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Gelähmt und angekettet : Das Hundedrama von Hollingstedt

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Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Den Mitarbeitern des Schleswiger Tierschutzvereins bot sich ein erschütternder Anblick, als sie in Hollingstedt auf einen wimmernden Flat-Coated Retriever trafen.

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erstellt am 18.Aug.2015 | 12:56 Uhr

Hollingstedt | Es war ein erschütternder Anblick, der sich den Mitarbeitern des Tierschutzvereins Schleswig in Hollingstedt bot: Auf einem Grundstück in der Gemeinde war ein querschnittsgelähmter Flat-Coated Retriever über Wochen unter einem Wohnwagen angebunden gewesen. Als die Helfer die Leine losmachten, schleppte sich das Tier über den Rasen – die Hinterläufe konnte es nicht mehr bewegen. „So etwas Schreckliches habe ich noch nie gesehen“, sagt Yvonne Wiegers-von Wegner, die Vorsitzende des Tierschutzvereins.

Der Verein war durch einen Hinweis einer Spaziergängerin auf das Drama aufmerksam gemacht worden, das sich offenbar acht bis zehn Wochen lang mitten im Dorf abgespielte hat. Die Frau hatte den Hund bellen gehört und ihn in seinem erbärmlichen Zustand gefunden. „Der Hund war so angebunden, dass er auf der bloßen Erde unter dem Wohnwagen gefangen war – allein das ist schon ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz“, sagt Yvonne Wiegers-von Wegner. Zudem ist der Hund durch seine Lähmung inkontinent und musste deshalb quasi in seinem eigenen Kot liegen.

Aufgrund der Schilderung machte sich ein Team des Vereins zusammen mit Vertretern von Ordnungsamt und Polizei auf den Weg nach Hollingstedt – im Gepäck ein Betäubungsmittel für den Fall, dass die Halter nicht angetroffen werden, und um den Hund dennoch ohne Probleme ins Tierheim und zu einem Tierarzt transportieren zu können. Auch auf mehrfaches Klingeln öffnete in den beiden umliegenden Häusern zunächst niemand, erst nach rund einer Stunde gab sich ein junges Paar als Halter zu erkennen – und es entspann sich eine längere Diskussion. Das „Frauchen“ beharrte zunächst darauf, dass sie allein bestimmen könne, wann und ob sie den Hund einem Tierarzt vorstellt oder ihn gegebenenfalls einschläfern lässt.

Erst als die Frau zusagte, den Hund noch am selben Tag einschläfern zu lassen, gaben sich Tierschützer zufrieden. „Es gab keine andere Möglichkeit“, bedauerte Yvonne Wiegers-von Wegner, nach einer solch langen Zeit in diesem Zustand sind die Nerven irreparabel beschädigt. Es ist wirklich die einzige Möglichkeit, das Tier von seinen Leiden zu erlösen.“

Dazu kam es allerdings nicht. Der Leiter des Ordnungsamtes machte zwar einen Termin mit einem Tierarzt, der aber zog nach kurzem Aufenthalt wieder ab. Ob dies die Entscheidung des Veterinärs war oder es sich die Halterin anders überlegt hatte, blieb gestern ungeklärt. „Das ist ein unglaublicher Vorhang“, sagte die fassungslose Tierschützerin, die sofort das Kreis-Veterinäramt einschaltete. Das aber wird frühestens heute tätig. Dass beim Verhalten der Hundehalter Geldmangel eine Rolle gespielt haben könnte, lässt Yvonne Wiegers-von Wegner nicht gelten. „Wer Probleme hat, seinem Tier zu helfen, kann sich jederzeit an den Tierschutzverein wenden. Wir haben mit Rat und Tat noch in jedem Fall helfen können.“

Während über das weitere Schicksal des geschundenen Tieres verhandelt wurde, herrschte unter den anderen Tierschützern Betroffenheit: „Wie kann man als Mensch so etwas zulassen?“, lautete die meistgestellte Frage. Dass das Drama in der relativ dicht bebauten Straße stattfinden konnte, ohne dass jemand aus der Nachbarschaft diesen krassen Fall von Tierquälerei meldete, stieß ebenfalls auf Unverständnis.

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