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Nach dem Nein aus Schleswig : Das Landestheater bangt um seine Existenz

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Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Die Entscheidung der Schleswiger Ratsversammlung gegen einen Theater-Neubau auf dem Hesterberg sorgt landesweit für heftige Diskussionen. Kulturministerin Spoorendonk kommt am Donnerstag zum Krisengespräch nach Schleswig.

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erstellt am 18.Dez.2013 | 07:45 Uhr

Schleswig | Das Nein der Schleswiger Ratsversammlung zum Theater-Neubau auf dem Hesterberg hat Schockwellen in ganz Schleswig-Holstein ausgelöst. SPD-Landeschef Ralf Stegner meldete sich ebenso zu Wort wie der CDU-Landtagsfraktionsvorsitzende Johannes Callsen und die kulturpolitischen Sprecherinnen von Grünen und FDP. In Kiel streitet man sich um die Frage, wer die Schuld hat, falls das gesamte Gebilde Schleswig-Holsteinisches Landestheater in sich zusammenbricht. Stegner sieht die Verantwortung bei der CDU-Ratsfraktion. Callsen verlangte „endlich einen tragfähigen Lösungsvorschlag“ von der Landesregierung und machte Kulturministerin Anke Spoorendonk (SSW) dafür verantwortlich, dass die Ratsversammlung dem Neubau nicht zustimmen konnte

In dieselbe Kerbe schlug Anita Klahn von der FDP: Es sei unverantwortlich, ein überdimensioniertes Bauvorhaben voranzutreiben und die Stadt Schleswig mit dem finanziellen Risiko allein zu lassen. In einer schwierigen Rolle fand sich die kulturpolitische Sprecherin der Grünen-Landtagsfraktion, Marlies Fritzen, die sich für den Neubau stark machte, während ihre Schleswiger Parteikollegen dagegen stimmten. „Sie haben sich die Entscheidung nicht leicht gemacht“, sagte Fritzen. Nun gehe es darum, eine konstruktive Lösung zu finden.

Mit der Suche nach einer solchen Lösung beschäftigt sich nun auch Generalintendant Peter Grisebach. Er sprach gestern noch immer von der drohenden Insolvenz innerhalb der nächsten vier Jahre. Allerdings wirkte er nicht mehr ganz so resigniert wie unmittelbar nach der Abstimmung im Rathaus am Montagabend. „Ich fühle mich wie ein Boxer, der weiche Knie hat, aber ich stehe wieder auf den Beinen.“ Donnerstagmorgen trifft er sich mit Kulturministerin Spoorendonk zum Krisengespräch. Seine Hoffnung ist, dass in Sachen Theater auf dem Hesterberg das letzte Wort noch nicht gesprochen ist. Den Theaterstandort Lollfuß zu retten, wie es viele Hesterberg-Gegner in der Ratsversammlung anregten, hält der Intendant für nahezu ausgeschlossen. „Das ist gefährliche Dummheit.“ Dazu müssten die Planungen völlig von vorn beginnen. „Wir sprechen dann von einem neuen Theater im Jahr 2020.“

Rückendeckung bekommt Grisebach vom Aufsichtsratsvorsitzenden der Landestheater GmbH, dem Dithmarscher Landrat Jörn Klimant. „Vielleicht kann man eine nachjustierte Lösung finden“, meinte er. „Wir haben einen Rückschlag erlitten, aber wir fangen nicht bei Null an.“ Die Gefahr einer Insolvenz des Landestheaters sei dennoch real, betonte er.

Unter den veränderten Vorzeichen berät heute Nachmittag auch der Kreistag (14 Uhr im Kreishaus) über den längst zugesagten Zuschuss zur Theaterfinanzierung von einer Million Euro (jeweils zur Hälfte als direkten Baukostenzuschuss und als Mietsonderzahlung aus der Kasse der Kulturstiftung des Kreises). Die Kreisfraktionschefs von CDU und SPD, Timo Kux und Ingo Degner, gehen davon aus, dass es bei dieser Summe bleibt, solange die Stadt Schleswig nicht offiziell mitteilt, dass sie auf den Theaterneubau verzichtet.

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