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Hilfe aus Schleswig : Bunte Textilbeutel für Togo im Gepäck

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Edeltraut Benecke und Mathias Montcho bringen selbstgenähte Einkaufstaschen nach Afrika, damit weniger Plastiktüten verwendet werden.

Gardinenstoff, Nähmaschine und eine gute Idee: Für eine Kombination aus den drei Teilen steht Edeltraut Benecke (65). Von Schleswig aus will sie ein kleines bisschen dazu beitragen, in Afrika das Umweltproblem mit dem allgegenwärtigen Plastikmüll zu verkleinern. So näht sie in ihrem Wohnzimmer einen Textilbeutel nach dem anderen – um sie in die Hände afrikanischer Frauen und Kinder zu geben, die damit zum Einkaufen auf den Markt gehen können. Etwa 160 bunte, handwerklich anspruchsvoll gemachte Einkaufstaschen gibt sie Mathias Montcho mit auf den Weg. Der nimmt sie nächsten Monat mit in sein Heimatdorf Koussountou, im Westen von Togo gelegen.

Montcho, der mit seiner Frau und seinem siebenjährigen Sohn in Schaalby lebt, wurde 2011 von den SN-Lesern zum „Mensch des Jahres“ gewählt. Mit Hilfe seines Vereins „Schule im Herzen“ hat er die erste Schule in seiner früheren Heimat gebaut. Heute lernen dort 75 Kinder von der ersten bis zur sechsten Klasse Lesen, Schreiben und Rechnen. Die meisten Kinder hätten ohne Mathias Montcho vielleicht niemals eine Schule von innen gesehen, da die nächstgelegene viele Kilometer entfernt liegt und ihre Eltern sie kaum dorthin zu Fuß geschickt hätten, zumal in Togo keine Schulpflicht besteht. Außerdem müssen viele Minderjährige zum Lebensunterhalt der Familie beitragen.

Wie Edeltraut Benecke auf die Idee mit den Textilbeuteln kam? Afrika lag ihr schon immer am Herzen, sagt sie. „Diese wunderschönen Landschaften – und dann überall Plastiktüten, die herum fliegen“ – das konnte sie nicht länger mitansehen. Jedes Jahr war sie mit ihrem Mann für einige Wochen mit dem Wohnmobil in Marokko unterwegs, „und zwar gern dort, wo kaum Touristen sind“. Mit dabei hatte sie eine alte Nähmaschine und viele Stoffreste von Gardinen und Tischdecken. Gezielt steuerten die Beneckes dann Schulen in entlegenen Dörfern an und zeigten den Lehrerinnen und Frauen des Dorfes, wie man die Einkaufsbeutel anfertigt. „Und so wie wir orientalische und afrikanische Stoffmuster exotisch schön finden, lieben sie umgekehrt unsere europäischen Dekostoffe.“ Die Frauen hätten schnell Spaß am Nähen gefunden und fast stolz die Einkaufstaschen zum Einkaufen benutzt. Edeltraut Benecke: „Wer je die Dankbarkeit und Freundlichkeit der Menschen in Afrika erlebt hat, möchte immer weiter helfen. Sie haben so viel weniger zum Leben als wir in Deutschland, und doch sind es so fröhliche und aufgeschlossene Menschen.“

Aus gesundheitlichen Gründen kann die Schleswigerin nicht mehr in ihr Lieblingsland Marokko reisen. Deshalb engagiert sie sich jetzt über den Verein von Mathias Montcho für Afrika.

Wenn Montcho im November in Koussountou die mitgebrachten Geschenke aus Schleswig verteilt hat, dann werden die Frauen seines Dorfes nicht mehr die dünnen, reißbaren Plastiktüten für ihre Einkäufe benutzen müssen. Es sei ein großes Problem in den afrikanischen Ländern, erklärt Montcho: Plastik sei billig, und selbst die Armen könnten sich die Tüten leisten. „Die liegen dann überall herum. Und wenn der Wind weht, bleiben sie in Bäumen und Sträuchern hängen .“ Da in Togo keine Müllentsorgung organisiert ist, erwächst aus dem Plastikmüll allmählich ein Dauerproblem, befürchtet er. An der auch mit Spendengeldern aus Schleswig und dem Kreisgebiet finanzierten Schule in Koussountou sind sechs Lehrer beschäftigt, die von Vereinsgeldern bezahlt werden. Eine Lehrkraft erhält umgerechnet etwa 1300 Euro – im Jahr. Für die Kinder in der Schule hat der Verein mittlerweile fünf Patenschaften übernommen. Arme Schulkinder und auch deren Eltern erhalten Unterstützung, damit ein Schulbesuch ermöglicht wird.

Montchos kleiner, mit viel Charme ausgestatter Sohn Nico Selom will ebenfalls etwas für Togo beisteuern. „Ich habe mit Papa ein Kettcar gebastelt. Das kriegen die Jungs in der Schule, und die rasen damit dann durch Koussountou.“

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erstellt am 20.Okt.2013 | 07:45 Uhr

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