zur Navigation springen
Schleswiger Nachrichten

22. August 2017 | 13:34 Uhr

Erstaufnahme Eggebek : Container statt Kantine

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Das Land lehnt ein Angebot zur Nutzung der vorhandenen Räume trotz geringerer Kosten ab.

Wenn am kommenden Mittwoch erneut zu einer Einwohnerversammlung eingeladen wird, dann erhoffen sich viele Eggebeker mehr Klarheit darüber, was das Land auf dem ehemaligen Fliegerhorst plant. Wie sollen statt ursprünglich angedachter 500 nun mindestens 1000 Flüchtlinge in der provisorischen Erstaufnahmeeinrichtung untergebracht werden? Wie soll der Zeitplan eingehalten werden? Und in welcher Form können regionale Akteure von den Plänen des Landes profitieren? Auf die Beantwortung dieser Frage wartet auch Timm Schumacher schon seit geraumer Zeit. Sein Angebot, eine komplett ausgestattete Kantine direkt neben der Erstaufnahme für die Versorgung der Flüchtlinge mitnutzen zu können, hat das Land bislang abgelehnt.

Dabei habe Innenstaatssekretärin Manuela Söller-Winkler bei der ersten Vorstellung der Pläne im Mai den lokalen Unternehmern doch Mut gemacht, sich aktiv einzubringen, sagt der Geschäftsführer der Firma Catering Nord, die neben dem klassischen Catering-Geschäft auch täglich Schulen und Kitas versorgt. Und nun auch die benachbarten Flüchtlinge verköstigen könnte. Doch an der entsprechenden Ausschreibung, die nach Informationen des Innenministeriums europaweit erfolgte, nahm Schumacher zwar teil, zog jedoch den Kürzeren. Eine Firma aus Baden-Baden erhielt den Vorzug als günstigster Anbieter.

Mit diesem Zuschlag hadert der Eggebeker Unternehmer, und zwar weil dabei vollkommen außer Acht geblieben sei, dass sein Angebot auch die gerade einmal 15 Jahre alten Räumlichkeiten auf dem ehemaligen Flugplatz umfasst habe, in denen vis-a-vis der geplanten Erstaufnahme 250 Menschen zeitgleich verpflegt werden könnten. So hätte das Land auf zahlreiche Verpflegungscontainer verzichten können, die erheblich höhere Mietkosten verursachten, betont er.

Das habe er in seiner Bewerbung ausgeführt. Die zuständige Immobilienverwaltung des Bundes – die GMSH – habe das aber ignoriert, oder, so befürchtet der Unternehmer, ihm sogar zu Nachteil ausgelegt. „Vorher hieß es mündlich: Schreiben Sie es mit rein. Und hinterher teilte man mir schriftlich mit, das sei nicht gefragt gewesen und habe folglich nicht berücksichtigt werden können“, sagt Schumacher.

So ganz vom Tisch wischen lässt sich der Eindruck nicht, dass hier jemand nach verlorener Ausschreibung austeilen will, doch tatsächlich sind die Kosten für die Erstaufnahmeeinrichtung beträchtlich. Und aus dem Gesamtvolumen lässt sich auch die Miete für die Verpflegungscontainer abschätzen. Nach Angaben des Innenministeriums entstehen durch die Miete der 440 vorgesehenen Container jährliche Kosten von 1,5 Millionen Euro. Setzt man voraus, dass die Kosten für Wohn- und Funktionscontainer identisch sind, entfielen davon gut 88  000 Euro auf die 26 Container für die Verpflegung.

„Natürlich denken auch wir wirtschaftlich“, so Schumacher. Das heißt: Auch die Kantine wäre nicht zum Nulltarif zu haben, allerdings lägen die Kosten fürs Land „über 50 Prozent niedriger“.

Die Nachfrage, warum das Angebot abgelehnt wurde, bleibt vom Innenministerium unbeantwortet. Eine Sprecherin teilt lediglich mit: „In Form eines Nebenangebots hat Catering Nord die Möglichkeit der Nutzung seiner Räumlichkeiten angeboten. Das Landesamt für Ausländerangelegenheiten hat auch dieses Angebot geprüft und nicht angenommen.“

Schumacher sieht in der kürzlich vom Ministerium verkündeten Aufstockung der Kapazitäten der provisorischen Erstaufnahmeeinrichtung von 500 auf 1000 Plätze eine zweite Chance, sein Angebot an den Mann zu bringen und wird darin von der Wanderuper CDU-Landtagsabgeordneten Petra Nicolaisen bestärkt. Sie kritisiert die „starre Haltung“ des Ministeriums und betont, dass andere Bundesländer sehr viel flexibler handelten und stärker auf lokale Anbieter setzten.

Unterdessen rätseln viele Eggebeker, wie der Zeitplan für die Einrichtung eingehalten werden soll. Die aktuelle Planung sieht vor, dass mit dem Aufbau der 440 Container bereits am Montag begonnen wird, zwei Tage vor der Einwohnerversammlung. Der Blick auf das Gelände zeigt indes, dass noch nicht einmal der Boden hergerichtet ist. Leitungen werden noch verlegt, von befestigten Wegen ganz zu schweigen. Der Leitende Verwaltungsbeamte Klaus-Dieter Rauhut schüttelt angesichts der Zeitplanung ebenso wie Bürgermeister Willy Toft den Kopf: „Das wird nie was.“ 

zur Startseite

von
erstellt am 06.Nov.2015 | 07:37 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen