Ruf nach Bebauungsplan : Bürgerverein will "Wildwuchs" in der Altstadt stoppen

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05. Januar 2011, 12:07 Uhr

Schleswig | Der Schleswiger Bürgerverein hat gegenüber dem Bauausschuss beantragt, für die Altstadt inklusive Holm und Lange Straße einen Bebauungsplan auf den Weg zu bringen. Damit soll "weiterer baulicher Wildwuchs" verhindert werden. Als Negativ-Beispiel führten Vorsitzender Wolfram Weiss und sein Stellvertreter Hartmut Petersen gestern im SN-Gespräch den Neubau an der Fischbrückstraße an, der ihrer Auffassung nach zu hoch geraten sei. Die Forderung nach einem Bebauungsplan wird von mehreren Vereinen und Verbänden mitgetragen, darunter der Friedrichsberger Bürgerverein, die Gesellschaft für Stadtgeschichte und die Ostseefjord Schlei GmbH.

Der Schleswiger Bürgerverein verspricht sich von einem Bebauungsplan klare Vorschriften über die Höhe von Gebäuden sowie über die Form und Farbe der Dächer. Da davon nur neue Immobilien erfasst würden, regt der Verein gleichzeitig den Erlass einer Gestaltungssatzung an. Somit wären die Eigentümer alter Häuser bei etwaigen Umbauten dazu verpflichtet, gewisse Vorschriften einzuhalten. Dies könnten sich auf die Fassadengestaltung und insbesondere auf Fenster und Türen beziehen. Wolfram Weiss: "Unser Ziel ist es, dass Baulücken vernünftig gefüllt werden." Man wolle den Charakter der Altstadt erhalten. Von den großen Ratsparteien - CDU und SPD - habe man das Signal erhalten, sich ernsthaft mit dem Antrag auseinandersetzen zu wollen. Die Vertreter des Bürgervereins betonten, dass sie den Fortschritt nicht verhindern wollten. Weiss: "Wir sehen den Bebauungsplan und die Gestaltungssatzung als Instrumente dafür an, die Altstadt attraktiv zu halten."

Bürgermeister Thorsten Dahl sagte, dass es "ungewöhnlich, aber möglich ist", dass eine Gruppierung außerhalb der Politik den Erlass eines Bebauungsplanes beantrage. Sollten die Gremien der Stadt dem Antrag zustimmen, würde er dem Verfahren keine Steine in den Weg legen. Die betroffenen Bürger müssten jedoch angehört werden. In Bezug auf die Gestaltungssatzung zeigte sich Dahl skeptisch. Exakte Vorschriften zur Fassadengestaltung könnten beispielsweise zur Makulatur werden, "wenn jemand sein Haus von außen dämmen will". Im Zweifel würde es zu teuren Rechtsstreitigkeiten kommen.

Der Vorsitzende des Bauausschusses, Klaus Bosholm (SPD), will das Thema auf der Sitzung seines Gremiums am 8. Februar behandeln. "Ich würde es begrüßen, wenn schützenswerte Bereiche tatsächlich geschützt werden", sagte er. Ob dies mit Hilfe eines Bebauungsplanes, einer Erhaltungssatzung oder einer anderen Lösung realisiert werden könne, wolle man im Ausschuss beraten. Sollte man sich beispielsweise für einen Bebauungsplan entscheiden, sollte dieser konsequent angewendet werden, mahnte Bosholm an. Etwaige "Befreiungen", wie es sie im Stadtweg gegeben habe, dürfe man künftig nicht zulassen.

Zur Sensibilität im Umgang mit städtischen Satzungen würde beitragen, wenn allgemein bekannt wäre, welche es gibt. Alt-Bürgermeister und Holm-Bewohner Klaus Nielsky wies gestern darauf hin, dass ein vom Bürgerverein beantragter B-Plan für den Holm bereits existiert. Er trägt die Nr. 11 - unterzeichnet am 3. Februar 1965 von Bürgermeister Dr. Werner Kugler.

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