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Helios-Klinikum Schleswig : Chefärzte wehren sich gegen Kritik

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Der anonyme Brandbrief aus dem Krankenhaus schlägt hohe Wellen. Jetzt schaltet sich auch das Kieler Sozialministerium ein.

von
erstellt am 07.Apr.2016 | 07:49 Uhr

Die Chefärzte im Helios-Klinikum melden sich jetzt zu Wort. In einem gemeinsam verfassten Schreiben wenden sie sich gegen die Kritik an den Arbeitsbedingungen des medizinischen Personals im Krankenhaus, über die die SN am Sonnabend berichtet hatten – auch vor dem Hintergrund, dass aktuell zwölf Ärzte die Klinik verlassen.

Gleichzeitig schlägt das Thema hohe Wellen in der Landespolitik. Staatssekretärin Anette Langner aus dem Kieler Sozialministerium gab gestern Nachmittag bekannt, man werde den Helios-Geschäftsführer John Friedrich Näthke und den Ärztlichen Direktor des Schleswiger Klinikums, Andreas Hohmann, ins Ministerium einladen, um mit ihnen über „Personalsituation und Gefährdungsanalysen“ zu sprechen – obwohl man keine Fachaufsicht gegenüber der Helios-Klinik und anderen Krankenhäusern habe. „Dennoch wollen die Behörden prüfen, ob Arbeitszeitregelungen oder Arbeitsschutzbestimmungen verletzt wurden“, erklärt Langner.

Indessen machte der Ärztliche Direktor Andreas Hohmann gestern gegenüber den SN seine Sicht der Dinge deutlich. Er teilt sie nach eigenen Worten mit acht Chefarzt-Kollegen des Klinikums. „Wir möchten vehement dem Eindruck entgegentreten, dass die ärztlich-medizinische Versorgung durch eine Kündigungswelle der Ärzteschaft gefährdet sei“, betonen die Ärzte. Ihre Begründung: „Alle frei gewordenen Stellen konnten wieder mit qualifizierten Ärzten nachbesetzt werden.“ Somit sei „weiterhin eine qualitativ hochwertige ärztliche Behandlung im Schleswiger Krankenhaus gewährleistet“. Die Unterzeichner des Schreibens sind Professor Dr. Dietmar Krüger (Kardiologie), Dr. Henning Wittenburg (Gastroenterologie), Christian Brandis (Pädiatrie), Professor Karsten Schepelmann (Neurologie), Remko von Harlem (Gefäßchirurgie), Dr. Hodjat Shekarritz (Visceral- und Thoraxchirurgie), Dr. Volker Stein (Unfallchirurgie) und Dr. Sebastian Rudolf (Erwachsenenpsychiatrie).

Hintergrund für die SN-Berichterstattung war ein anonymer Brandbrief an die Redaktion, der offenkundig aus der Helios-Ärzteschaft stammt und dessen inhaltliche Aussagen ehemalige Helios-Ärzte auf Nachfrage bestätigten. Darin ist von „haltlosen Zuständen im Krankenhaus“ die Rede sowie von „Ausbeutung der Patienten und des Personals“. Beklagt wurde zudem, dass seitens der Helios-Geschäftsleitung medizinische Behandlungsvorgaben gemacht würden, die nach den Regeln der Marktwirtschaft bestimmt werden. Wohl auch deshalb seien viele Ärzte weggegangen, heißt es im Brief.

Die Chefärzte weisen diese Vorwürfe zurück. „Das Weggehen von Ärzten ist nicht auf ein Klima der Ausbeutung zurückzuführen“, sagen sie. Die Personal-Fluktuation hat laut Hohmann „keinen negativen Einfluss auf die medizinische Qualität im Hause“. Vielmehr sei der Wechsel innerhalb der Ärzteschaft ein „alltäglicher Prozess, wie er in jeder Klinik stattfindet“. Dahinter steckten oft persönliche Gründe wie Schwangerschaftsurlaub oder der Wunsch nach einem Standortwechsel.

Auf SN-Nachfrage, ob die Fluktuation in der Ärzteschaft im Helios-Klinikum besonders hoch sei, was bereits auch von der Ärztegewerkschaft Marburger Bund kritisiert werde, meinte Hohmann: „Nein, es hält sich bei uns im normalen Rahmen.“ Schleswig sei für Ärzte ein attraktiver Standort, und das Krankenhaus biete für sie attraktive Arbeitsplätze – so habe man bisher jede Stelle problemlos wiederbesetzen können. Das gelte auch für die Chefarztposition in der Gynäkologie ab 1. Mai und auch für die Anästhesie und Schmerztherapie, wo das Gleiche ab 1. Juli gelte. Unterm Strich beschäftige man heute sogar „mehr Ärzte im Krankenhaus als noch zu Beginn dieses Jahres“. Derzeit seien es insgesamt 108 Mediziner, inklusive der Teilzeitbeschäftigten.

Warum aber müssen dennoch Leih-Ärzte von außerhalb mit herangezogen werden? Dazu Hohmann: „Es gibt immer mal Engpässe durch Krankheits- oder Vertretungsausfälle in der Belegschaft. Die können dann eben kurzfristig durch Ärzte über eine Agentur ausgeglichen werden.“

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