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Schleswiger Nachrichten

26. September 2017 | 13:15 Uhr

Schleswig : Das Kreuz in verschiedenen Gewändern

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Zum ersten Mal seit 2010 werden im Dom wieder die Werke eines zeitgenössischen Künstlers präsentiert.

Wenn Andreas Dorfstecher ein Stück Holz gefunden hat, betrachtet er es erstmal zwei, manchmal sogar drei Stunden lang. Damit nimmt er sich das, was die meisten Menschen heutzutage am wenigsten haben: Zeit – und wird dafür von Mitmenschen oft belächelt (oder muss zumindest ihr Kopfschütteln hinnehmen). Der gelernte Tischler und studierte Künstler wagt sich, obwohl atheistisch geprägt in der DDR aufgewachsen, immer wieder an das „Universalsymbol heran, das an polarisierender Natur nicht zu überbieten ist“, um die Besonderheit des Kreuzes mit den Worten von Prof. Dr. Thomas Thiessen auszudrücken. Dieser begleitet Dorfstecher bei seinen Ausstellungseröffnungen mit dem Thema Kreuz und hält dort regelmäßig Ansprache und die Laudatio. Genauso war es auch bei der Eröffnung gestern Mittag im Schwahl des Schleswiger St.- Petri-Doms.

2007 begann sich Dorfstecher das erste Mal künstlerisch mit dem Thema auseinanderzusetzen, als er den Auftrag bekam, eine vier Meter hohe Kreuzgestaltung zu fertigen. Seitdem verändern sich seine Werke in der Größenordnung so, dass die Exemplare, die jetzt im Dom zu sehen sind, nicht größer als 30 Zentimeter sind. Aber warum interessiert sich ein Mensch, der mit der christlichen Botschaft so gar nicht assoziiert wurde, für dieses Thema? Thiessen erzählt den rund 40 Zuhörern, die zur Vernissage nach dem Gottesdienst gekommen sind, immer wieder von der „Besonderheit des Schnittpunktes“, den jede noch so abstrakte Kreuzmodellation habe. In diesem stecke Individualität, Inspiration und dieser sei zugleich ein meditativer Gegenstand: „Auch der zeitgenössische Künstler kommt von einer höheren Macht nicht los.“ Außerdem hätten Dorfstechers Eltern mit ihm auf Ausflügen einst jede Kirche abgeklappert – „wegen der faszinierenden Ausstattung“.

Vielleicht ist diese Ausstellung und die Entdeckungen, die man bei Führungen im Rahmen der Sommerkirche machen kann, ein solcher „anderer Zugang zum Christentum“, von dem Dompastor Joachim Thieme-Hachmann zuvor sprach. Dieses Projekt sei für den Dom etwas Besonders, betonte er weiter. Weil man sich dort zum ersten Mal seit der Uwe-Appold-Ausstellung im Frühjahr 2010 wieder der zeitgenössischen Kunst widmet und dieses Mal der Kreuzgang und der Innenhof als Ausstellungsort dienen, die bisher nicht in solche Veranstaltungen einbezogen waren.

Die Werke von Andreas Dorfstecher, von denen manche in ihrer Naturbelassenheit an Fundstücke erinnern, sind noch bis Ende September unter dem Titel „Das Kreuz – Zeichen und Symbol“ im Schwahl sowie im Kirchenschiff zu sehen.

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