Das Betreuungs-Netzwerk wächst

Besonders für die Kleinsten fehlen im Kreis Betreuungsplätze.
Besonders für die Kleinsten fehlen im Kreis Betreuungsplätze.

Ausbau der Kita-Plätze im Kreis schreitet voran. Im U3-Bereich, in den Nachmittagsstunden und Ferienzeiten besteht Nachbesserungsbedarf.

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26. November 2018, 15:52 Uhr

Es geht voran beim Ausbau der Kinderbetreuungsangebote im Kreis. Der Bedarf an Plätzen für Mädchen und Jungs im Alter von drei Jahren bis zum Schuleintritt ist – jedenfalls rechnerisch – weitgehend sichergestellt: Rund 6400 Plätze gibt es (Stand Oktober 2018) – mehr als im vergangenen Jahr tatsächlich besetzt wurden ( 5800 Plätze). Dennoch gibt es noch einige Regionen mit Versorgungslücken.

Flächendeckend schlechter sieht es für Kinder im Alter unter drei Jahren aus. Seit dem Jahr 2005 ist die Zahl der Betreuungsplätze für diese Altersstufe zwar von 20 auf mehr als 1600 Plätze erheblich angewachsen. Dennoch deckt dies noch nicht einmal die Hälfte des bestehenden Bedarfs. „Wir haben Wartelisten ohne Ende“, berichtete etwa Brigitte Geißler (AG der Freien Wohlfahrtsverbände) in der jüngsten Sitzung des Jugendhilfe-Ausschusses.

Darüber hinaus komme es für beide Altersbereiche nicht allein darauf an, dass es Betreuungsplätze gebe, sondern insbesondere auch darauf, welche Betreuungszeiten angeboten werden, gibt Claudia Kilian zu bedenken. Die Koordinatorin der Arbeitsgruppe „Kinderbetreuung im Kreis“ hat mit ihren Mitstreitern in den vergangenen Monaten genau hingeschaut: Wie sieht es am frühen Morgen aus, am späten Abend oder in den Ferienzeiten? Welche Möglichkeiten haben berufstätige Eltern, Nachwuchs und Arbeit gut unter einen Hut zu bringen? Und welchen Bedarf melden sie selbst an?

Um das herauszufinden, führte die Arbeitsgruppe mit finanzieller Unterstützung aus dem Bundesprogrammes „Kita Plus: Weil gute Betreuung keine Frage der Uhrzeit ist“ im Februar und im März eine Elternumfrage durch (wir berichteten). Von insgesamt 1278 Eltern äußerten darin 94 Prozent, dass sie auf die Kinderbetreuung angewiesen seien, um arbeiten zu gehen. In vielen Fällen war dies ohne die Hilfe von Nachbarn, Freunden oder Familienmitgliedern nicht möglich. 48 Prozent der Befragten gaben an, mit der Betreuungssituation deshalb aktuell unzufrieden zu sein. 27 Prozent verzichteten gänzlich auf die Inanspruchnahme von Betreuungsplätzen, da zum einen die angebotenen Zeiten nicht ausreichten, zum anderen die Kosten zu hoch seien.

Die Schwierigkeit von Eltern, ihre Kinder während der Arbeitszeiten gut unterzubringen, spiegelt sich auch in einer Umfrage der Industrie- und Handelskammer Flensburg wider. Unter den 2000 beteiligten Betrieben in Nordfriesland, Dithmarschen, dem Kreis Schleswig-Flensburg und der Stadt Flensburg sehen die Hälfte das Betreuungsangebot als nicht ausreichend an und stellen damit verbunden Beeinträchtigungen in betrieblichen Abläufen fest. Eigenes Engagement in Sachen Kinderbetreuung zeigen die meisten Unternehmen indes kaum: Fast 92 Prozent geben an, keine eigenen Angebote zu machen und Heimarbeit nicht zu gestatten. 58 Prozent wollen auch künftig dabei bleiben.

Konkret im Kreis Schleswig Flensburg sehen 33 Prozent der befragten Betriebe Verbesserungsbedarf insbesondere mit Blick auf fehlende Betreuungszeiten am Nachmittag. Außerdem gebe es zu wenig Angebote zur „flexiblen Betreuung bei kurzfristigem Bedarf“.

Unter dem Titel „Impulse für eine flächendeckende Kinderbetreuung im Kreis Schleswig-Flensburg“ hat nun die Arbeitsgruppe um Claudia Kilian eine ausführliche Analyse der aktuellen Situation vorgelegt, die auch konkrete Handlungsempfehlungen zur Verbesserung der Betreuungssituation gibt. Sie beschäftigen sich insbesondere mit der Notwendigkeit, neue Fachkräfte zu gewinnen. Weitere Schwerpunkte sind der Ausbau der Kindertagespflege sowie die verstärkte Kooperation mit Arbeitgebern.

Anette Schnoor




> Die Broschüre „Impulse für eine flächendeckende Kinderbetreuung im Kreis Schleswig-Flensburg“ ist zu beziehen bei der Netzwerkstelle Kita Plus, Moltkestraße 25, 24837 Schleswig

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