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Nach Flüchtlingskrise in SH : Container werden verschenkt, doch das kann teuer werden

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Es kommen nicht mehr viele Flüchtlinge nach SH - und die Container stehen leer. Viele Vereine haben Interesse.

von
erstellt am 11.Mai.2017 | 08:45 Uhr

Kropp/Eggebek | So funktioniert das marktwirtschaftliche Prinzip von Angebot und Nachfrage eben: Wohncontainer waren noch vor etwa anderthalb Jahren für die Unterbringung von Flüchtlingen sehr gefragt und teuer. Inzwischen sind sie überflüssig geworden und werden an Kommunen, Vereine und gemeinnützige Einrichtungen verschenkt.

So schnell der Containerboom gekommen war, so schnell flaute er auch wieder ab. Mit der Schließung der EU-Außengrenzen ebbte der Strom der Flüchtlinge ab, viele der zuvor eilig aus dem Boden gestampften Erstaufnahmeeinrichtungen in SH standen plötzlich wieder leer oder wurden gar nicht erst eröffnet.

Als das Land Schleswig-Holstein im September 2015 plötzlich vor dem Problem stand, innerhalb von kürzester Zeit Tausende von Flüchtlingen unterbringen zu müssen, waren Container bereits zu einer heißen Ware geworden. Die Nachfrage hatte den Mietpreis für zwei Jahre auf fast 10.000 Euro hochgetrieben – fast doppelt so viel wie noch drei Monate zuvor. Aber es gab keine Alternative – das Land mietete mehr als 4500 Container – und kaufte zudem gut 5000 der Behelfswohnungen. Die Kosten werden auf rund 100 Millionen Euro geschätzt.

Und das Land verfügte über massenhaft teure Container, die nicht mehr gebraucht wurden. Ein Großteil davon gilt zwar noch als eiserne Reserve für den Fall, dass sich die politische Lage wieder ändert, viele aber verursachen nur noch Kosten.

Der Versuch, die überzähligen Container zu verkaufen, erwies sich als schwierig – obwohl das Finanzministerium es sogar über die Auktionsplattform Ebay versuchte. Vor wenigen Wochen wurden dann die Verkaufsbemühungen wegen Aussichtslosigkeit eingestellt. Insgesamt wurden 1723 Wohncontainer an die Gebäudemanagement Schleswig-Holstein übergeben. „Wir haben die Aufgabe, diese Container zu veräußern. Das heißt, wir geben sie kostenlos an Kommunen, Vereine und gemeinnützige Organisationen ab“, erklärte Pressesprecherin Barbara Müller. Für Schleswig-Holsteins Finanzministerin Monika Heinold eine gute Lösung – die immensen Anschaffungskosten bekommt sie zwar nicht wieder herein, aber immerhin spart sich das Land mit jedem verschenkten Container den Unterhalt.

Das Interesse ist nach Auskunft von Barbara Müller groß. „Wir haben bisher schon etwa 600 Container vergeben. Es handelt sich ausschließlich um Wohn,- und nicht um Sanitär- oder Küchencontainer. Die Antragsteller müssen die Kosten für den Transport tragen, selbst für die Einrichtung, die Aufstellung und möglicherweise notwendige Baugenehmigungen sorgen.“ Das schreckt gelegentlich ein wenig ab, wie Gerd Aloe, der Leitende Verwaltungsbeamte des Amtes Geltinger Bucht verrät. „Man muss schon rechnen“, sagt er. „Wenn man ein Fundament gießen, Wasser- und Heizungs-Anschlüsse legen muss, dann kann der Schuss finanziell schnell nach hinten losgehen. Dann kann geschenkt auch teuer werden.“ Die Kommunen in seinem Amt haben keine Anträge gestellt. Und die Unterbringung der DLRG-Wachen an der Ostsee ist auch so gesichert.

Anders sieht es im Amt Eggebek aus. „Wir bemühen uns um sechs Container für die Schule und den Kindergarten“, erklärte der Leitende Verwaltungsbeamte Klaus-Dieter Rauhut. Eine Unterkunft brauchen auch die Kinder der neuen Naturgruppe. Allerdings scheint der Antrag noch in der Warteschleife zu stecken: Obwohl das Amt sehr früh den Finger gehoben hatte, gibt es bisher noch keine Rückmeldung. Rauhut hofft auf einen positiven Bescheid, hat aber auch die Kosten im Blick. Einen Schritt weiter ist schon die Gemeinde Busdorf. Sie bekommt zwei Container, die als neue Geräteräume im Kindergarten dienen sollen.

Aus dem Vollen schöpfte die Gemeinde Kropp, die sich gleich 38 Container sicherte, obwohl der genaue Verwendungszweck noch gar nicht feststeht. „Das ist der absolute Ausreißer“, erklärte Barbara Müller. Für Kropps Bürgermeister Stefan Ploog ist der ungewöhnlich kräftige Zugriff eine Vorsichtsmaßnahme: Der Wohnungsmarkt in der Gemeinde ist angespannt – und er rechnet in diesem Jahr mit der Zuweisung von mehr als 100 Flüchtlingen, die zumindest vorübergehend im Amt untergebracht werden müssen. Kommen sie, hat Ploog alles richtig gemacht. Bleiben sie aus, finden sich sicher andere Verwendungen. So hat der SSV Klein Bennebek, dessen Vereinsheim unlängst einem Feuer zum Opfer gefallen ist, zumindest indirekt Interesse angemeldet.

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