SCHLESWIG : Das alte Schlachterhaus im Friedrichsberg fällt

Der Abrissbagger greift an: Im Hinterhof Friedrichstraße 38  -  40 wird die alte Schlachterei in Schutt und Asche gelegt. Fotos: Bühmann
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Der Abrissbagger greift an: Im Hinterhof Friedrichstraße 38 - 40 wird die alte Schlachterei in Schutt und Asche gelegt. Fotos: Bühmann

Die ehemalige Fleischerei Lietz in der Friedrichstraße wird abgerissen. Der dort geplante Neubau von Büros und Wohnungen verzögert sich allerdings, weil die Baukosten so stark gestiegen sind.

shz.de von
09. Oktober 2018, 18:03 Uhr

Es kracht und staubt. Mit der Power eines Abrissbaggers bohrt sich der Greifer ins alte Gemäuer der früheren Schlachterei Lietz. Seit gestern werden vom Hinterhof der Friedrichstraße 38-40 aus die Gebäude nach und nach zerlegt, bis nur noch ein Haufen Schutt und Asche übrig bleibt. Wenn auch der beseitigt ist, dann wird hier an der Friedrichstraße eine Baulücke klaffen. Zumindest für einige Zeit.

„Das mit der Baulücke war eigentlich anders geplant“, berichtet auf SN-Nachfrage Rolf Jacobsen, Geschäftsführer der Hahn-Projekt-GmbH in Busdorf, die Eigentümerin des 1540 Quadratmeter großen Areals ist. Denn nach dem Abriss sollte an der Stelle zeitnah Neues entstehen – vornehmlich Büros und Wohnungen. Doch „nachvollziehbare Gründe“ sprächen dagegen, sagt Jacobsen.

Warum also kommt nach Ende der Abrissarbeiten nun doch nicht der Neubau wie ursprünglich geplant?

„Das hängt mit der lebhaften Konjunktur in der Baubranche zusammen und den damit verbundenen Kostensteigerungen“, macht der Immobilien-Geschäftsführer deutlich. Jacobsen verweist auf die Kalkulation, wie sie sich nach der Ausschreibung plötzlich dargestellt habe. „Sehen Sie hier“, sagt er und zeigt auf die Baupläne, „wir hatten vor, einen Neubau für Handel, für eine Einrichtung mit Jugendlichen sowie für 20 bis 25 Mietwohnungen hochzuziehen.“ Dann aber habe man für das zuvor auf 3,3 Millionen Euro veranschlagte Projekt feststellen müssen, dass die Kosten in der Zwischenzeit vor und nach der Ausschreibung geradezu explodiert waren – „tja, und als wir dann bei weit über vier Millionen lagen, haben wir aufgehört zu rechnen“, sagt Jacobsen.

Fast eine Million Euro mehr als vorgesehen für ein Projekt – „das geht nicht“. Die Kosten seien seit Mitte 2017 in den Himmel gewachsen, so etwa um die 10 bis 20 Prozent mehr. „Denn bekanntlich boomt es im Handwerk.“ Daher hält Jacobsen es für sinnvoll, diese Hochkonjunktur-Phase vorübergehen zu lassen, um irgendwann mit vertretbaren Baupreisen operieren zu können: „Wir halten erstmal die Füße still und bauen, wenn sich die Preise normalisiert haben.“

Den Kauf der Gebäude der früheren Schlachterei Lietz in der Friedrichstraße 38 und 40 hatte noch der Anfang März verstorbene Busdorfer Unternehmer Uwe Hahn klar gemacht. Rolf Jacobsen als dessen langjähriger Vertrauter will die allgemeine geschäftliche Entwicklung auf dem Bausektor abwarten und das angepeilte Projekt später umsetzen. Dabei hofft er auch auf Förderprogramme für sozialen Wohnraum von der Bundesregierung. Der Abriss der beiden Häuser aber sei jetzt unumgänglich gewesen. Denn der Putz bröckelte bereits von der Fassade, so dass man ständig ein Auge darauf haben musste, schon wegen des schmalen Gehweges davor, berichtet Jacobsen. „Und wir wollen auf jeden Fall verhindern, dass ein zweites Stadt Hamburg dort entsteht.“ Also eine Art Geisterbude, die Jahr um Jahr vor sich hin modert. Deshalb sei auch das marode Nachbarhaus nebenan in der Friedrichstraße 42 gleich mit in die Abriss-Aktion einbezogen worden. Das Haus gehört einem Eckernförder Unternehmer, der dem Vernehmen nach noch keinen Plan für den Bauplatz dort hegt.

Das ausgediente Schlachter-Haus, gebaut in den 1830er Jahren, ist verbunden mit einer langen Familiengeschichte. „1880 hat mein Urgroßvater Carsten Lietz das Fleischergeschäft gegründet“, erzählt Steffi Seifert, geborene Lietz, die von 1978 bis 2009 gemeinsam mit ihrem Mann Dietmar das Geschäft weiterführte. Davor hatten ihr Großvater Willi und ihr Vater Otto Lietz einst den guten Ruf der Schlachterei begründet. Aufgewachsen im Hause Lietz sind auch ihre beiden Geschwister Karsten und Ulrike.

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