zur Navigation springen
Schleswiger Nachrichten

22. September 2017 | 01:16 Uhr

Volkskundemuseum : Das Ende einer Museums-Ära

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Gestern gingen auf dem Hesterberg endgültig die Lichter aus. Nur wenige Besucher nutzten Abschieds-Angebot mit freiem Eintritt

von
erstellt am 22.Apr.2014 | 07:33 Uhr

Es war ein Abschied der leisen Töne. Keine fröhliche Feier, keine bunten Sonderevents – und keine großen Menschenmassen, die noch einmal in Erinnerungen schwelgen wollten. Als Landesmuseums-Chef Claus von Carnap-Bornheim gestern Abend um kurz nach 18 Uhr die Türen des Volkskundemuseums auf dem Hesterberg endgültig zuschloss, waren die letzten Besucher schon gegangen. Und auch wenn viele von ihnen die Entscheidung, die Sammlung nach Molfsee zu verlagern und den Hesterberg zu einem Magazin umzubauen, ausdrücklich bedauerten: Die Trauer bei den Schleswigern hält sich offenbar in Grenzen. Ansonsten hätten weit mehr als gerade einmal knapp 800 Besucher das Angebot genutzt, sich die Ausstellung an den drei Osterfeiertagen noch einmal – und dann auch noch kostenlos – anzusehen.

Eine, die ganz bewusst gekommen war (auch weil sie mit dem 1996 auf dem Hesterberg eröffneten Museum sehr persönliche Erinnerungen verbindet), ist Bärbel Delfs aus Gammellund. „Ich war vor Jahren mal mit meiner Mutter hier. Dabei sahen wir einen jener Wagen, mit denen sie selbst im Krieg fliehen musste. Wir hatten beide eine Gänsehaut“, erzählte sie. So habe sie durch die Ausstellung ein wenig an den Geschehnissen teilhaben können und bedauere deshalb sehr, dass „eine solche Institution“ nun verschwindet. Auch bei anderen Besuchern war die Stimmung getrübt. Viele von ihnen sahen in der Schließung des Museums einen Verlust für die ganze Stadt. Pastor Joachim Liß-Walther bemerkte: „ Ich kann die Hintergründe für die Entscheidung verstehen, aber dennoch bin ich sehr enttäuscht.“ Aus seiner Sicht sei das Museum nie so recht akzeptiert worden. „Ich glaube, es wird durch diese Schließung ein problematisches Bild von Schleswig vermittelt“, meinte er.

Auch wenn einige Ausstellungsräume schon geschlossen waren und auch die beliebte alte Eisdiele schon den Betrieb eingestellt hatte, verewigten sich in den letzten Tagen noch zahlreiche Besucher in dem ausgelegten Gästebuch und nutzen dabei die Gelegenheit, ihrem Unmut Luft zu machen. Ein Gast aus Quern schrieb: „Diese hervorragend präsentierte Sammlung umzulagern und offensichtlich langfristig der Öffentlichkeit zu entziehen, ist nicht nachvollziehbar.“ Und auch ein offenbar jüngerer Besucher fand klare Worte: „Das war mein Lieblingsmuseum. Schade, dass es schließt.“

Mit der Umlagerung des Volkskundemuseums an den Kieler Stadtrand werden nicht nur die Schleswiger Sammlungen aufgelöst, auch das Museumscafé von Barbara Sörensen wird wohl schließen. „Für mich ist das heute ein sehr trauriger Tag. Im Juli bin ich nun elf Jahre hier und weiß noch nicht, wie es weitergeht. Mein Herz blutet.“ Sörensen betreibt das Café noch bis Mitte Juni, was danach passiert, ist ungewiss. Traute Christiansen, die regelmäßig mit ihrem Stammtisch das Café aufgesucht hat, schüttelte traurig den Kopf: „Die Schließung ist bedauerlich. Für mich ist das eine absolut falsche Politik.“

Insbesondere für die Kinder Schleswigs sei das Ende des Museums ein Verlust, betonte derweil Lehrerin Martina Timm. „Das Museum hatte immer ein tolles, pädagogisches Angebot – gerade für Grundschulkinder. Ich betrachte die Ausstellung heute sehr wehmütig.“ Denn sie glaube nicht, dass sie es mit ihren Schleswiger Schulklassen künftig oft nach Molfsee schaffen werde. Und Martina Lippe aus Kropp, die „zum ersten und leider auch zum letzten Mal“ das Museum besuchte, erklärte: „Das Theater kommt nicht auf den Hesterberg, das Volkskundemuseum wird geschlossen. Es wirkt fast so, als würde Schleswig selbst langsam zugemacht.“

Das wiederum sieht Claus von Carnap-Bornheim nicht ganz so dramatisch. Auch wenn er zugibt, dass für ihn ein Theater auf dem Hesterberg „eine gute Lösung für Schleswig gewesen wäre“. Die Schließung des Volkskundemuseums hingegen sei zwar eine schwere, aber für die Landesmuseen richtige Entscheidung gewesen. „Es ist nicht so, dass ich mich heute freue. Hier im Volkskundemuseum wurde gerade in den letzten Jahren viel Gutes, insbesondere mit den Sonderausstellungen, geleistet“, meinte er. „Aber in Molfsee tun sich künftig für uns ganz andere Möglichkeiten auf.“


Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen