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Schleswiger Nachrichten

22. August 2017 | 04:07 Uhr

Schleswig : Das lebendige Museum

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Knapp 12 000 Besucher erleben den Frühjahrsmarkt in Haithabu – und gewinnen dabei einen detailreichen Einblick in das Leben der Nordmänner.

„Wir haben den Besucherrekord von letztem Jahr gebrochen“, freute sich Ute Drews und schwärmte von einem „ganz tollen Saisonauftakt“. Knapp 12  000 gut gelaunte Gäste, 260 hoch zufriedene Wikinger und eine glückliche Museumsleiterin – der fünfte Frühjahrsmarkt im Wikingermuseum Haithabu war ein voller Erfolg.

Dies konnten auch die vielen Händler bestätigen, die aus ganz Deutschland und dem angrenzenden Ausland nach Haithabu gereist waren. „Ich hatte sehr viele neugierige Besucher, die qualifizierte Fragen gestellt haben“, erzählte Karina Kalunka, die vor ihrem Zelt gemütlich auf einer Bank saß und mit Nadel und Garn arbeitete. Was aus der Ferne wie Häkeln oder Stricken aussah, erwies sich bei genauerem Betrachten als „Nadelbinden“. „Das ist eine sehr alte Technik, bei der man mit einem endlichen Faden arbeitet und mit der Nadel immer wieder Schlaufen bildet – im Grunde wird geknotet“, sagte sie. So entstünden Mützen, Socken oder Handschuhe – ein solcher sei übrigens auf Schloss Gottorf ausgestellt. Seit zehn Jahren sei es ihr Hobby, „als Wikingerfrau durch die Gegend zu ziehen“, wie sie es beschrieb. Die Wikinger von heute seien eine „eingeschworene Gemeinschaft, wie eine große Familie“. Gemeinsam genieße man es, im Lager Abstand vom stressigen Alltag zu gewinnen: „Wir leben in Haithabu ohne Handy, Laptop und Fernsehen“, so die Bankkauffrau. Die Nächte verbrachte sie im typischen Dreieckszelt: „Unter den Wolldecken war es mollig warm.“

Auch die Wikingerhäuser wurden mit Leben gefüllt, das typisch für den Alltag der Nordmänner und -frauen gewesen sein mag. So saß Susann Seibt alias „Solá“ vor ihrem reetgedeckten Haus in der Sonne und knotete ebenfalls eine Socke, während drinnen der Rest ihrer bayerisch-tiroler Wikingergruppe Ketten, Perlen oder Webstoffe herstellte. Zwischendurch schaute ihr Vater Wolfram Neuwald – Lagername „Ulfram Johansson“ – vorbei, der von der Feuerwache bis hin zum Beschaffen von Feuerholz jegliche „Hausmeistertätigkeiten“ mit einem Lächeln auf den Lippen absolvierte. „Der Markt ist super, es gibt viele interessierte Leute“, meinte er. Und die meisten nähmen es auch klaglos hin, dass es bayerisch angehauchte Wikinger gibt: „Nur einer von 50  000 Besuchern in den letzten Jahren hat sich daran gestört.“

Dass es sogar in Frankreich Wikinger gibt, bewies Bettina Sagenschneider. Von dort war sie extra für den Markt nach Haithabu gereist und freute sich, dass die Menschen vor Ort „sehr offen sind für Geschichte“. Sie stellte Kleidung aus Leinen und Wollstoffen her und meinte: „Sobald man die Gewandung anzieht, versinkt man in dieser anderen Welt.“ Dies galt auch für Bernsteinschleifer Christof Skalny, der die Idee für sein Handwerk aus seiner Geburtsstadt mitgenommen hat: „Wenn man aus Danzig kommt, hat man Bernstein im Blut.“ In Haithabu erzählte er Besuchern von seiner Leidenschaft für die „besonderen Steine“. Anfang der Woche hatte er befürchtet, dass der Markt aufgrund des Sturms nicht stattfindet. Umso glücklicher war er nun über die Sonne: „Besseres Wetter kann man sich nicht wünschen.“ Doch auch die Fans vom Wikingerschiff „Erik Steuermann“ konnten beruhigt sein: Für einen Segeltörn auf dem Haddebyer Noor reichte der Wind allemal.

 

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