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Fahrdorfer Neubaugebiet : Das lange Warten auf die Telekom

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Die Bewohner des Fahrdorfer Neubaugebiets Bytstelle/Schleibogen sind teilweise seit fünf Monaten ohne Internet und Telefon-Anschluss.

„Eine meiner Töchter studiert in Kiel. Die kommt schon nicht mehr.“ Was Dirk Siemen etwas übertrieben und mit einer guten Portion Galgenhumor formuliert, hat einen durchaus ernsten, vor allem aber äußerst ärgerlichen Hintergrund. Im September ist er mit seiner Familie in das neue Eigenheim im Fahrdorfer Neubaugebiet eingezogen – Telefon und Internet aber funktionieren immer noch nicht. Dabei hatte der IT-Fachmann sich rechtzeitig darum bemüht. Im Oktober hatte er bei der Telekom den Antrag gestellt, Ende 2015 die Bestätigung bekommen. Alles schien in bester Ordnung, dennoch meldete sich Siemen im Juli vorsichtshalber noch einmal bei seinem Techniker. Dessen Antwort: „Bis September ist ja noch viel Zeit.“ Offenbar aber nicht genug für die Telekom, um eine Internetverbindung herzustellen und das Telefon anzuschließen. Für Dirk Siemen begann nach dem Einzug eine nervenaufreibende Zeit voller (Handy-)Telefonate. Er wurde in schier endlose Warteschleifen verwickelt, bekam Zugeständnisse, die nicht eingehalten wurden, hörte Beschwichtigungen, Durchhalteparolen und Erklärungen. Auch Techniker kamen gelegentlich ins Haus, zogen aber stets unverrichteter Dinge wieder ab, zuletzt versuchte es Dirk Siemen mit Beschwerdebriefen an den Telekom-Vorstand und die Bundesnetzagentur. Zugang zum Internet aber bekam er bisher nicht.

Für Siemen und seine Familie ist es nur ein schwacher Trost, dass sie mit ihren Problemen nicht allein sind. Insgesamt 14 Haushalte in den Straßen Bytstelle und Schleibogen sind betroffen. Alle sind neu zugezogen, alle Kunden der Telekom und alle wegen fehlender Verbindung auf das Handy reduziert. Kristin und Sascha Göttsche sind im November eingezogen, Maria Rühs und Christin Peters kurz vor Weihnachten. Sie alle haben immer wieder gedrängt, sie alle blieben bisher erfolglos und wirken inzwischen frustriert und teilweise auch wütend. Dass es mit den Verbindungen immer noch nicht geklappt hat, nervt alle. Was aber wirklich ärgert, ist das Gefühl, von der Telekom abgewimmelt und vor allem nicht gleichbehandelt zu werden. Christin Peters beispielsweise, die in Büdelsdorf in der IT arbeitet, hatte ihren Job vor dem Umzug nach Fahrdorf einmal pro Woche von zu Hause aus erledigt. Ohne Internetzugang aber wurde das unmöglich. Auf mehrfaches Drängen erhielt sie von der Telekom einmalig 30 Megabit Datenvolumen für ihr Tablet. „Das ist zwar ruckzuck verbraucht – aber immerhin. Auch Familie Göttsche kam in den Genuss der kleinen Wiedergutmachung. Maria Rühs allerdings nicht. „Mir hat man gesagt, das gehe nicht“, erklärte sie. Einige Betroffene haben bereits 600 Euro für den Glasfaser-Anschluss gezahlt, von denen 400 Euro während der Vertragslaufzeit von zwei Jahren mit den monatlichen Gebühren verrechnet werden sollen. Maria Rühs hat das eingezogenen Geld inzwischen zurückgeholt. „Keine Leistung, kein Geld“, sagt sie.

Es ist nicht das erste Mal, dass sich in Fahrdorf in Zusammenarbeit mit der Telekom Schwierigkeiten ergeben. Als 2011 das kleine Baugebiet Schlankacker/Steinacker erschlossen wurde, blieben zehn neue Hausbesitzer sechs Monate ohne Anschluss. Grund damals: Die Kapazitäten der Telekom reichten nicht aus. „Als die Telekom jetzt ankündigte, die Straßen Bytstelle und Schleibogen zu versorgen, sprangen die anderen Interessenten ab. Wir hatten keine Wahl“, erklärte gestern auf Nachfrage der Fahrdorfer Bauausschuss-Vorsitzende Jörg Mau. Beim zweiten Vertragsabschluss habe er gemahnt, dass alles bis zum Mai 2016 bereit sein müsse. „Aber die haben nur gelacht und gesagt, das würde schon klappen. Und jetzt sehen wir ja, was passiert.“

Die Telekom-Pressestelle meldete sich gestern auf die schriftliche Frage nach den Gründen für die Verzögerung und mögliche Entschädigungen prompt telefonisch zurück. Man werde der Sache nachgehen, es brauche allerdings Zeit, um an belastbare Informationen zu kommen. Die Telekom werde allerdings alles tun, um die Kunden zufrieden zu stellen, versicherte eine Sprecherin.

Die Bewohner von Bytstelle und Schleibogen haben solche Versprechen in den letzten Monaten schon zu oft gehört. „Der Vertrag läuft zwei Jahre. Danach ist Schluss“, lautet ihr Entschluss.

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erstellt am 16.Feb.2017 | 07:24 Uhr

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