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Archäologische Sensation : Danewerk ist älter als vermutet

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Wissenschaftler präsentierten spektakuläre Ergebnisse der jüngsten Grabungen an Nordeuropas größtem Bodendenkmal vor den Toren Schleswigs.

Am Ende war es schwer zu sagen, wer mehr strahlte: die Sonne oder die versammelten Wissenschaftler und Politiker, die sich gestern Mittag vor dem Danevirke Museum in Dannewerk versammelten. Denn die hatten allen Grund, bestens gelaunt vor eine ganze Schar deutscher und dänischer Pressevertreter zu treten. Schließlich gab es, so betonte der Leiter des Archäologischen Landesamtes Claus von Carnap-Bornheim, „sensationelle Ergebnisse“ zu verkünden. So haben die Ausgrabungen, die seit dem Frühjahr erstmals gemeinsam von deutschen und dänischen Archäologen vorgenommen wurden, in erster Linie eine Erkenntnis erbracht, die so nicht zu erwarten war: Das Danewerk, immerhin das größte Bodendenkmal Nordeuropas, ist deutlich älter als bislang angenommen.

„Wir gehen davon aus, dass es hier bereits im fünften Jahrhundert einen Wall gab“, erklärte Dr. Astrid Tummuscheit, Ausgrabungsleiterin auf deutscher Seite. Besonders viele neue Erkenntnisse hätten die Wissenschaftler demnach durch einen erstmals vorgenommenen kompletten Querschnitt des ehemaligen Verteidigungswalls erlangt – unmittelbar neben dem 2010 entdeckten Tor des Danewerkes. Demnach gab es im Laufe der Jahrhunderte vier, eventuell sogar fünf Wallphasen, die jeweils aufeinander aufgebaut wurden. Das älteste Bauwerk ist ein Erdwall mit davor liegendem Wallgraben, der laut Archäologen definitiv vor dem Jahr 500 nach Christus errichtet wurde. Der darauf folgende Wall besteht aus sorgfältig abgestochenen Grasssoden, aus denen organisches Material entnommen werden konnte, das auf die Jahrzehnte um das Jahr 500 datiert werden konnte. Erstmals, so die Wissenschaftler, könne deshalb belegt werden, dass die spätere Südgrenze Dänemarks in dieser Zeit errichtet wurde.

Bereits in den Jahren 2010 und 2011 hatte das Archäologische Landesamt rund um das Danewerk-Tor Ausgrabungen vorgenommen (wir berichteten). Dank einer Spende des dänischen A.P. Møller-Fond von rund 300 000 Euro konnten die Arbeiten nun fortgeführt werden – diesmal in Zusammenarbeit mit dem Museum Sønderjylland. Dessen Direktor Orla Madsen lobte gestern, ebenso wie von Carnap-Bornheim, die fruchtbare Zusammenarbeit beider Partner und betonte noch einmal die Bedeutung des Danewerkes für die Grenzregion: „Das ist unsere Chinesische Mauer, sowohl in der Größe als auch von der Bedeutung.“ Es sei faszinierend, was die Wissenschaftler um Dr. Tummuscheit und ihre dänische Kollegin Frauke Witte in der jüngsten Ausgrabungsphase an neuen Erkenntnissen haben gewinnen können.

Neben dem freigelegten Querschnitt standen bei dieser bislang größten Grabung am Danewerk insbesondere die Arbeiten rund um das Tor im Mittelpunkt. Hierbei konnten unter anderem eine Drainage-Leitung und ein Hohlweg samt Wagenspuren freigelegt werden. Ebenso stießen die Archäologen auf den exakten Anfang der sogenannten Waldemarsmauer, eine Ziegelsteinmauer aus dem 12. Jahrhundert. „Diese Funde haben es in sich. Schleswig-Holstein kann noch überraschen“, freute sich der Staatssekretär aus dem Kieler Ministerin für Justiz, Kultur und Europa, Eberhard Schmidt-Elsaeßer, der ebenso wie der dänische Generalkonsul Henrik Becker-Christensen zur Präsentation der Ausgrabungen nach Dannewerk gekommen war.

Ende Oktober werden die Wissenschaftler die Ausgrabungen beenden. Was danach mit den freigelegten Bereichen rund um das Tor passiert, ist bislang noch unklar. „Es gibt nur zwei Möglichkeiten: Überbauen oder Zuschütten“, erklärte von Carnap-Bornheim. Natürlich wünsche er sich ein Museum, das „die sensationellen Funde“ angemessen präsentiert. „Aber ich weiß auch, dass das ein finanzieller Kraftakt wäre.“ Einzige Hoffnung: Im Januar werden die Bewerbungsunterlagen für ein Unesco-Welterbe Danewerk in Paris eingereicht. Sollte dieses 2015 anerkannt werden, würden neue Fördergelder für die weitere Präsentation des Walles fließen.

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erstellt am 27.Sep.2013 | 07:45 Uhr

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