Interview zum Schleswiger Bahnhof : „Da müssen wir eingreifen“

Thorsten Roos in seinem Büro im Schleswiger Kreishaus. Der Leiter des Fachbereichs Kreisentwicklung, Bau und Umwelt ist unter anderem auch für den Denkmalschutz zuständig. Der 53-jährige Tarper arbeitet seit 1991 bei der Behörde. Roos ist verheiratet und hat zwei Kinder.
Thorsten Roos in seinem Büro im Schleswiger Kreishaus. Der Leiter des Fachbereichs Kreisentwicklung, Bau und Umwelt ist unter anderem auch für den Denkmalschutz zuständig. Der 53-jährige Tarper arbeitet seit 1991 bei der Behörde. Roos ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Thorsten Roos, Leiter der Denkmalschutzbehörde des Kreises, über die verfahrene Situation am Schleswiger Bahnhof.

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02. März 2018, 10:00 Uhr

Fehlende Genehmigungen, unklare Zuständigkeiten, Baustopp und gegenseitige Vorwürfe: Das Theater um den Schleswiger Bahnhof erhitzt die Gemüter und sorgt für reichlich Diskussionsstoff in der Stadt. Erst vergangene Woche platzte ein Treffen zwischen Investor Hubert Herr und Vertretern der Denkmalschutzbehörde. Deren Leiter Thorsten Roos erklärt im Interview mit sh:z-Redakteur Sven Windmann, wie seine Behörde mit dem Hickhack umgeht und wie die Kuh doch noch vom Eis geholt werden könnte.

Herr Roos, das Thema Bahnhof bewegt die Schleswiger seit Jahren wie kaum ein anderes. Können Sie nachvollziehen, dass die Bürger keine Lust mehr darauf haben, zuzusehen, wie dieser immer mehr zum Schandfleck verkommt?

Natürlich kann ich das verstehen. Und als Bürger würde ich mich wahrscheinlich auch darüber aufregen, dass es dort nicht vorangeht und denken, dass die Behörden zu steif sind, um praktische, schnelle Lösungen zu finden. Aber wenn man sich beruflich mit dieser Materie beschäftigt, sieht die Sache ganz anders aus. Ich bitte die Schleswiger deshalb um Verständnis dafür, dass es sehr gut nachvollziehbare Gründe dafür gibt, dass wir uns für die Sicherung des Bahnhofs einsetzen. Oder sollen wir sagen, wir missachten jetzt sämtliche rechtliche Bestimmungen und genehmigen einfach alles, was dort bislang gemacht wurde?

Zum Thema Genehmigungen führt Investor Hubert Herr immer wieder an, dass er eine sogenannte Fiktivgenehmigung habe, weil Ihre Behörde Fristen verpasst habe. Was ist da dran?

Wir haben tatsächlich von Herrn Herr Planzeichnungen bekommen, die für uns aber bei weitem nicht ausreichend waren und sind – und damit nicht prüffähig. Hinzu kommt, dass dieser Plan, den er eingereicht hat, komplett von dem abweicht, was er bislang im Bahnhof gebaut und verändert hat. Also: Selbst wenn eine Fiktivgenehmigung vorliegen sollte, was wir nicht glauben und nun gerichtlich geprüft wird, hat er sich nicht an seine eigenen Vorgaben gehalten. Und mindestens das sollte dann doch wohl Standard sein.

In der öffentlichen Wahrnehmung kommt es oft so rüber, als sei die Denkmalschutzbehörde mit Blick auf den Bahnhof zu streng. Täuscht der Eindruck?

Wir wollen sicherlich keine Käseglocke über geschützte Gebäude legen, so dass sie niemand mehr nutzen kann. Aber Denkmalschutz hat nun einmal seine Berechtigung. Und auch der Bahnhof steht ja nicht umsonst bereits seit 1986 unter Denkmalschutz. Es ist laut Gesetz unser Auftrag, dies zu überwachen. Man kann doch nicht einfach ohne Rücksicht auf Verluste drauflos bauen. Da müssen wir eingreifen. Aber durch das, was dort dennoch bereits alles an- und umgebaut wurde, ist das Haus in seiner Substanz inzwischen stark gefährdet. Das ist nur schwierig heilbar.

Im Schleswiger Bahnhof ruhen die Arbeiten – sogar der Weihnachtsbaum steht noch da.
Sven Windmann
Im Schleswiger Bahnhof ruhen die Arbeiten.
 

Wie könnte das doch noch funktionieren?

Genau das wollen wir gemeinsam mit Herrn Herr erörtern. Aber er muss auch bereit dazu sein, mit uns gemeinsam einen Weg zu finden. Wenn ja, dann werden wir so weit gehen, wie es möglich ist. Diese Zusage kann ich machen. Aber bislang signalisiert er leider wenig Bereitschaft zum konstruktiven Austausch. Unabhängig davon werden wir ihm in Kürze ein weiteres Gesprächsangebot unterbreiten.

Hätte man einige Dinge nicht schon bei dem Treffen letzte Woche klären können, als Herr gegen Ihren Wunsch die Presse dazugeladen hat?

Nein. Wir wollten mit Herrn Herr bei dem geplanten Treffen erst einmal in Ruhe und detailliert über den Stand der Dinge sprechen. Es sollte eine Bestandsaufnahme gemacht werden, mit der Frage: Was könnte man nachträglich noch genehmigen und wo müssen wir über Teilrückbauten reden? Vielleicht muss ja sogar ein kompletter Rückbau angeordnet werden. Aber das ist sicherlich nicht unser vorrangiges Bestreben. Wir sind weiterhin optimistisch, dass wir gemeinsam mit dem Investor eine einvernehmliche Lösung finden können. Aber dazu muss man sich erst einmal hinter verschlossener Tür treffen, weil es dann auch heißt, Tacheles zu reden.

Kann nicht der Denkmalschutz einfach von dem Gebäude runtergezogen werden?

Das müsste allein das Landesamt für Denkmalpflege entscheiden.

Beim „Flieger“ auf der Freiheit, so argumentiert Herr gerne öffentlich, ist genau das passiert, oder?

Als der „Flieger“ gekauft wurde, stand er noch nicht unter Denkmalschutz. Das hat das Landesamt erst im Nachhinein angeordnet. Da hatte der Investor aber schon längst Geld in die Planungen gesteckt, deshalb ist man von der Unterschutzstellung wieder abgerückt. Herr Herr aber hat zum Zeitpunkt des Kaufes genau gewusst, dass der Bahnhof unter Schutz steht.

Insbesondere in den sozialen Netzwerken im Internet bekommen die Behörden dennoch meistens den Schwarzen Peter. Wie gehen Sie damit um?

Auf Debatten und Angriffe im Internet reagieren wir nicht. Natürlich ist uns der Ruf unserer Behörde auch wichtig, aber Facebook und Co. sind nicht unsere Plattformen, um zu kommunizieren. Von unserer Seite aus werden wir nie schlecht über Herrn Herr reden. Aber fest steht auch, dass ich in 27 Jahren, die ich jetzt beim Kreis bin, so einen Fall wie den mit dem Schleswiger Bahnhof noch nie erlebet habe.

Glauben Sie, dass der Eventbahnhof Schleswig tatsächlich eines Tages eröffnet?

Da antworte ich klar mit Ja. Weil ich über die Alternative gar nicht erst nachdenken möchte. Wir als Kreis wollen auf jeden Fall, dass dieses Projekt irgendwie verwirklicht wird. Das war von Anfang an, bis heute, unsere Grundlage. Das heißt: Wir haben keinerlei Interesse daran, das Ding gegen die Wand zu fahren. Wir versuchen vielmehr, die Geschichte – mit den Mitteln einer Verwaltung – auf den richtigen Weg zu setzen. Und im Übrigen: Ich finde die Idee, dort einen Eventbahnhof einzurichten, großartig. Er wäre ganz sicher eine Bereicherung für den Friedrichsberg, und auch für die ganze Region.

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