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„Hackfressen und Lametta“ : Das letzte große Weihnachtstreffen im FKKZ

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

„Für uns entsteht eine Lücke“, sagten die Besucher. Die Tradition der FKKZ-Konzertreihe „Hackfressen und Lametta“ auf der Freiheit geht zu Ende.

Bei vielen Jugendlichen, die über die Weihnachtsfeiertage nach Schleswig kommen, war der 23. Dezember jahrelang rot im Kalender angestrichen. Denn alle Jahre wieder zog das beliebte Rockkonzert „Hackfressen und Lametta“ am Abend vor Heiligabend viele junge Schleswig-Heimkehrer zum Freien Kultur- und Kommunikationszentrum (FKKZ) auf der Freiheit.

Doch das 16. Mal könnte zugleich das letzte dieser traditionsreichen Konzerte gewesen sein, denn das FKKZ muss bis August nächsten Jahres seinen bisherigen Standort auf dem ehemaligen Kasernengelände verlassen. Verantwortlich dafür ist das Auslaufen des Pachtvertrages mit der Investorengruppe Team Vivendi. Das FKKZ hatte sich zuvor über zu hohe Miet- und Nebenkosten beklagt: „Wir finanzieren uns fast ausschließlich über die Vermietung der Proberäume und sind somit auf die Gebäude hier auf der Freiheit angewiesen“, so FKKZ-Leiter Jan-Friedrich Dünne. Konzerte wie dieses ließen sich daher nur wieder realisieren, wenn man in Zukunft einen geeigneten Ort finden könne. „Wir suchen natürlich bereits nach neuen Räumlichkeiten. Es ist allerdings schwierig, eine feste Miete zu zahlen, weil wir dann wahrscheinlich ein regelmäßigeres Programm aufstellen müssten. Dafür bräuchten wir natürlich mehr Sicherheit in der Nachfrage.“ Bis zum nächsten Jahr will man weiterhin das Gespräch mit Team Vivendi suchen: „Wir wollen letztendlich eine Lösung finden, mit der alle zufrieden sind“, betont Dünne. Die rund 250 Besucher des Konzerts schwelgten in einem Wechselbad der Gefühle: „Es ist schade, dass das FKKZ von der Freiheit weg muss. Schleswig bietet ansonsten nicht allzu viel für Jugendliche. Ich verstehe nicht, warum sich die Stadt nicht mehr dafür einsetzt. Immer mehr Jugendliche ziehen aus Schleswig weg und der Altersdurchschnitt steigt, für uns entsteht eine Lücke“, gibt der mittlerweile in Aachen lebende Student Jan Büchsenschütz (22) zu bedenken. Die Kieler Studentin Finja Clausen (20) pflichtet bei: „Das FKKZ ist das einzige, was uns hier noch bleibt. Schleswig stellt sich immer als Kulturstadt hin, aber die Jugendkultur stirbt aus. Ich bin jetzt schon zum dritten oder vierten Mal hier. Man trifft hier Leute wieder, die man teilweise jahrelang nicht gesehen hat, und dann kommt noch die geile Musik dazu.“

Auf gleich zwei Bühnen präsentierten sich diesmal junge und jung gebliebene Bands abwechselnd. Die geplanten Opener „Johnny the Bird“ mussten leider aufgrund von Krankheitsfällen absagen. So sprangen die Kieler Jungs von „Chuck Bass“ in die Bresche und eröffneten im Saal das Konzert mit einheizendem Screamo-Punk. Die Schleswiger Band „Lirr.“ erfüllte darauf das Café mit beinahe sphärischen Klangwänden aus Gitarrensounds. Die Headliner von „The Ed Random Band“ sind wahre Urgesteine der Schleswiger Szene. „Wir haben im Jahr 2000 zum ersten Mal beim Weihnachtskonzert im Jugendzentrum mitgespielt. Das letzte Mal sind wir hier 2005 aufgetreten“, sagte Sänger Ole Graack. FKKZ-Leiter Jan-Friedrich Dünne spielt Schlagzeug bei „Ed Random“: „Das Besondere an diesem Konzert ist das familiäre Gefühl. Die jungen Leute, die uns damals gehört haben, spielen heute selbst hier. Man könnte also sagen, dass die Faszination mittlerweile generationsübergreifend ist.“

In diesem Jahr hat das Quartett sein altes Album von 2004 nochmal auf Venyl rausgebracht. So entstand die Idee für das Comeback. „Wir mussten sogar einige Autogramme geben“, berichtete Ole Graack. „Der Auftritt hier scheint auf jeden Fall gut angekommen zu sein. Wenn die Leute wollen, spielen wir ja vielleicht irgendwann nochmal wieder.“

Besonderen Eindruck hinterließen die Headliner unter anderem bei Zuhörer Steffen Waltersdorf (22) aus Bokelholm bei Rendsburg: „Ich kannte die Band zwar vorher nicht, aber die sind echt geil. Ich bin immer wieder überrascht, wie entspannt das hier doch alles läuft. Ich finde es schade, dass das FKKZ hier raus muss.“

Für einen gebührenden Abschluss des Abends sorgten die Bands „Death Hoax“ und „Salamanda“ aus Flensburg. Bei der anschließenden Aftershow-Party im Café legte der Berliner DJ Jann Rasmus Petersen, bekannt als „DJ Dorsch“, auf.

Veranstalter Jan- Friedrich Dünne zog sein Fazit: „Ich habe selten so ein nettes Miteinander erlebt. Ich hoffe, dass unsere Konzerte auch in den nächsten Jahren weitergehen werden.“


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