Parkplatznot am Stadthafen : „Das ist hier eine Katastrophe“

Fast wäre er wieder weggefahren, dann aber hatte Wolfgang Geers doch noch Glück und fand einen freien Parkplatz.
Fast wäre er wieder weggefahren, dann aber hatte Wolfgang Geers doch noch Glück und fand einen freien Parkplatz.

Wer bei gutem Wetter am Schleswiger Stadthafen nach einem freien Parkplatz sucht, braucht viel Geduld.

von
06. Juni 2018, 11:11 Uhr

„Leicht genervt“ sei er, sagt Ole Jørgensen, als er gestern Mittag mit seinem Opel auf einem Behinderten-Parkplatz vor dem Fischrestaurant am Stadthafen steht. Dass er dort nicht halten darf, weiß der Däne aus Hadersleben selbst. Will er ja eigentlich auch gar nicht. Aber von dort aus hat er zumindest eine gute Übersicht. So kann er schnell reagieren, wenn jemand mit seinem Auto wegfährt und einen normalen Parkplatz freimacht. Denn die sind am Stadthafen – insbesondere bei gutem Wetter – Mangelware.

Wegen des Feiertages in Dänemark, dem Verfassungstag, ist Jørgensen mit seiner Familie nach Schleswig gekommen. Am Stadthafen, hat man ihm erzählt, könne man gut etwas essen. „Das wollen wir nun ausprobieren.“ Aber vorher werden die Dänen auf eine echte Geduldsprobe gestellt. „Das ist nicht gut hier. Es gibt viel zu wenig Platz für Autos“, sagt Jørgensen.

Dass er mit dieser Meinung nicht alleine dasteht, wird schnell klar, wenn man die anderen Autofahrer anspricht, die da – mehr oder weniger geduldig – auf eine freie Parklücke warten. „Das ist eine Katastrophe hier“, schimpft etwa Wolfgang Geers. Der Schleswiger fährt eigentlich gerne an den Hafen, um hier schnell etwas zu essen. „Aber egal wann man kommt, es ist fast immer alles zugeparkt.“ Deshalb habe er schon mehrfach kehrtgemacht. Wenn am Wochenende die Sonne scheint, dann spart er sich den Weg gleich. „Sonst regt man sich nur auf.“

Eine halbe Stunde haben auch Agnes Falkenstein und Wilhelm Edzars gebraucht, bis sie endlich ein freies Plätzchen für ihren Golf ergattert hatten. Auch die beiden Meppener sprechen mit Blick auf die Parkplatzsituation am Stadthafen von einer „Katastrophe“. Zumindest aber freuen sie sich, dass sie ihr Auto für zwei Stunden kostenlos abstellen können.

Das wissen auch Silke Boysen und Wolfgang Büchmann aus Süderbrarup zu schätzen. Wie überhaupt das ganze Angebot am Stadthafen. Deshalb kommen sie regelmäßig hierher – sind aber auch genauso oft davon genervt, dass die Parkplatzsuche reine Glückssache ist. „Oft wartet und wartet man. Das kann schon manchmal sehr lange dauern“, sagt Silke Boysen. Sie selbst sei aber zum Glück ein geduldiger Mensch, während Wolfgang Büchmann klar sagt: „Das geht gar nicht.“ Auch andere Autofahrer beklagen sich oder machen einfach eine wegwerfende Handbewegung, wenn man sie zum Thema Parkplätze am Stadthafen fragt. Einer zumindest sagt: „In Flensburg ist es noch schlimmer als hier.“ Ein anderer hält dagegen: „Dann war er noch nicht an einem Wochenende hier.“ Insbesondere das stetig wachsende kulinarische Angebot am Stadthafen führe dazu, dass immer mehr Leute kämen – und somit auch mehr Autos.

Im Rathaus, so erklärt Sprecher Eric Gehrke, sei man sich der Situation ebenfalls bewusst. Aber man wolle erst einmal die laufende Saison abwarten. Erst dann werde man entscheiden, ob und wie man reagiert. Das hänge auch mit der Knud-Laward-Straße zusammen, wo die bisherige Parkfläche im vergangenen Jahr sogar noch reduziert wurde, um den Verkehrsfluss wieder einigermaßen herzustellen (wir berichteten). Ausweichflächen, so Gehrke, habe man aber bislang nicht im Blick. „Dennoch prüft die Stadtplanung alle umliegenden Flächen.“

Hafenmeister Harald Eschen von den Stadtwerken, die den Hafen betreiben, sieht die ganze Sache etwas nüchterner. „Ja, hier sind zu wenig Parkplätze. Aber ich kenne keinen anderen Hafen in der Region, bei dem man zumindest die Möglichkeit hat, so nah mit dem Auto ranzufahren“, sagt er und verweist auf Eckernförde und Husum. Zudem betont er, dass laut Landes-Hafengesetz vorgeschrieben sei, dass für jeweils drei Bootsliegeplätze ein Autoparkplatz vorhanden sein muss. Deswegen sei ein Teil der Parkfläche für die Bootseigner gesperrt. „Außerdem ist das Parkhaus von hier aus ja fußläufig gut zu erreichen“, so Eschen, der gleichzeitig vorschlägt, die Steinhauer-Koppel am Holm zumindest in Teilen zu einer Parkfläche umzuwandeln.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen