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Schleswiger Nachrichten

21. Oktober 2017 | 16:06 Uhr

Schleswig : Daran krankt der Domturm

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Ziegeln und Mörtel quellen bei Feuchtigkeit unterschiedlich stark aus. Im Sommer soll das Sanierungskonzept stehen.

von
erstellt am 19.Mär.2015 | 14:45 Uhr

Die gute Nachricht gab es vorweg: Zumindest umkippen wird der marode Domturm nicht. Das sei das Ergebnis eines kürzlich erstmals am 112 Meter hohen Wahrzeichen der Stadt Schleswig vorgenommenen Stabilitätsnachweises, wie Sybille Gertenbach gestern erklärte: „Er ist stabil, die Statik ist kein Thema!“ Ansonsten aber sorgte die für das Gebäudemanagement Schleswig-Holstein (GMSH) tätige Architektin dafür, dass sich in den Gesichtern ihrer Zuhörer die eine oder andere Sorgenfalte bildete, als sie bei der sogenannten großen Dombegehung über den aktuellen Stand der Untersuchungen des Turmes berichtete. Denn inzwischen, so betonte sie, wisse man endlich, woran das 120 Jahre alte Bauwerk leidet.

Dabei liegt das Hauptproblem offenbar in der Verblendschale des Turmes, die in den 1950er Jahren um dessen Kern („der ist in Ordnung“) gelegt wurde. Damals habe man offenbar Ziegel und Mörtel verwendet, die sich zusammen nicht vertragen, erklärte Gertenbach, die in diesem Zusammenhang von einem „unterschiedlichen Quellverhalten bei Feuchtigkeit“ sprach. So breite sich der Mörtel so extrem aus, wenn er nass wird, „dass der Ziegel dabei nicht mitgehen kann und schließlich platzt“. Gleichzeitig seien die Poren der Steine so klein, dass die zwar Feuchtigkeit aufnehmen, aber nicht wieder abgeben können. Wenn es dann friert, komme es zu weiteren Rissen. „Fest steht, dass diese Prozesse nicht mehr aufzuhalten sind“, betonte sie schließlich und erklärte weiter: „Man hat nach dem Krieg nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt. Das geht aus den ausführlichen Dokumenten hervor. Aber bei der Herstellung des Materials kann menschliches Versagen nicht ausgeschlossen werden.“ Zu diesen Ergebnissen seien die Statiker, Restauratoren und Architekten gekommen, die den Domturm in den vergangenen Monaten auf Herz und Nieren untersucht hatten. Was dabei auch auffiel: Während der Zustand des Mauerwerkes nach oben hin immer besser wird, zeigte sich auch das Stahltragwerk an der Spitze des Turmes stark angegriffen.

Ende April, so sagt die Expertin, erwarte sie nun die ersten Vorschläge, wie der Turm saniert werden könnte. Im August soll das endgültige Konzept stehen. Spätestens dann steht auch die Kostenfrage im Raum. Dass es sich dabei um einen Millionenbetrag handeln wird, daran zweifelt niemand. „Deshalb werden die nächsten Jahre ganz im Zeichen der Turmsanierung stehen. Andere Projekte, wie etwa eine neue Beschallung oder Beleuchtung, müssen erst einmal hinten anstehen“, sagte Kirchenbaudirektorin Ingrid Wenk, die gleichzeitig die Bedeutung des Domes nicht nur für die Stadt Schleswig, sondern für ganz Schleswig-Holstein betonte. Deswegen appellierte sie auch mehrfach an die GMSH, bei der Sanierung des Turmes weiter im Boot zu bleiben. Zum Hintergrund: Zurzeit laufen Verhandlungen zwischen dem Kieler Finanzministerium und der Nordkirche, bei denen es in erster Linie darum geht, ob die GMSH die Bauleitung bei den Sanierungsarbeiten übernimmt. Obwohl sie bei der Erstellung des Sanierungskonzeptes bereits in die Bresche gesprungen ist, sieht es momentan nicht danach aus. Ausschlaggebend sind unterschiedliche Auffassungen über Zuständigkeiten, die im Staatskirchenvertrag von 1957 festgehalten wurden. „Aber wir sind im Gespräch. Bislang haben wir gut zusammengearbeitet“, betonte Bischof Gothart Magaard, der weiter auf eine Einigung hofft. Denn sollte diese nicht gelingen, müsste die Nordkirche weitere Dienstleistungen extern einkaufen.

Zumindest hat Bürgermeister Arthur Christiansen noch einmal bekräftigt, dass die Stadt Schleswig weiterhin zu ihrer Zusage steht, ihren Teil zur Domturm-Sanierung beizutragen. 450  000 Euro, so sehen es die Pläne der Verwaltung vor, könnten in drei Raten zwischen 2016 und 2019 als Baukostenzuschuss bereitgestellt werden. Parallel dazu würde sich die Stadt um Gelder aus dem Bundesprogramm „Förderungen von Investitionen in nationale Projekte des Städtebaus“ bemühen. Dies wiederum könnte einen Millionenzuschuss bedeuten. Nicht nur Bischof Magaard hofft deshalb auf einen positiven Bescheid aus Berlin.

 

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