Haithabu : Das erste Boot an der Landebrücke

Eine Ehrenrunde  für das  nachgebaute Wikingerboot   auf dem Haddebyer Noor -  mit  TV-Kamerafrau  an Bord. Fotos:  Bühmann
1 von 2
Eine Ehrenrunde für das nachgebaute Wikingerboot auf dem Haddebyer Noor - mit TV-Kamerafrau an Bord. Fotos: Bühmann

Das erste Wikingerboot liegt jetzt an der Landebrücke am Haddebyer Noor. In gut 500 Arbeitsstunden wurde es von der Museumswerft Flensburg nachgebaut.

shz.de von
28. Mai 2009, 01:04 Uhr

Schleswig | Stürmischer Wind und viele Wolken begleiteten gestern das Spektakel am Haddebyer Noor - wie sich das eben für eine anständige Wikinger-Schiffstaufe gehört. "Ich taufe dich auf den Namen Nökkvi..." - Grundschülerin Britt Heideking aus Busdorf gab dem nachgebauten Beiboot des berühmten Gokstad-Schiffes aus dem 9. Jahrhundert diesen altisländischen Namen.

Professor Dr. Claus von Carnap-Bornheim, Direktor des Archäologischen Landesmuseums, betonte, er freue sich über das lebendige Projekt der Wikingersiedlung Haithabu. Nach der von Wissenschaftlern begleiteten Rekonstruktion von sieben Wikingerhäusern und einer Landebrücke sei mit dem neuen Boot ein elementares Stück Wikingergeschichte lebendig geworden. Das Boot, das unter der Leitung von Uwe Kutzner in der Museumswerft Flensburg in 500 Arbeitsstunden entstanden ist, kostet 16 500 Euro. Es konnte aus restlichen Mitteln des Haithabu-Projektes finanziert werden, sagte von Carnap-Bornheim. Wünsche bleiben dennoch offen: "Es wäre schön, wenn wir ein weiteres Schiff für Haithabu finanzieren könnten - damit Leben einkehrt in die Wikingerstadt". Die Bedeutung des ersten Schiffes für das Projekt Haithabu unterstrich auch Ute Drews, Leiterin des Wikinger Museums: "Schiffe sind das, was eine Hafenstadt wie Haithabu ausmacht."

Man habe hervorragende Dokumentationen über die ausgegrabenen Gokstad-Schiffsfunde als Bauvorlage zur Verfügung bekommen, schilderte Knutzer. Für den Fall eines weiteren Schiffsbauauftrages hat er bereits passendes Holz aus Sibirien gelagert: "Wir stehen in den Startlöchern".
Das Gokstad-Schiff und drei Beiboote
Das Gokstad-Wikingerschiff wurde im späten 9. Jahrhundert gebaut. Entdeckt wurde das Schiff in Norwegen nahe der Gokstad-Farm in Sandar in einem Schiffsgrab. Im Jahre 1880 wurde es ausgegraben. Das Schiff ist 23,33 Meter lang und 5,25 Meter breit und vollständig aus Eiche gebaut. Der Kiel besteht aus einem einzigen durchgehenden Balken. Das Schiff hat Platz für 32 Ruderer. Das rechteckige Segel hatte eine Fläche von etwa 110 Quadratmetern. So konnte das Schiff eine Geschwindigkeit von zwölf Knoten errreichen. In flachem Wasser konnte das Ruder hochgeklappt werden. Außer diesem Schiff gehörten noch drei kleine Beiboote sowie ein Zelt, ein Schlitten und Reiterzubehör zu dem Grabfund. Die konservierten Reste des Gokstad-Schiffes sind im Wikingerschiff-Museum in Oslo ausgestellt. Dort befindet sich auch das Oseberg-Schiff.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen