Schleswiger Stadtgeschichte : Bundeswehr, Sparkassen-Skandal und Paulihof

Klaus Nielsky, Vorsitzender der Gesellschaft für Schleswiger Stadtgeschichte, und Redaktionsleiter Rainer Winkler (rechts).
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Klaus Nielsky, Vorsitzender der Gesellschaft für Schleswiger Stadtgeschichte, und Redaktionsleiter Rainer Winkler (rechts).

In ihrem aktuellen Jahresheft greift die Gesellschaft für Schleswiger Stadtgeschichte zahlreiche Themen auf, die bis in die Gegenwart wirken.

alf clasen.JPG von
09. Dezember 2014, 07:46 Uhr

Bankenskandale sind keineswegs nur ein Phänomen unserer Zeit. So heißt es schon 1928 im Geschäftsbericht der Schleswiger Stadtsparkasse: „Im Laufe des Jahres stellte sich bedauerlicherweise heraus, dass die frühere Leitung und ein Teil der übrigen Beamten und Angestellten schwere Verfehlungen begangen hatten. Wir sahen uns daher gezwungen, mehrere Beamte und Angestellte zu entlassen und gegen den früheren Direktor ein Disziplinarverfahren einzuleiten.“ Im gerade erschienenen, 200 Seiten starken Band der Gesellschaft für Schleswiger Stadtgeschichte hat Falk Ritter diesen Skandal nachgezeichnet und – wie Redaktionsleiter Professor Rainer Winkler im Vorwort schreibt – „manchen Flecken auf weißen Westen sichtbar gemacht“.

Breiten Raum im neuen Heft nimmt auch das Thema „Auf der Freiheit“ ein. Mit dem ehemaligen Kasernengelände verbindet Klaus Nielsky, Vorsitzender der Gesellschaft für Schleswiger Stadtgeschichte, viele persönliche Erinnerungen. In seiner Zeit als Bürgermeister lag ihm immer sehr an einem guten Verhältnis der Stadt Schleswig zu „ihren“ Soldaten. Mit Wehmut erfüllt ihn deshalb, wenn er heute sieht, wie das Grün durchs Dach des alten Offizierskasinos wächst. Nielsky hat gemeinsam mit dem früheren Standortkommandeur Hans-Peter Köster einen Beitrag über die Bedeutung der Bundeswehr für die Schleistadt verfasst. Zudem schildert Autor Henning Tams in einem weiteren Aufsatz den Bau der militärischen Anlage und beschreibt den Umgang mit einer Kaserne des Nationalsozialismus. Nielsky, dem die Entwicklung des Konversionsprojektes „viel zu langsam“ geht, hofft, dass in dem neuen Stadtteil zumindest einige Kasernengebäude als Reminiszenz an die Garnisonszeit erhalten bleiben: das Offizierskasino, aber auch das weitgehend intakte Ensemble im Osten des Areals, wo das Freie Kultur- und Kommunikationszentrum ihr Quartier bezogen hat.

Stark vorangegangen ist es indes mit der Restaurierung des Paulihofs durch einen Privatinvestor – sehr zur Freude von Professor Winkler. „Das kann man aus stadtgeschichtlicher Sicht gar nicht hoch genug bewerten“, sagt der frühere Chefarzt, der sich höchstselbst mit der Geschichte des Mitte des 19. Jahrhunderts als Lazarett gebauten Paulihofs auseinandergesetzt hat.

Weil 2014 das Jahr der Gedenktage ist, verwundert es nicht, dass die Schleswiger Profi- und Hobbyhistoriker gleich mehrere ihrer insgesamt 21 Beiträge in dem neuen Heft diesen besonderen Anlässen gewidmet haben. So schlägt etwa Matthias Schartl mit seinem Text über das Schleswiger „Befreiungsdenkmal“ den Bogen zu gleich zwei historischen Großereignissen. Der Gedenkstein, der an den deutsch-dänischen Krieg vor 150 Jahren erinnert, wurde vor 100 Jahren – wenige Monate vor dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges – im Beisein von 10 000 Zuschauern am Fuße des Hesterbergs eingeweiht.

Als „bemerkenswertes Zeitdokument“ bewerten Nielsky und Winkler den Auszug aus der Chronik der Familie Pohl, den Reimer Pohl zur Verfügung gestellt hat. Dessen Vater Erich Pohl, der spätere Direktor der Domschule, schreibt Ende 1939, wie er – obwohl er ein ambivalentes Verhältnis zum Nationalsozialismus pflegte – im nationalen Interesse auf einen deutschen Sieg im Zweiten Weltkrieg hoffte.

Aber auch leichtere Kost findet sich in dem neuen Heft. Kai Labrenz beleuchtet, wie sich Schleswig als Filmkulisse in diversen Produktionen einem bundesweiten Publikum präsentiert. So wird die Stadt beispielsweise in den Folgen der ZDF-Krimiserie „Unter anderen Umständen“ insbesondere durch imposante Luftaufnahmen immer wieder selbst zum Hauptdarsteller.

>Mehr Informationen unter www.schleswiger- stadtgeschichte.de

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