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Schleswiger Nachrichten

19. Oktober 2017 | 09:46 Uhr

Dannewerkschule gerät ins Abseits

vom

Deutlich weniger Fünftklässler als in den Jahren zuvor / Eltern bevorzugen Konzept der Bruno-Lorenzen-Schule / Es geht um Schulnoten

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erstellt am 03.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Schleswig | Die meisten Eltern machen es sich nicht leicht bei ihrer Entscheidung, auf welche Schule ihr Kind ab der fünften Klasse gehen sollte. Wenn aber die richtige Schule ausgemacht ist, diese jedoch keine freien Plätze mehr zur Verfügung hat - was dann? In diese Bredouille sind in Schleswig etliche Eltern geraten. Denn als besonders attraktiv haben sich Domschule und Bruno-Lorenzen-Schule für die angehenden Fünftklässler erwiesen. Während an der Domschule sogar 28 Kinder durch Losentscheid abgewiesen werden mussten, waren es an der Bruno-Lorenzen-Schule neun Kinder, die erst nach einem sogenannten Widerspruchsverfahren angenommen wurden. Das bedeutet: Die Eltern hatten die Aufnahme ihrer Kinder an der Bruno-Lorenzen-Schule mit rechtlichen Mitteln durchsetzen können.

So verzeichnet die Bruno-Lorenzen-Gemeinschaftsschule nunmehr 111 Anmeldungen (elf mehr als im vergangenen Schuljahr). Deutliche Verluste hingegen gibt es an der Dannewerk-Gemeinschaftsschule: 58 Fünftklässler haben sich angemeldet. Im Jahr zuvor waren es dort noch 76 Fünftklässler, davor 69 und im Schuljahr 2010/2011 sogar 94. Offensichtlich ist dabei, dass die Dannewerkschule in diesem Jahr Einbußen in ihrem traditionellen Einzugsbereich um Busdorf und Fahrdorf hat.

SN-Nachfrage dazu beim Busdorfer Grundschulleiter Peter Moll, wohin sich seine Viertklässler, die zur Gemeinschaftsschule wollen, orientiert haben. Mehr als die Hälfte hätten sich an der Bruno-Lorenzen-Schule angemeldet: "Dies scheint ein Trend zu sein, der allerdings auch wieder umkehrbar werden kann."

Eltern haben "mit den Füßen abgestimmt". Mehr Kinder als in den Jahren zuvor aus Busdorf, Selk und Fahrdorf nehmen offenbar den etwas weiteren Weg zur Bruno-Lorenzen-Schule in Kauf. Konrektor Bernd Nissen bestätigt auf SN-Nachfrage, dass an der Bruno-Lorenzen-Schule etwa 25 Anmeldungen aus diesem Bereich vorliegen.

Auch für Barbara Clausen aus Busdorf, Mutter eines Sohnes, habe nach dem Besuch der Info-Veranstaltungen an beiden Gemeinschaftsschulen festgestanden, dass ihr Kind "nur auf die Bruno-Lorenzen-Schule kommt", erklärt sie gegenüber den SN. Nicht nur, dass sie angetan sei vom neuen Angebot der Bruno-Lorenzen-Schule, ein bilinguales System einzuführen. Dabei erhalten die Schüler ab der Klasse 7 Fachkundeunterricht auf Englisch. Clausen: "Überhaupt hat mich das Konzept überzeugt. Denn dort vergibt man ab der 5. Klasse weiter Schulnoten. Damit können die Kinder viel besser umgehen, weil sie wissen, wo sie stehen", sagt sie.

An der Dannewerkschule sieht man das anders, dort werden die Schulleistungen vom fünften bis einschließlich zum siebenten Schuljahr nicht mit Zensuren benotet.

Als Familie Clausen zunächst keinen Platz an der Bruno-Lorenzen-Schule für ihren Sohn bekommen hatte und stattdessen an die Dannewerkschule verwiesen worden war, hatte sie auch aus diesem Grund ein Widerspruchsverfahren angestrengt - und auf die gesetzlich zustehende Schulwahlfreiheit für Eltern verwiesen.

Schulnoten ja oder nein. Die sehr unterschiedlichen pädagogischen Konzepte beider Schulen üben offenbar großen Einfluss auf die Entscheidung der Eltern aus. Auch die Busdorfer Grundschullehrer hatten aus Gesprächen mit Eltern erfahren, dass sie sich Noten an den weiterführenden Schulen wünschten. Gerhard Plath, Leiter der Dannewerkgemeinschaftsschule und Verfechter des Konzepts ohne Schulnoten, zeigt sich unbeeindruckt von der zurückgehenden Zahl seiner Schüler. "Schulen, die herkömmliche Strukturen absetzen, haben es immer schwieriger - insbesondere bei einer radikalen Abkehr von der Zensurengebung." Es brauche eben Zeit, "Köpfe, die in alten Strukturen denken, zu überzeugen", meint er. Statt Zensuren erhielten seine Schüler bei Leistungstests ihre erreichten Prozentanteile. Plath zu der Tatsache, dass deutlich weniger Fünftklässler an seine Schule kommen: "Wir werden eben drei kleine Klassen mit jeweils 18 Schülern einrichten. Das ermöglicht uns eine noch intensivere pädagogische Arbeit."

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