Lottorf : Bürgermeisterin lässt Linden fällen – Gemeindevertreter empört

Nur noch Stümpfe: Hier standen Anfang des Monats noch drei mehr als 100 Jahre alte Linden.
Nur noch Stümpfe: Hier standen Anfang des Monats noch drei mehr als 100 Jahre alte Linden.

Drei Linden – jede mehr als 100 Jahre alt – standen an der Lottorfer Bahnhofstraße – bis vor wenigen Tagen.

shz.de von
01. März 2017, 15:43 Uhr

Drei mehr als 100 Jahre alte Linden, die in der Bahnhofstraße in Lottorf standen, sind verschwunden. Sie wurden am 11. Februar mit einem Hubsteiger und unter privater Mithilfe einiger Feuerwehrmitglieder gefällt. Nur noch Stümpfe sind von ihnen übrig geblieben. „Wer hat das in Auftrag gegeben?“, wollte Gemeindevertreter Jürgen Schmidt in der jüngsten Sitzung der Gemeindevertretung am Montagabend im Feuerwehrgerätehaus wissen. Er bemängelte, dass weder er noch einer der anderen Gemeindevertreter zuvor von dem umfangreichen Eingriff in Kenntnis gesetzt worden seien.

Zudem, so erinnerte Schmidt, habe es vor einigen Jahren eine behördliche Auflage gegeben, die eine Fällung dieser Bäume verbiete und dem Schutz der stattlichen, rund 30 Meter hohen Baumreihe dienen sollte. Vor ein paar Jahren hatte ein Anwohner-Ehepaar bei einem der Bäume einen rigorosen Baumschnitt durchgeführt, der zu Protesten des Gemeinderates geführt hatte. Die Gemeindevertretung hatte diesen Vorgang letztlich auch gestoppt, das Umweltamt eingeschaltet und weitere Abholzung untersagt. „Was damals mit dem Baum passiert ist, ist eine Sauerei“, sagte Thomas Röh.

Nun aber befand Lottorfs Bürgermeisterin Sabine Willprecht, die in der Bahnhofstraße gegenüber der Baumreihe wohnt, dass doch eine Gefahr von den Bäumen ausgehe. Ständig habe sie herabgefallene Zweige und Äste aufsammeln müssen, erklärte sie in der Sitzung im Feuerwehrgerätehaus. Deshalb habe sie nach Absprache mit dem Umweltamt des Kreises selbst das Fällen der Bäume beschlossen – vornehmlich, wie sie betonte, aus Sicherheitsgründen für die Allgemeinheit. „Auf Grund des Triebsterbens habe ich mich mit dem Kreis in Verbindung gesetzt und die Genehmigung eingeholt. Die ganze Aktion ist privat gelaufen“, betonte Willprecht, die Mitglieder der Feuerwehr, die ihr dabei zur Hand gegangen seien, hätten dies als Privatleute getan und nicht im Dienst.

Das erstaunte die Gemeindevertreter. Von dreien hagelte es Protest. „Es ist sehr, sehr schade. Von dieser Aktion habe ich nichts mitbekommen. Hier war kein Fachmann und kein Gutachter, der sich das vorher angeguckt hat. Die Bäume sind älter als 100 Jahre gewesen, die waren schon da, als ich Kind war. Keiner dieser Bäume war tot oder krank. Nur einer wollte, dass die Bäume weg kommen“, entgegnete Schmidt. „Ja, ich“, antworte die Bürgermeisterin kurz.

Das brachte Schmidt auf die Palme. „Und da kann man keine E–Mail schreiben und uns informieren? Das ist schlecht, ganz schlecht, auch dass die Sache vorher nicht besprochen wurde. Die Zeit hat überhaupt nicht gedrängt“, sagte der Gemeindevertreter.

Gemeindevertreterin Bodil Taubert sagte, „ich finde es erschreckend, dass man einfach Bäume absägt und es keine Konsequenzen gibt“.

Gemeindevertreter Ernst Lorenz versuchte Veständnis für Willprechts Vorgehen zu haben. Er räumte ein, dass es Aufgabe der Gemeinde sei für die Sicherheit der Bürger zu sorgen. Das müsse man berücksichtigen, falls von den Ästen und Zweigen wirklich Gefahr ausgegangen sei.

Die Kosten für den Hubsteiger, 400 Euro, teilen sich die Gemeinde die Anwohnerin des Grundstückes, auf dessen Randstreifen die Linden standen. Die Ersatzbepflanzung will die Gemeinde übernehmen. Drei Bäume – das müssen entweder Stileichen, Rotbuchen oder Linden mit einem Durchmesser von rund 20 Zentimeter sein – sollen bis Ende November auf dem Knick am Spielplatz einen geeigneten Standort erhalten.

Das abgesägte Holz lagert nun bei Gemeindewehrführer Kai Ever, der von seiner Zwillingsschwester, der Bürgermeisterin in der Sitzung für weitere sechs Jahre in seinem Amt vereidigt wurde. Die Anschaffung von sechs neuen Feuerwehrhelmen, die jeweils rund 400 Euro kosten und zunächst nur für die Atemschutzgeräteträger vorgesehen sind, wurde erst diskutiert und dann einstimmig beschlossen.







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