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Schleswiger Nachrichten

21. Oktober 2017 | 16:25 Uhr

"Das ist ein pädagogisches Desaster"

vom

Mit einer Unterschriftenliste und einem Schreiben ans Kultusministerium protestieren Eltern gegen die Situation an der Schubyer Grundschule

shz.de von
erstellt am 31.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Schuby | Bei einem Treffen von Eltern, deren Kinder die Schubyer Grundschule besuchen, fasste Mutter Sonja von Fehrn die Situation an der Schule zusammen: "Das ist ein pädagogisches Desaster". Aktueller Anlass für das Treffen der 15 Mütter und Väter war die Versetzung von drei Lehrkräften, die ihre Kinder in den Klassen 1a, 2a und 3a unterrichten. Bei der lebhaft und emotional geführten Diskussion wurde deutlich, dass in der Schule mehr im Argen liegt. "Es gibt kein Fasching, keinen Lauftag, keine Bundesjugendspiele und keinen Schwimmunterricht mehr", kritisierte Kristin Steffensen. Zudem falle der Unterricht in verschiedenen Fächern immer wieder aus. "Vor Weihnachten wurde für die vierte Klasse ein externer Animateur von uns Eltern gebucht, weil es seitens der Schule keine Vertretung der Mathe-Lehrerin gab", fuhr sie fort. Da sei der neue Vorfall nur der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringe: "Jetzt knallt es gleich drei Mal so richtig", urteilte die Schulelternbeiratsvorsitzende Claudia Friedrich, deren Tochter bisher in drei Jahren vier verschiedene Klassenlehrer hatte und nun erneut mehrere Lehrerwechsel erfahren wird. "Mein anderes Kind geht in die fünfte Klasse in Silberstedt und ihm fehlen praktisch zwei Jahre Grundwissen in Deutsch. Der Lehrer schlug die Hände über den Kopf zusammen, als er mit Pronomen anfangen wollte und die Kinder nur große Augen machten. Von guter Grundbildung kann keine Rede sein", fuhr Friedrich fort.

"Wir sind nicht mehr damit einverstanden, was mit unseren Kindern an dieser Schule passiert", waren sich die Eltern einig. Gerade für die 3a gehe es im nächsten Jahr um die Wurst, denn nach den Sommerferien würden Beurteilungen und Schulempfehlungen geschrieben.

Einen Hauptgrund für die Misere sehen die Eltern in der Zusammenlegung der Grundschulen von Schuby und Hollingstedt im Jahr 2010. Noch gut erinnern sie sich, "wie in der ersten Sitzung zum Thema Schulzusammenlegung behauptet wurde, es müsse kein Lehrer von Schuby nach Hollingstedt wechseln", sagte Friedrich. Doch mittlerweile sei es so, dass Schuby bedienen muss, sobald in Hollingstedt eine Lehrkraft ausfällt, "egal ob diese Kraft dann hier fehlt, denn Schuby ist die größere Schule mit mehr Lehrkräften". Zwei Standorte mit einer Verwaltung, das funktioniere nicht. "Mittlerweile hat die Schubyer Grundschule einen schlechten Ruf", so Karoline Jäger, Elternvertreterin der 2a. Eltern würden sich überlegen, ihre Kinder nach Schleswig auf die Grundschule zu schicken.

Weiterer Kritikpunkt für die Eltern ist die Landespolitik. "Die SPD hatte versprochen, kleine Schulen zu fördern. Aber nun werden die Stundenkontingente gekürzt und Lehrkräfte entzogen. Das Wahlversprechen wurde gebrochen", kritisierten die Eltern.

Sie wollen nun ein Zeichen setzen, dass "wir das nicht länger mit uns machen lassen". Allerdings ist ihnen bewusst, dass der Spielraum sehr begrenzt ist. "Laut Aussage der Schulleitung und des Schulamtes sind die Versetzungen durch und die Akte Schuby geschlossen", so Friedrich. Dennoch wurden binnen einer Woche die Unterschriften aller Eltern der Schubyer Grundschüler für Protestschreiben gesammelt, die an das Schulamt sowie das Kultusministerium verschickt wurden.

"Ich kann den Unmut der Eltern verstehen, nur muss die Diskussion auf eine sachliche Ebene und in die vorhandenen Gremien gebracht werden", erklärte Schulrätin Sybille Pahlke vom Schulamt in Schleswig. Aufgrund der sinkenden Schülerzahlen "wissen alle Beteiligten, dass der Plan stellenstand der Lehrkräfte von 2012 nicht der gleiche sein kann wie 2013." Über die Mitte November gestellten Versetzungsanträge entscheide die Schule, "das Schulamt ist beratend tätig". Man nehme die Bedenken der Elternschaft durchaus ernst und wäge die Gründe ab, "aber die Schulleitung muss immer im Blick haben, welche Lehrkräfte sie einsetzen kann". Hinsichtlich der Schulzusammenlegung betonte Pahlke, dass Schuby und Hollingstedt eine Solidargemeinschaft eingegangen seien und die Schulleiterin in Schuby beiden Standorten gerecht werden müsse. Sollten Eltern dies bezweifeln, müssten sie sich an den Klassenelternbeirat wenden, "denn es gibt auch Gremien für diese Auseinandersetzung". Generell werden sich solche Probleme auch in Zukunft ergeben, denn "die sinkenden Schülerzahlen bleiben eine Herausforderung.

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