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Engpässe im Amt Haddeby : Busdorf bekommt eine Rettungswache

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Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Da es in den Gemeinden Lottorf, Selk, Busdorf, Fahrdorf und Stexwig zu lange dauerte, bis medizinische Hilfe Kranke und Verletzte im Notfall erreichte, wird auf dem Busdorfer Bauhof ein Einsatzfahrzeug stationiert.

shz.de von
erstellt am 13.Feb.2014 | 12:00 Uhr

Der Kreis investiert in die medizinische Notfall-Versorgung – und das muss er auch. „Die Rettungswachen müssen so liegen, dass nach einem Notruf in zwölf Minuten alle Orte erreicht werden können“, sagt Dr. Martin Koch, Fachbereichsleiter Ordnung und Recht in der Kreisverwaltung. Dazu ist der Kreis per Gesetz verpflichtet. Im Raum Lottorf, Geltorf, Selk, Fahrdorf und dem Borgwedeler Ortsteil Stexwig mussten Kranke und Verletzte jedoch vermehrt länger als diese zwölf Minuten auf Hilfe warten. Nun soll, per Beschluss des Kreistags bereits besiegelt, auf dem Bauhof des Amtes Haddeby in Busdorf ein Krankenwagen stationiert und eine Rettungswache errichtet werden – als Nebenwache für diejenige im Schleswiger Gewerbegebiet St. Jürgen. Sie ist bisher für die Region östlich von Busdorf zuständig und bietet selbst keine Möglichkeit zum Ausbau. Für einen weiteren Rettungswagen ist auf dem Gelände der Schleswiger Wache kein Platz.

Neben Schleswig, Kappeln, Sörup, Steinbergkirche, Medelby, Eggebek, Kropp und Norderstapel wird in Busdorf damit die neunte Rettungswache im Kreis entstehen – eine Reaktion auf die erhöhten Einsatzzahlen im Rettungsdienst. „Wir wollen das zügig angehen. Jeder Tag zählt“, sagt Rainer Stiemcke, Fachdienstleiter für Ordnungsangelegenheiten im Kreis. Neben dem Bauhof seien fünf weitere potenzielle Standorte unter die Lupe genommen und Probefahrten unternommen worden. Die Entscheidung fiel letztlich für den Busdorfer Bauhof. Dafür gab es unterschiedlichen Gründe. So sei an einem alternativen Standort ein erhöhtes Unfallrisiko festgestellt worden, andere mögliche Standorte fielen weg, weil die privaten Grundstückseigentümer ihren Boden nicht zur Verfügung stellen wollten. Auch die Möglichkeit, die neue Rettungswache später einmal auszubauen habe eine Rolle gespielt – sogar eine wesentliche, denn: „Wir wollen ja nicht in zehn Jahren das Thema komplett neu anfangen“, so Stiemcke. Schließlich hat der Kreis mit dem Platzproblem aktuell zu kämpfen, nicht nur in Schleswig, sondern auch in Eggebek. Dort ist bereits seit eineinhalb Jahren ein zweites Fahrzeug im Einsatz, nur für die nötige Garage ist kein Platz. Der zweite Rettungswagen parkt draußen vor dem Dienstleistungszentrum und wartet darauf, dass in der Norderstraße eine Unterkunft für ihn gebaut wird.

Auch wenn der Beschluss für den Bauhof in Busdorf bereits gefasst wurde, sind nicht alle zufrieden. Manfred Küter (Die Linke) moniert: „Ich halte das für eine Fehlentscheidung. Ein schlechter Standort wird dadurch nicht besser, dass er ausbaufähig ist.“ Küter kritisiert die unmittelbare Lage des Grundstücks an den Bahnschienen, die jede Ausfahrt in Richtung Westen gleich zu Beginn verzögern könnte. „Ich habe mir sagen lassen, da muss man bei geschlossenen Schranken mit bis zu sechs Minuten Wartezeit rechnen“, so Küter. Auch die Anbindung an die B 76 und B 77 hält er für alles andere als optimal. Der Rettungswagen könne die Schnellstraßen nur über den Busdorfer Ortskern, durch ein Wohngebiet mit Rechts-vor-Links-Regelung und an der Schule mit Tempo-30-Zone vorbei, erreichen. „Denken Sie nur mal an spielende Kinder“, gibt Küter zu bedenken.

Nach Selk führt vom Grundstück des Bauhofs zudem ein schmaler Feldweg, der von landwirtschaftlichen Fahrzeugen genutzt wird. Im Sommer zur Erntezeit könne es da eng werden, sagt auch Timo Kux, CDU-Fraktionsvorsitzender im Kreistag, der ebenfalls Zweifel bezüglich des Bauhofs hegt: „Das ist kein idealer Standort. Wir glauben, es wäre sinnvoller, wenn er direkt an der B 77 läge. Wir sind mit der Lage unglücklich, aber die Kreisverwaltung hat uns versichert, dass es keine Alternative gibt.“

Genau diesen Standpunkt vertritt auch Ingo Degner, SPD-Fraktionsvorsitzender im Kreis: „Ich kann mir theoretisch einen besseren Standort vorstellen, aber wir halten die Einschätzung der Kreisverwaltung für fachlich und sachlich angemessen. Es gibt einfach keine Alternative.“

Gerüchte, dass Ralf Feddersen, zugleich Bürgermeister Busdorfs, Amtsvorsteher im Amt Haddeby und stellvertretender Sachgebietsleiter im Bereich Katastrophen- und Brandschutz sowie Rettungsdienst im Kreis, durch seine verschiedenen Ämter eine zentrale und nicht zwingend objektive Rolle bei der Entscheidung für den Busdorfer Bauhof gespielt habe, ärgern Degner. Dies dürfte nur zu weiteren Verzögerungen bei der Umsetzung führen, vermutet er.

Feddersen selbst weist jede Parteinahme von sich. „Geschäfte werden damit ganz sicher nicht gemacht. Das ist einfach eine wirtschaftlich günstige Möglichkeit für den Kreis. Wenn wir eine Alternative hätten, könnte die Rettungswache auch irgendwo anders entstehen. Es hängt niemandes Herz daran, dass die Wache auf dem Busdorfer Bauhof gebaut wird“, versichert er.

Dass sie dort errichtet wird, steht seit dem Kreistagsbeschluss jedoch fest. Wann die Verhandlungen zwischen Amt und Kreis sowie mit den Krankenkassen, die den Rettungsdienst refinanzieren, beendet sind und das Projekt konkret in Angriff genommen werden kann, mag niemand einschätzen.

 

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