zur Navigation springen

Aus für Strauss in Schleswig : „Das ist echt schade“

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Kunden und Mitarbeiter sind enttäuscht: Das Schleicenter verliert einen seiner wichtigsten Mieter.

Die Regale sind voll, gerade erst sind 15 Paletten frische Ware eingetroffen. Das Weihnachtsgeschäft läuft bei Strauss Innovation im Schleicenter auf vollen Touren. Doch dabei handelt es sich um den beginnenden Ausverkauf, denn schon bald werden dort die Lichter ausgehen und die fünf Mitarbeiter ihren Job verlieren. Möglicherweise schon zum Jahreswechsel, spätestens aber Ende Februar ist Schluss. Das ist seit Freitag Gewissheit, nachdem der Insolvenzverwalter die 670-köpfige Belegschaft der Warenhauskette darüber informiert hat, dass es nun endgültig keine Rettung mehr gibt für das Traditionsunternehmen mit seinen bundesweit zuletzt noch 57 Filialen. „Das ist natürlich traurig“, sagt die Schleswiger Filialleiterin Karin Jesse. „Aber nach der dritten Insolvenz in drei Jahren musste man ja damit rechnen.“

Die Kunden nahmen die Nachricht von der baldigen Schließung gestern mit Enttäuschung zur Kenntnis. „Das ist schade. Strauss ist eines meiner Lieblingsgeschäfte“, sagte etwa Britta Petersen. Die Jübekerin lobt die „große Vielfalt“ in dem Geschäft. „Und die Verkäuferinnen sind auch nett.“

Zu den regelmäßigen Kunden gehört auch der Schleswiger Ernst Petersen. Er findet, dass Schleswig mit Strauss ein Alleinstellungsmerkmal verliert. „Das ist echt schade – nicht nur für das Schleicenter, sondern für die ganze Stadt“, betonte der 67-Jährige.

Auch Dilscha Aslan (27) aus Kropp sorgt sich um die Zukunft der Innenstadt. „Die Ladenstraße stirbt so langsam aus“, meint sie. Und nun verschwinde auch noch Strauss. „Den Laden finde ich eigentlich gut. Der hat wirklich alles – von Deko bis zu Klamotten.“

Doch genau dieses bunt durcheinandergewürfelte Sortiment ist der Warenhauskette nach Meinung von Experten zum Verhängnis geworden. „Ein Gemischtwarenladen – in Zeiten von Online gibt es keinen Grund mehr, da hinzugehen“, sagte zum Beispiel Martin Fassnacht von der Wirtschaftshochschule WHU in Vallendar bei Koblenz im Gespräch mit der Deutschen Presseagentur.

„An der Schleswiger Filiale hat es nicht gelegen“, ist indes Karin Jesse überzeugt. „Unsere Zahlen haben in letzter Zeit soweit gestimmt.“ Jesse ist seit Anbeginn dabei – seit fast 14 Jahren. Auch ihre noch verbliebenen vier Kolleginnen und Kollegen arbeiten alle seit mehr als zehn Jahren in dem Unternehmen. „Wir haben in dieser Zeit viele nette Leute kennengelernt und wollen uns bei unseren Kunden bedanken“, sagte die Filialleiterin.

Für das Schleicenter, das ohnehin mit Leerständen zu kämpfen hat, ist die Pleite des Ankermieters Strauss ein herber Verlust. Dennoch gibt man sich bei der Hamburger Betreibergesellschaft AVW Immobilien betont gelassen. „Wir haben das zur Kenntnis genommen. So etwas kommt bei einem Vermieter recht häufig vor“, erklärte Sprecher Dirsko von Pfeil auf SN-Anfrage. „Generell arbeiten wir an einer Revitalisierung des Objekts“, fügte er hinzu. Namen von möglichen neuen Mietern für die Einkaufspassage könne er derzeit zwar noch nicht nennen. „Aber wir verhandeln sehr intensiv. Wenn die Verträge unterschrieben sind, wird sich das sehen lassen können“, so von Pfeil.

zur Startseite

von
erstellt am 06.Dez.2016 | 12:55 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen