Domschule Schleswig : Dank Rotary: Ein aufregendes Jahr in Brasilien

Die Brasilien-Fahne als Erinnerung: Noreen Schucher (li.) und Olivia Fuchsloch haben viele neue Eindrücke gewonnen.
Die Brasilien-Fahne als Erinnerung: Noreen Schucher (li.) und Olivia Fuchsloch haben viele neue Eindrücke gewonnen.

Die Austauschschülerinnen Noreen Schucher und Olivia Fuchsloch wissen viele Vorzüge im eigenen Land erst jetzt zu schätzen

<p>Alf Clasen</p> von
02. Oktober 2018, 16:10 Uhr

Klimatische Extreme, viel Armut, eine fleischlastige Küche und herzliche Menschen voller Nationalstolz: Hinter den Domschülerinnen Noreen Schucher (18) und Olivia Fuchsloch (17) liegen aufregende Erfahrungen. Beide haben nach der zehnten Klasse zwölf Monate in Brasilien verbracht – organisiert über den Rotary-Club Schleswig-Gottorf.

Es sprudelt aus den beiden Mädchen nur so heraus, als sie von ihren Eindrücken aus dem südamerikanischen Land erzählen. „Das Schulsystem in Brasilien ist ganz anders als bei uns. Den Stoff, den wir dort gelernt haben, können wir hier kaum anwenden“, sagt Noreen Schucher. Sie hat in verschiedenen Gastfamilien im Großraum der Millionen-Metropole São Paulo gelebt. Obwohl sie auf eine Privatschule ging, seien die Bedingungen dort viel schlechter gewesen als auf öffentlichen Schulen in Deutschland. Zudem seien Armut und Kriminalität allgegenwärtig gewesen. „Es gab viele Ecken, wo ich nicht hingehen durfte“, berichtet die junge Jübekerin.

„Die Schere zwischen Arm und Reich geht in Brasilien sehr weit auseinander“, hat auch Olivia Fuchsloch festgestellt, die die Zeit in der 70 000-Einwohner-Stadt Santa Rosa im Süden des Riesenlandes verbracht hat. Auch sie besuchte dort eine Privatschule. Wie Noreen konnte sie zuvor kaum Portugiesisch, hat die Sprache erst in Brasilien erlernt. An viele Dinge habe sie sich erst gewöhnen müssen, sagt Olivia. Etwa daran, dass sie kaum Privatsphäre gehabt habe. „Wir saßen praktisch ständig mit der ganzen Familie zusammen im Wohnzimmer.“ Oder das Essen. An der Grenze zu Argentinien werde traditionell mit sehr viel Fleisch gekocht. Nudeln oder Salat habe es kaum gegeben, dafür jede Menge Reis und rote Bohnen. Erschreckt habe sie zudem das fehlende Umweltbewusstsein der Menschen.

Dennoch haben es die Brasilianer den beiden Austauschschülerinnen angetan. „Auch wenn sie wenig haben, teilen sie sehr gerne mit anderen“, erzählt Noreen. „Und sie sind voller Lebensfreude und Nationalstolz.“ Und natürlich fußballverrückt. Jeden Tag habe sie irgendwelche Anspielungen auf die 1:7-Niederlage Brasiliens gegen Deutschland bei der Heim-WM 2014 gehört. „Das sitzt tief in denen drin“, sagt Noreen. Umso glücklicher seien die Brasilianer gewesen, als die Deutschen bei der WM in diesem Sommer vorzeitig rausflogen.

Das Jahr im fernen Südamerika sei sehr prägend gewesen und habe ihnen einen neuen Blick auf das eigene Land ermöglicht, betonen die beiden Domschülerinnen. Olivia sagt, ihr sei bewusst geworden, wie viel mehr Chancen man doch in Deutschland habe. Und Noreen weiß besonders das hiesige Gesundheitssystem zu schätzen, nachdem sie in Brasilien gleich mehrfach eine Klinik aufsuchen musste: „Die Zustände in den öffentlichen Krankenhäusern wären bei uns nicht mal ansatzweise erlaubt.“ Sie habe gelernt, wie schön Deutschland ist und wie wohltuend es sei, sich in einer Stadt wie Schleswig frei von Angst vor Kriminellen bewegen zu können.

Den Brasilien-Aufenthalt mit vielen Kontakten auch zu den anderen Rotary-Austauschschülern aus aller Welt möchten die beiden Mädchen gleichwohl nicht missen – er hat ihnen überdies auch für die Schule neue Motivation verschafft. Beide sind jetzt im 12. Jahrgang, obwohl sie die 11. Klasse praktisch komplett verpasst haben. Ihr Ehrgeiz sei aber so groß, dass sie den Stoff freiwillig nachholten, versichern die Beiden.

Natürlich wollen sie Brasilien in Zukunft mal wieder besuchen, betonen Noreen und Olivia. Dass der Kontakt zu dem Land nicht abreißt, dafür sorgt auch eine junge Brasilianerin, die seit kurzem für ein Jahr zu Gast an der Domschule ist.

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