Capitol-Chef Markus Thiel : „Das Filmpublikum in Schleswig ist anspruchsvoll“

Markus Thiel, 43 Jahre, ist in Rendsburg aufgewachsen, wo er auch lebt. Als gelernter Theaterleiter ist sein Beruf gleichzeitig sein Hobby: Die Freizeit füllt er mit Filmeschauen und Theateraufführungen aus.
Markus Thiel, 43 Jahre, ist in Rendsburg aufgewachsen, wo er auch lebt. Als gelernter Theaterleiter ist sein Beruf gleichzeitig sein Hobby: Die Freizeit füllt er mit Filmeschauen und Theateraufführungen aus.

Markus Thiel ist seit 13 Jahren Theaterleiter im Capitol-Kino und freut sich über monatlich mehr als 5000 Besucher. Action-Filme sind eher wenig gefragt.

shz.de von
13. April 2018, 13:51 Uhr

Schlange stehen gestern im Capitol-Filmpalast, kurz vor 17.40 Uhr: Aufgeregt und mit Popcorn-Eimer im Arm warten Kinder und Eltern auf Jim Knopf und Lukas, den Lokomotivführer. Markus Thiel, seit 13 Jahren Theaterleiter im Capitolkino, wird nach dem Ansturm sagen, dass das Schleswiger Publikum recht kinofreudig sei, zudem aber auch anspruchsvoll. Das schlägt sich in den Besucherzahlen nieder. Auf monatlich etwa 5000 Gäste, die in den Filmpalast kommen, kann er zählen. Dass es aber auch Film-Genres gibt, die nicht so gut ankommen, verrät Thiel ebenso im Freitags-Interview mit Frauke Bühmann.

Herr Thiel, was schauen sich die Schleswiger nach Ihrer Beobachtung denn nicht so gern an?

Thiel: Action-Filme sind nicht besonders gefragt. Wie etwa gerade „Pacific Rim: Uprising 3D“. Und auch Science-Fiction-Filme mögen die Leute offenbar nicht besonders gern hier.

Und was läuft erfahrungsgemäß gut im Filmpalast?

Im Familienkino sind wir stark, es kommen viele Familien mit Kindern. Die Verfilmung von „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ ist natürlich ein großer Anziehungspunkt. Aber auch Komödien wie „Willkommen bei den Hartmanns“ werden gut besucht.

Sie sagen, die Schleswiger Kinogänger seien anspruchsvoll. Welche Filme bieten Sie hier an?

Wir haben unser Filmkunstkino, das sogenannte Kino für Kenner, für das ich die Vorplanung mache, auch innerhalb unserer gesamten Kino-Kette. Da laufen Filme wie „Der seidene Faden“ oder „Die Verlegerin“ mit Meryl Streep oder so besondere Filme wie „Das schweigende Klassenzimmer“, wo es um leise Töne des Widerstands in der DDR geht. Und in der ersten Mai-Woche zeigen wir zum Beispiel den Dokumentarfilm „Unsere Erde 2“, da werden die Wunder der Natur und der Tierwelt auf unserem Planeten gezeigt. Darüber hinaus machen wir ja übers ganze Jahr Aktionen wie zum Internationalen Frauentag oder zum Familientag oder auch zum „Equal Pay Day“, bei dem es um gleiche Bezahlung für Frauen und Männer geht. Spaßeshalber zahlen Männer dabei fast das Doppelte an Eintritt wie die Frauen. Wir kooperieren mit mehreren Schleswiger Institutionen – unter anderen mit den Gleichstellungsbeauftragten oder auch mit der Jugendfeuerwehr.

Was genau ist Ihr Job ? Sind Sie selbstständig?

(lacht) Nein, ich bin angestellter Geschäftsführer der Kino-Kette „K-Motion“, die 14 Häuser betreibt. Und für die Kunst-Reihe suche und buche ich die Filme für unser Haus bei einer Verleihfirma.

Nun ist ja das Schleswiger Kinohaus nicht besonders groß. Ist das ein Nachteil?

Wir haben genau 480 Sitzplätze, verteilt auf vier Säle. Viele Besucher schätzen gerade dieses Ambiente, das wir hier bieten: Klein, gemütlich, sauber, übersichtlich. Ich sehe es also als Vorteil an.

Was die Gemütlichkeit angeht, haben Sie gerade eins draufgelegt: Die Kino-Sessel im hinteren Bereich von Saal 1 sehen so kommod aus, als würden die mit einem Fernsehsessel zu Hause konkurrieren wollen.

Das war unsere Absicht. Wir haben gerade erneut renoviert und auch einen Teil des Mobiliars ausgetauscht. So haben wir in Saal 1 eine Premiumloge mit 16 Kunstleder-Sesseln installiert, alle mit Fußhocker. Man hat dort richtig viel Beinfreiheit, fühlt sich beim Filmeschauen beinahe wie zu Hause. Anschließend werden wir auch Saal 2 ummöbeln – mit insgesamt 20 Premiumplätzen. Die sind bei uns extrem begehrt.

Hat so viel Gemütlichkeit denn einen hohen Preis?

Das kostet genau 2,50 Euro mehr als im Parkett, wo wir übrigens auch die Sessel neu mit traditionell rotem Samtstoff haben beziehen lassen.

Popcorn gehört zum Kino einfach dazu. Wie viel von dem süßen Zeug verkaufen Sie im Monat?

Na, vielleicht so 400 Eimer. In den großen passen 350 Gramm. Die monatliche Menge entspricht 420 Kilo Mais.

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