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Schleswiger Nachrichten

21. August 2017 | 10:32 Uhr

„Das Kulturcafé bleibt bestehen“

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Ulrike Wachter leitet die Begegnungsstätte der „Brücke“ und möchte die Arbeit ihres verstorbenen Vorgängers Uwe Friedrichs fortsetzen

Die Begegnungsstätte der Brücke Schleswig-Holstein war über viele Jahre verknüpft mit dem Namen Uwe Friedrichs. Der Leiter machte aus den Räumen in der Bismarckstraße einen Treffpunkt nicht nur für psychisch Kranke, sondern auch für andere Bürger – insbesondere mit einer Serie von Folkkonzerten unter dem Titel Kulturcafé. Nach Friedrichs Tod im Oktober hat Ulrike Wachter die Leitung der Begegnungsstätte übernommen. Mit ihr sprach unser Redaktionsmitglied Ove Jensen.

Frau Wachter, ist in der Begegnungsstätte schon wieder Alltag eingekehrt?

Wachter: Die Krankheit und der Tod von Uwe Friedrichs hat unsere Besucher natürlich sehr mitgenommen. Das merkt man noch immer.

Wie ist denn die Arbeit in den vergangenen Monaten weitergelaufen?

Ich hatte schon einen Teil der Aufgaben von Uwe Friedrichs übernommen. Am bemerkenswertesten finde ich aber, wie einige unserer regelmäßigen Besucher aus der Not eine Tugend gemacht haben und an manchen Tagen in Eigeninitiative das Programm gestalten. Da gibt es zum Beispiel einen Kreativ-Nachmittag am Mittwoch und eine Dart-Gruppe am Freitag.

Wer sind Ihre Besucher?

Es sind überwiegend Betroffene, als psychisch kranke Menschen, aber nicht nur solche, die ambulant oder stationär von uns betreut werden, sondern auch Ehemalige oder solche, die zwar keine professionelle Betreuung benötigen, aber gern das Angebot annehmen, sich bei uns auszutauschen. Viele nehmen gern unsere Beratungen an. Volker Lindemann, ein pensionierter Richter, bietet ihnen Rechtsberatung an, der Arzt Kersten Schulze macht klinische Beratung.

Aber grundsätzlich möchten Sie mit der Begegnungsstätte auch alle anderen Bürger erreichen.

Richtig. Das, was wir machen, ist „gelebte Inklusion“, auch wenn ich das Wort nicht besonders mag. Nachmittags bekommt man bei uns Kaffee und Kuchen – und wir bieten ab 13 Uhr einen Mittagstisch für alle an – allerdings nur, wenn vom Mittagessen in der Tagesstätte im selben Haus etwas übrig bleibt. Auch das Sommerfest hat immer viele Besucher von außen. Ich würde das Haus gern noch weiter öffnen. Vielleicht findet sich ja jemand, der ehrenamtlich ein Qi-Gong-Kursus oder ähnliches anbietet? Die meisten Menschen erreichen wir nach wie vor mit den Kulturcafé-Konzerten.

Für diese Konzerte hat Uwe Friedrichs immer wieder interessante Künstler gewinnen können.

Er war natürlich in der Musikszene sehr gut verankert, nicht nur weil er über viele Jahre die Swinging City mitorganisiert hat. Ich hatte die Sorge, dass es ohne ihn schwieriger wird. Aber Leute, die sich auskennen, haben mir gesagt, unsere Begegnungsstätte sei als Veranstaltungsort so etabliert und beliebt, dass die Musiker auch weiterhin gerne kommen werden.

Mit dem Kulturcafé wird es also weitergehen wie bisher?

Ich würde das Spektrum gern erweitern, zum Beispiel um Lesungen oder Kabarett-Abende.

Gibt es schon einen nächsten Termin?

Nein, aber das wird sicherlich demnächst kommen. Unsere nächste größere Veranstaltung ist das Psychose-Seminar für Betroffene, Angehörige und Fachleute am 25. November zum Thema „Angst vor der Angst“.

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von
erstellt am 13.Nov.2014 | 13:59 Uhr

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