum Schwingen bringen. „Wir führen Sie around the concert“, kündigte Moderator und Schlagzeuger Thomas Greinke an. Dabei setzten sie gleich zu Beginn Akzente durch viele Soloparts, so von „Special Guest“ Helmar Marczinski an der Klarinette. Im Hintergrund plätscherte das Piano unter den Fingern von Bogdan Szczawinski, mit dem der Bass von Kai Stemmler Schritt hielt. Greinkes Aufforderung an das Publikum, „Füße und Hände zu lockern“ folgten Applaus und rhythmisches Fußwippen. Dann sang er „If I had a talking picture of you“ von der US -Jazz Band Johnny Hamp’s Kentucky Serenaders, wobei ihn der dienstälteste Musiker Dieter Drewing an der Trompete manches Mal herausforderte.

Bei „Land of Plenty“ zeigte Greinke die ganze Bandbreite seines Könnens und wirbelte am Schlagzeug ordentlich Staub auf. Doch auf kraftvolle Intervalle folgen sanfte Töne, unterstrichen von Owe Hansen an der Gitarre und Jürgen Reinhard mit seiner Posaune. Musik und Licht hüllten den Saal in eine stimmungsvolle Atmosphäre. Je später der Abend wurde, desto munterer wurden die Hothouse Jazzmen. Bei „Route 66“ überließen die Bläser den Musikern im Hintergrund das Rampenlicht.

Nach dem ersten Abschlussapplaus im Ständesaal setzte sich die Karawane in Richtung Gotische Halle in Bewegung, wo sie bereits vom Lena Krämer Duo erwartet wurden. Die Sängerin Lena Krämer und der Pianist Stephan Scheja sind seit 2008 ein musikalisches Paar und geben Jazz, Swing und Bossa Nova zum Besten. Damit sie nicht wieder als Deutsche mit Sprachfehler abgestempelt wurde, machte Krämer schnell klar: „Ich bin Dänin, lebe aber so gerne hier in Schleswig-Holstein.“ Und dass sie ihre Stimme ebenso perfekt beherrscht wie Scheja das Pinao bewies sie nicht nur mit „Black Orpheus“, dem ursprünglichen Bossa Nova von 1959, der sich zum Jazz-Standard entwickelt hat. Zudem entführte sie das Publikum mit dem Siegerlied des Eurovision Song Contests 1963, „Danevise“, in die dänische Liederwelt. Doch Lene Krämer sang nicht einfach, sondern verpackte ihre Lieder in kleine Anekdoten. Bei „Fly me to the moon“ machte sie sich Gedanken über einen Grundstückskauf auf dem Mond, und erzählte, dass „meine Mutter mit 92 Jahren angefangen hat, Jazz zu hören.“ So entstand eine persönliche Atmosphäre. Pianist und Sänger unterstützten einan-der und waren zunehmend im harmonischen Fluss. Am Ende nahm sie das Mikrofon und stimmte aus der Mitte der Zuhörer „Feeling Good“ an. Mit „What a wonderful world“, ihrer Hommage an die wunderschönen Landschaften Schleswig-Holsteins, verabschiedete sich das Duo in die Pause, ehe es bis Mitternacht den zweiten Teil spielte.

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erstellt am 28.Okt.2013 | 00:34 Uhr

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