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Fahrdorf : „Container kommen nicht in Frage“

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Klärungsbedarf in der Einwohnerstunde: Warum werden die Flüchtlinge von der Gemeinde nicht in Mietwohnungen untergebracht? Bürgermeister Ameis verteidigt den geplanten Bau barrierefreier Unterkünfte als nachhaltig.

So viele Gäste durften Fahrdorfs Gemeindevertreter lange nicht mehr begrüßen: Mehr als 50 Bürger nahmen an ihrer Sitzung im Fährhaus teil – vor allem, um Informationen über die im Neubaugebiet geplanten Flüchtlingswohnungen zu erhalten. Zwar zeigte sich nicht jeder Besucher mit dem Projekt einverstanden, doch sowohl ein Großteil der anwesenden Bürger als auch die Politik zeigten sich aufgeschlossen.

Die Gemeinde hatte sich im Dezember für den geplanten Bau von zwei Doppelhäusern mit vier Wohnungen, die Platz für vier Familien mit je vier bis fünf Personen bieten, ausgesprochen. Eine Bürgerin wandte nun ein, sie würde viel lieber eine Container-Lösung als Unterbringung für die Flüchtlinge sehen, als diese als neue Nachbarn im Neubaugebiet zu begrüßen. Dabei argumentierte sie unter anderem mit dem möglichen Wertverlust ihres Hauses und der Furcht um Hab und Gut, sollten Flüchtlinge in der Nachbarschaft wohnen. „Da muss man sich schämen!“, rief ein Zuschauer als Reaktion auf diese Wortmeldung, woraufhin ein Raunen durch den Saal ging. „Eine Container-Lösung oder eine Unterbringung in der Turnhalle kommt für uns nicht in Frage“, stellte Bürgermeister Frank Ameis klar.

Er appellierte in der Diskussionsrunde an die Pflicht zur Menschlichkeit. „Ich kann ihre Ängste verstehen. Wir müssen die Menschen unterbringen. Viel schlimmer wäre eine Turnhallen-Besetzung“, sagte Ameis. 92 Schutzsuchende sind derzeit in den Gemeinden des Amtes Haddeby untergebracht, davon wohnen zwölf Personen in Fahrdorf – ein Familienverbund von Eltern und ihren Kindern. „Auch wir in Fahrdorf haben unser Säckel zu tragen. Wir sind die größte und finanzstärkste Gemeinde im Amt Haddeby. Wir müssen uns ebenso einbringen, wie es die anderen Gemeinden in Haddeby tun“, sagte Ameis.

Den Vorwurf, die Grundstückskäufer und zukünftigen Bauherren bewusst nicht von dem geplanten Bauvorhaben der Flüchtlingsunterkunft in Kenntnis gesetzt zu haben, wies SPD-Fraktionsvorsitzende Bettina Koch als Unterstellung zurück. „Die meisten Bauherren hatten es sehr eilig, die Kaufverträge so schnell wie möglich zu unterschreiben“, sagte Koch.

Auf die Frage, warum es ein teurer barrierefreier Neubau sein müsse und warum die Flüchtlinge nicht einfach in Mietwohnungen oder Ferienwohnungen untergebracht werden könnten, sagte sie, dass es in Fahrdorf freie Mietwohnungen schlichtweg nicht gebe. Und: „Mit Blick auf die demographische Entwicklung halten wir den Bau von barrierefreien Wohnungen für zukunftsfähig. Es handelt sich um ganz normale Wohneinheiten, die wir hinterher im Eigentum der Gemeinde belassen oder auch verkaufen können“, sagte Koch. „Wir denken weiter und nachhaltig. Da haben wir im Neubaugebiet die besten Chancen“, ergänze der Bürgermeister.

Im Namen der Gemeindevertreter bat der Bürgermeister um Verständnis füreinander und lobt das Engagement der 160 Lotsen in der Flüchtlingshilfe. Auf die Frage, wie viele weitere Flüchtlinge die Gemeinde Fahrdorf aufnehmen werde, konnte Frank Ameis keine Antwort geben: „Ich kann nicht in die Glaskugel schauen“.

„Wenn jeder feinfühlig und mit Respekt den Umgang sucht, dann wird es ein gutes Miteinander geben. Man muss einfach freundlich aufeinander zugehen“, sagte ein Fahrdorfer nach der Sitzung. Sie freue sich über junge Familien und darüber, dass die Gemeinde wachse, erklärte eine Frau, die im Neubaugebiet bauen wird und sich ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe insbesondere für Kinder und Jugendlichen engagiert. „Wir sind offen für die Schutz suchenden Menschen und begrüßen die Entscheidung, Familien in der Gemeinde zu integrieren. Ein Container-Dorf ist keine Alternative.“

Als Reaktion auf die jüngste Einbruchserie soll gemeinsam mit der Polizei und einer Sicherheitsfirma eine Informationsveranstaltung für die Bürger angeboten werden. Auch reagiere die Polizei mit vermehrten Streifenfahrten, erklärte der Bürgermeister. In diesem Zusammenhang wurden Gerüchte laut, es sei in Fahrdorf erneut zu Einbrüchen gekommen. Das konnte Ameis indes nicht bestätigen. Gleichwohl brodelte die Gerüchteküche gestern erneut. Es habe Einbrüche unter anderem im Steinacker, Langacker und in der Dorfstraße gegeben, hieß es. Das jedoch konnte Polizeisprecherin Franziska Jurga nicht bestätigen. Auch von einer Festnahme in Fahrdorf wisse die Polizei nichts. 

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