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Plus-Size-Model aus Neuberend : Christin Thomsen: Auf dem Laufsteg in XXL

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Christin Thomsen (32) ist mit Konfektionsgröße 54 ein gefragtes Model – und möchte Vorbild sein für übergewichtige Frauen.

Neuberend | „New York wäre was“, sagt sie. „Die New York Fashion Week– aber davon träumen wohl alle in meiner Branche.“ Christin Thomsen ist Model. Aber nicht so, wie man sich eines vorstellt. Sie ist dick, ein so genanntes Plus-Size-Model. Mit Konfektionsgröße 54 ist sie sogar eines der dicksten, die in Deutschland bei Agenturen gelistet sind. Gefragt ist sie gerade deshalb. In London stand sie schon auf dem Laufsteg, die nächste Station ist Paris. New York ist für die 32-Jährige vielleicht gar nicht so weit entfernt.

 

Sonntag Nachmittag, Fotoshooting auf dem Campus Flensburg. Für Christin eigentlich nichts besonderes. Vor der Kamera hat sie keine Angst mehr. Seit fünf Jahren ist das für sie Routine. Damals hat sie sich ein Herz gefasst und ist zum Modehaus Max Hansen in Tolk gegangen. Ob die nicht mal ein Model wie sie bräuchten, hat sie dort gefragt – und gleich einen Treffer gelandet. Das erste Fotoshooting, die erste Modenshow, weitere Aufträge. Für etliche Labels, wie Ulla Popken, 2M Big Fashion und Ninnex stand sie seitdem nebenberuflich vor der Kamera. 2013 wurde sie für eine Werbekampagne des Autobauers Audi abgelichtet.

Das Shooting am Campus ist etwas Besonderes.
Model Christin Thomsen beim Shooting am Flensburger Campus. Foto: Heyse

Allein vom Modeln zu leben, das ist schwer. Das schaffen nur sehr wenige. Christin schafft es nicht. Ihren Lebensunterhalt verdient sie sich als Projektassistentin in einem Unternehmen bei Flensburg. In einem zweiten Job arbeitet sie im ärztlichen Schreibdienst einer Kinder und Jugendpsychiatrie. Aber im Moment stört sie das gar nicht. Im Gegenteil. Sie mag den Sprung vom Laufsteg-Trubel zurück in den ganz normalen Alltag in Neuberend bei Schleswig. Gemeinsam mit Ehemann und Hund lässt es sich hier ganz gut aushalten.

Das Fotoshooting auf dem Campus ist schwieriger als sonst. „Statement“ heißt die Kollektion, für die heute Bilder gemacht werden. Die Kieler Designerin Sandra Mosler-Marien möchte damit ein Zeichen setzen. Biologisch-vegan produziert, fair gehandelt und fernab von körperlichen Kategorisierungen. Jedes Kleidungsstück gibt es von Größe 34 bis 54, von ganz dünn bis ganz dick. Wo „Skinny“ aufhört und wo „Plus Size“ anfängt, soll hier keine Rolle spielen. Mode soll Mode sein – Punkt.

Model Christin Thomsen beim Shooting am Flensburger Campus.
„Statement“ heißt die Kollektion, für die heute Bilder gemacht werden. Foto: Heyse

Um diese Aussage zu unterstreichen, muss Christin heute ein masken-ähnliches Makeup tragen. Das ist ungewohnt für sie. Ihr natürliches Lächeln, mit dem sie sonst punktet, kann sie heute nicht ausspielen. Der Blick soll eindringlich sein. Fotografin Deniz Xenia kitzelt genau diesen aus Christin heraus. Offensiv wirkt sie. Überzeugt von dem, wofür sie steht.

Christin Thomsen wird vor dem Shooting geschminkt.
Ein Make-Up wie eine Maske ist beim Shooting am Campus angesagt. Foto: heyse

„Selbstbewusstsein braucht man bei meiner Körpergröße“ sagt Christin. Sie findet es schade, dass viele dicke Menschen sich minderwertig fühlen. Auch sie möchte ein Zeichen setzen. Sie will Vorbild sein für Menschen, denen es nicht gelingt, sich im eigenen Körper wohl zu fühlen, und denen es schlecht geht, weil sie den Normen, die in der Modebranche konstruiert werden, nicht entsprechen können.

Zufrieden mit den Fotos: Christin Thomsen schaut sich die Bilder an.
Christin Thomsen ist mit den Bildern zufrieden. Foto: heyse
 

Die „Plus Size“, also die Übergröße, fängt bei 38 an. Die durchschnittliche Konfektionsgröße liegt in Deutschland bei 42. „Das kann nicht richtig sein, da muss ein Umdenken stattfinden“, sagt Christin Thomsen. Sie selbst ist vom Durchschnitt meilenweit entfernt und dennoch eines der wenigen Models in ihrer Größe, das von sich behaupten kann, in einem Jahr in London und Paris über den Catwalk gelaufen zu sein. Sie fühlt sich wohl in ihrem Körper, das ist ihr Erfolgsrezept und das möchte sie mit jeder übergewichtigen Frau teilen. „Attraktivität kommt von innen, mit kleinen Konfektionsgrößen muss das nicht viel zu tun haben“, sagt sie. Bei ihr war es sogar umgekehrt: Früher war sie mal dünn. Damals sei sie ein ziemliches Duckmäuschen gewesen. „Das Selbstbewusstsein kam erst mit Pfunden.“

Im heimischen Badezimmer macht sich Christin auch mal selbst für die Shootings zurecht.
Im heimischen Badezimmer macht sich Christin auch mal selbst für die Shootings zurecht. Foto: heyse
 

Am Mittwoch geht es für Christin wieder auf den Catwalk. In Paris läuft sie auf der Pulb Fashionweek.

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erstellt am 03.Mai.2014 | 08:00 Uhr

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