Baustopp im Schleswiger Bahnhof : Dann eben in Leipzig

Diesen ehemaligen Lokschuppen in Leipzig will Hubert Herr wie den Schleswiger Bahnhof zu einem „Eventbahnhof“ umbauen.
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Diesen ehemaligen Lokschuppen in Leipzig will Hubert Herr wie den Schleswiger Bahnhof zu einem „Eventbahnhof“ umbauen.

Investor fordert Stadt zum Einlenken auf – und hat sich längst das nächste Projekt vorgenommen.

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09. Februar 2018, 07:00 Uhr

Der Mann kann es nicht lassen. Nachdem im Schleswiger Bahnhof seit etlichen Wochen sämtliche Arbeiten ruhen, hat sich Investor Hubert Herr das nächste Projekt vorgenommen. In Leipzig will er nun einen alten Lokschuppen zu einem „Eventbahnhof“ umbauen. Nur die Unterschrift unter dem Kaufvertrag fehle noch, sagt der Unternehmer aus dem Breisgau, der in der sächsischen Metropole nach eigenen Angaben drei bis vier Millionen Euro investieren will. „Schleswig ist da wohl Pillepalle dagegen“, schreibt Herr auf seiner Facebookseite über sein nächstes „Hammer-Projekt“.

Und was passiert mit dem Schleswiger Bahnhof?

Der stehe auf seiner Prioritätenliste nicht mehr obenan, macht Herr im Gespräch mit den SN deutlich. Zwar habe er hier bereits rund eine Million Euro investiert. Und jedes Jahr koste ihn – mögliche Mietausfälle nicht mit einkalkuliert – rund 15 000 Euro. „Aber das kann ich noch ein paar Jahre aushalten.“

Dennoch hat Hubert Herr durchaus ein Interesse daran, dass die Arbeiten am Schleswiger Bahnhof endlich wieder aufgenommen werden können. „Wir unternehmen alles Erdenkliche, um die unerträgliche Situation am Bahnhof für alle Beteiligten so schnell wie möglich zu beseitigen“, verspricht der Eigentümer. Leider könne man dies von der Stadt und ihrer Baubehörde nicht behaupten. Herr sieht sich nach dem Treffen vom 18. Januar mit Vertretern von Stadt, Eisenbahnbundesamt (EBA), Bahn-Tochter DB Station & Service sowie Denkmalschutzbehörde in seiner Auffassung bestätigt, dass die Zuständigkeiten für die Baumaßnahmen beim EBA liegen – und somit der vom Bauamt im Oktober 2016 verhängte Baustopp unrechtmäßig sei.

Gleichwohl hatte das Oberverwaltungsgericht den Baustopp bestätigt und dies mit einer fehlenden Statik für die Empfangshalle begründet. Diese Statik habe sein Anwalt inzwischen abermals beim Bauamt eingereicht, sagt Herr. „Sollte die Baubehörde nun den unrechtmäßigen Baustopp nicht aufheben, werden wir in den kommenden Tagen beim Verwaltungsgericht Schleswig – wo das Hauptverfahren bezüglich der Zuständigkeit durchgeführt wird – eine vorübergehende Aufhebung bis zum Hauptverfahren beantragen“, betont der Investor. Dann nämlich könnten zumindest genehmigungsfreie Renovierungsarbeiten weiterlaufen.

Bei der Stadt gibt man sich zurückhaltend. Hubert Herr habe „Kopien statischer Berechnungen“ vorgelegt, bestätigt Rathaussprecher Eric Gehrke. Die seien „aber zurzeit noch nicht abschließend zu bewerten“. Zudem verweist Gehrke darauf, dass wesentliche Teile des Genehmigungsverfahrens nunmehr mit dem EBA zu klären seien.

Bevor er sämtliche Unterlagen beim EBA einreiche, wolle er zunächst die Forderungen des Denkmalschutzes abwarten, sagt Herr. Für den 21. Februar sei ein Treffen bei der Behörde des Kreises anberaumt.

Auch sonst ist ein langer Atem gefordert. Im Hauptverfahren vor dem Verwaltungsgericht ist eine Entscheidung erst in mehr als einem Jahr zu erwarten.

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