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Eggebek : „Das hat keiner vorhersehen können“

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Innenminister Studt wirbt um Verständnis für die Aufstockung des Flüchtlingsdorfes. Die ersten Bewohner sollen Mitte Dezember kommen.

von
erstellt am 13.Nov.2015 | 07:01 Uhr

Kommen wirklich nicht mehr als 1000 Flüchtlinge? Und wird das Containerdorf am Ende gar zu einer Dauereinrichtung? Verunsicherung und Verärgerung sind groß in Eggebek. Das ist auch Schleswig-Holsteins Innenminister Stefan Studt bewusst. Deswegen ließ es sich der SPD-Politiker nicht nehmen, die Einwohnerversammlung am Mittwochabend zur Chefsache zu machen und den knapp 300 Anwesenden im proppevollen Gasthaus Thomsen persönlich Rede und Antwort zu stehen. Bei der ersten Info-Veranstaltung im Mai war es noch seine Staatssekretärin Manuela Söller-Winkler gewesen, die den Bürgern die Pläne der Landesregierung vorlegte. Damals war noch von maximal 500 Plätzen die Rede.

„Keiner hat vorhersehen können, was wir in diesen Tagen erleben“, warb Studt angesichts des nicht enden wollenden Flüchtlingsstroms um Verständnis dafür, dass das Kontingent für die Erstaufnahmeeinrichtung kurzerhand verdoppelt wurde. Geplant sei nunmehr, die 16 Quadratmeter großen Wohncontainer auf dem Gelände des ehemaligen Flugplatz-Tanklagers jeweils mit vier statt mit zwei Personen zu belegen, erklärte der Minister. Mitte Dezember soll die Einrichtung soweit hergerichtet sein, dass die ersten etwa 600 Asylsuchenden einziehen können. Die restlichen 400 sollen im Januar folgen.

Ob man bei der engen Belegung noch von einer menschenwürdigen Unterbringung sprechen könne, wollte ein besorgter Bürger von den Männern auf dem Podium wissen. „Ja, das ist menschenwürdig. Denn die Alternative hieße, unter der Brücke schlafen zu müssen“, erwiderte der stellvertretende Landespolizeidirektor Joachim Gutt. Und Studt berichtete von Gesprächen, die er in anderen Erstaufnahmeeinrichtungen mit Flüchtlingen geführt habe. Die Menschen seien erst einmal nur froh, ein Dach über dem Kopf zu haben und nach ihrer Flucht zur Ruhe zu kommen.

Der Innenminister trat zugleich Gerüchten entgegen, dass nach dem Aus für ein Flüchtlingsdorf auf dem Flensburger Campus nun noch mehr Asylsuchende nach Eggebek kommen sollen. „Ich gehe unverändert davon aus, dass wir in Flensburg eine Erstaufnahmeeinrichtung bekommen werden“, sagte Studt. Diese werde etwas mehr als 600 Plätze haben. „Auch in Flensburg gibt es militärische Liegenschaften“, betonte er. Man sei in entsprechenden Gesprächen mit dem Landeskommando und dem Verteidigungsministerium.

Ob das Eggebeker Flüchtlingsdorf aber – wie ursprünglich zugesagt – spätestens am 31. Mai 2017 schließen wird, dass wollte der Gast aus Kiel den Bürgern der 2300-Einwohner-Gemeinde nicht länger versprechen. „Es ist nicht der Plan der Landesregierung, aus dem Containerdorf eine dauerhafte Einrichtung zu machen zu machen. Dennoch nenne ich Ihnen kein Datum“, stellte Studt klar.

Die Skepsis in der Gemeinde konnte er mit dieser Aussage erwartungsgemäß nicht beseitigen. Zwar versicherte Bürgermeister Willy Toft: „Wir Eggebeker stehen für ein gutes Zusammenleben mit den Flüchtlingen ein.“ Wie auch der leitende Verwaltungsbeamte des Amtes Eggebek, Klaus-Dieter Rauhut, prangerte er jedoch die schlechte Informationspolitik der Landesregierung an. Und spätestens als es darum ging, dass bei der Versorgung der Flüchtlinge der örtliche Catering-Unternehmer Timm Schumacher leer ausgeht, kochten die Emotionen im Saal hoch. Ulf Döhring, Leiter des Landesamtes für Ausländerangelegenheiten, verwies auf das europäische Wettbewerbsrecht, das man bei der Ausschreibung zu berücksichtigen gehabt habe. Am Ende hatte eine Firma aus Baden-Baden den Zuschlag zur Verpflegung der Flüchtlinge erhalten (wir berichteten).

Die Polizeiführung versuchte derweil, den Eggebekern die Angst vor einem Anstieg der Kriminalität zu nehmen. Man habe in anderen Einrichtungen und Dörfern die Erfahrung gemacht, dass die Kriminalität durch eine entsprechende polizeiliche Präsenz sinke, erläuterte Joachim Gutt. In Eggebek sollen fünf Beamte ihren Dienst versehen, darunter zwei Frauen. Alle fünf waren auf der Einwohnerversammlung erschienen. Eine Polizistin nutzte das Forum, um von ihrem Einsatz in der Erstaufnahmeeinrichung im nordfriesischen Seeth zu berichten. „Wir haben dort keine negativen Erfahrungen gemacht“, berichtete sie. Im Gegenteil, die Menschen seien alle sehr höflich gewesen – auch ihr als Frau gegenüber.

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