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Mädchen aus Angola in Schleswig operiert : Das neue Glück der kleinen Mary

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Seit fünf Wochen lebt die fünjährige Mary in Schleswig. Bald kehrt sie zurück nach Angola – und kann endlich richtig laufen.

von
erstellt am 04.Apr.2015 | 07:42 Uhr

So macht Krankenhaus Spaß. Mary, fünf Jahre alt, zeigt vergnügt auf ihre frisch dekorierte Hand. An zwei Finger hat Schwester Britt ihr gerade neue Totenkopf-Pflaster geklebt, was noch aufregender aussieht als bloßer Nagellack. Doch die eigentlich tolle Nachricht von Mary hat einen anderen Hintergrund: Sie ist im Schleswiger Krankenhaus erfolgreich behandelt worden und kann bald zu ihrer Familie in Angola zurückkehren – gesund.

Auf der Kinderstation im Schleswiger Helios-Klinikum fühlt sich Mary mittlerweile auch ein bisschen wie zu Hause. Seit fünf Wochen lebt sie hier – „sie ist einfach unser aller Sonnenschein“, sagt Stationsleiterin Britt Pieplau. Das kleine Mädchen aus Angola war nach kurzer Zwischenstation im Verein „Internationales Friedensdorf“ in Oberhausen mit einem schweren Beinleiden ins Schleswiger Helios-Klinikum gekommen. „Sie hatte eine komplizierte Verwachsung an ihrem linken Bein, die rührte wohl von einem früheren Knochenbruch her“, meint Dr. Volker Stein, Chefarzt der Orthopädie und Unfallchirurgie am Helios-Klinikum. Durch dieses Handicap habe Mary sich nur noch humpelnd oder hinkend auf dem gesunden Bein fortbewegen können. Unbehandelt wäre sie als Erwachsene wohl unweigerlich im Rollstuhl gelandet.

Doch die schwere Gehbehinderung ist nun Geschichte. Der Schleswiger Chirurg Stein, selbst Vater von vier Kindern, hat Mary zwei Mal operiert. Das kranke Bein sei bei den OPs „vorsichtig begradigt werden“, sagt er. In diesen Tagen konnte er ihr bereits das Gestell abnehmen und anschließend einen Gipsverband anlegen. „Und wie Kinder so sind, versuchte sie gleich zaghaft, damit zu gehen“, erzählt der Arzt. Ihre kleinen Krücken, ebenfalls mit dem Totenkopf-Pflaster am Knauf, hat sie bereits in die Ecke gestellt.

Noch vor dem Osterfest verlässt sie das Krankenhaus, um vorerst nach Oberhausen in das „Friedensdorf“ zu fahren, wo schon Spielkameraden auf sie warten. Die kommen zum Teil aus Angola, aber auch aus Afghanistan und anderen Ländern, in denen kriegsähnliche Zustände herrschen. Meist erfahren Kinder dort nicht die medizinische Behandlung, die sie aufgrund ihrer Erkrankung benötigen. Deshalb kümmert sich der Verein „Friedensdorf“, der sich von Spenden finanziert und für den sich Ärzte in jenen Ländern engagieren, um den Transport der Kleinen nach Deutschland. Im Friedensdorf, das ähnlich aufgebaut ist wie ein SOS-Kinderdorf, werden sie dann vor und nach der Behandlung in verschiedenen Kliniken des Landes versorgt.

Im Helios-Klinikum Schleswig übernimmt man pro Jahr für zwei dieser Kinder die komplette Behandlung und trägt auch die Kosten für deren Krankenhaus-Aufenthalte.

So wie bei Mary. Sie schreitet jetzt noch fröhlicher durchs Leben als es ihr durch ihre Frohnatur ohnehin gegeben zu sein scheint. Hinzu kommt ihr Sprachtalent. Als sie auf die Station kam, sprach sie kein Wort Deutsch. Nur portugiesisch – mit angolanischem Dialekt. Jetzt kann sich die Fünfjährige schon gut verständigen und scherzt sogar auf Deutsch mit ihren Betreuern. Das Tschüss kommt ihr schon fast norddeutsch über die Lippen. Außer Britt Pieplau hat sich auch die Schleswigerin Jutta Hartwig mütterlich um sie gekümmert, da wurde viel geschmust und gesprochen. Die Hilfsbereitschaft unter Schwestern, Pflegern und Ärzten im Krankenhaus sei insgesamt groß gewesen. „Aus einer Erfahrung jedoch haben wir gelernt“, sagt Volker Stein schmunzelnd. Nämlich: „Das Fernsehen lassen wir komplett weg. Denn unsere kleinen Patienten waren selbst bei Zeichentrickfilmen wie narkotisiert, sie waren gar nicht mehr weg zu kriegen vom Bildschirm.“ Tatsächlich schaut auch Mary gerade konzentriert und fasziniert auf den PC-Bildschirm ihres Arztes. Auch wenn dort nur ihre eigenen Röntgenbilder zu sehen sind.

In einigen Wochen wird Mary noch einmal ins Schleswiger Krankenhaus kommen. Dann soll ihr in einer OP das Stützmaterial aus dem Bein wieder entfernt werden. Im Herbst dann fliegt sie endgültig nach Angola zurück – und wird Eltern und Geschwistern entgegen laufen. Auf zwei gesunden Beinen.

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