Hünning : Christbäume für den guten Zweck

15  000 Tannen hat Hans Asmussen auf dem Grundstück in Hünning gepflanzt.
15 000 Tannen hat Hans Asmussen auf dem Grundstück in Hünning gepflanzt.

Hans Asmussen verkauft Nordmanntannen in Hünning – in diesem Jahr spendet er 50 Cent pro Baum an die Tarper MS-Gruppe.

shz.de von
28. November 2017, 13:17 Uhr

Mit einer Astschere läuft Hans Asmussen zwischen den Nordmanntannen über das zwei Hektar große Feld und sieht nach, ob er irgendwo einen zu lang gewachsenen Ast findet. Doch alles sieht gut aus, der 80-Jährige nickt zufrieden. 15 000 Nordmanntannen, deren Spitzen mal hoch und mal weniger hoch zum Himmel ragen, stehen auf der Fläche am Schiftenweg in Hünning. Noch läuft Asmussen allein auf weiter Flur umher, doch das ändert sich bald. Denn am kommenden Wochenende beginnt der Weihnachtsbaumverkauf. Dann kann sich jeder seinen perfekten Christbaum selbst aussuchen und schlagen.

Asmussen baut seit 20 Jahren Weihnachtsbäume an. „Die ersten zehn Jahre waren am schwersten“, erinnert er sich. So lange dauert es, bis eine Tanne die richtige Größe für einen Weihnachtsbaum hat. 1,50 bis zwei Meter müsse sie hoch sein, damit die Leute sie kaufen, sagt Asmussen. Wenn ein Baum geschlagen wurde, pflanzt der 80-Jährige, der in Meyn wohnt, an der selben Stelle einen neuen. So kann er sichergehen, dass er in der Weihnachtszeit genug Tannen hat. Denn knapp 1000 Bäume wandern jedes Jahr vom Schiftenweg in die Wohnzimmer.

Gewinnspiel

Hans Asmussen verkauft ab dem ersten Adventswochenende montags bis sonntags  von 9 bis 16 Uhr Nordmanntannen am Schiftenweg in Hünning. Die Bäume kosten 18 Euro pro laufenden Meter inklusive anspitzen und einnetzen.  Sägen werden vor Ort zur Verfügung gestellt. Außerdem gibt es Punsch, Kinderpunsch, Kakao sowie Honig- und Schmalzbrot. Auch in Handewitt werden  die Bäume   am Wiesharder Markt am ersten  und zweiten  Adventswochenende von 10 bis 16 Uhr  und ab dem dritten  Adventswochenende täglich von 9 bis 16 Uhr verkauft.  Unsere Zeitung verlost fünf Weihnachtsbäume. Wer eine Nordmanntanne gewinnen möchte, schickt eine E-Mail mit dem Betreff „Weihnachtsbaum“ bis morgen, 20 Uhr, an kreisredaktion.schleswig@shz.de.

Bis der perfekte Weihnachtsbaum gefunden ist, kann es einige Zeit dauern. „Einige Menschen laufen bis zu zwei Stunden über die Kultur, bis sie sich für eine Tanne entscheiden“, erzählt er. Andere brauchen nur eine halbe Stunde. Asmussen weiß genau, wie es geht: „Einen Baum zu finden, ist, wie eine Freundin zu finden“, sagt er und lacht. „Wenn man sie sieht, weiß man, dass sie die Richtige ist.“ Doch nicht bei allen läuft die Suche so rund ab. Asmussen erinnert sich an ein Paar, das sich partout für keinen Weihnachtsbaum entscheiden konnte. Am Ende seien Männlein und Weiblein mit zwei Autos ohne Baum in verschiedene Richtungen gefahren. Solche Szenen seien aber eher die Ausnahme. Einige seiner Kunden sind Stammgäste in Hünning und kommen seit Jahren mit Kind und Kegel, um ihre Tanne zu schlagen. Und um einen Punsch zu trinken. Wer den Stamm nicht allein durchsägen kann, dem kommt Asmussen mit einer Motorsäge zu Hilfe. Danach macht er den Baum mit einem Netz fertig für den Transport nach Hause.

Die Tannen bietet Asmussen nicht nur in Hünning, sondern auch am Wiesharder Markt in Handewitt an. In diesem Jahr verkauft der 80-Jährige seine Nordmanntannen für einen guten Zweck, denn er spendet 50 Cent pro Baum an die MS-Gruppe in Tarp. Für den Punsch, den es in Hünning gibt, stellt er seit einigen Jahren eine Kasse auf, in die seine Kunden etwas hineinwerfen können. Im vergangenen Jahr seien so 130 Euro zusammengekommen, die auch an die MS-Gruppe gingen. „Meine Frau, die vor knapp zwei Jahren gestorben ist, war an Multipler Sklerose erkrankt“, sagt Asmussen. „Sie ist immer gerne in die Gruppe nach Tarp gegangen und hat sich dort mit anderen ausgetauscht.“ Deshalb wolle er der Gruppe um Organisatorin Monika Schaal etwas zurückgeben. Jeden zweiten Montag im Monat treffen sich MS-Patienten in der Seniorenanlage (Im Wiesengrund 1) in Tarp. Wer dazustoßen möchte, kann sich bei Monika Schaal unter Tel. 04638/7655 melden.

Und was passiert mit den bereits geschlagenen Tannen, die nicht verkauft werden? „Die nehmen die Landwirte für ihre Pferde“, sagt Asmussen. Aber auch ein Gärtner hole sich gern den Grünschnitt. Vernichtet werden die Bäume nicht, versichert der Meyner. Das wäre auch fatal, schließlich kostet die Bepflanzung und Bewirtschaftung von einem Hektar Baumfläche rund 50 000 Euro – bis zum Verkauf. Doch Asmussen lässt sich dadurch nicht die Laune verderben. Er freut sich auf das kommende Adventswochenende und die Menschen, die wieder unter 15 000 Tannen nach ihrem Weihnachtsbaum suchen.

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