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Mittelangeln : Bürgermeister kämpft vergebens um die Landfrauen

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Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Aus nach 45 Jahren: Der Satruper Verein löst sich zum Jahresende auf. Wie in vielen Vereinen ist der Grund dafür die Überalterung der Mitglieder und damit die zurückgehende Bereitschaft, ein Amt zu übernehmen.

shz.de von
erstellt am 20.Okt.2014 | 12:00 Uhr

Es hatte etwas Paradoxes. 45 Jahre haben sich die Satruper Landfrauen für Emanzipation und Selbstverwirklichung der Frau stark gemacht – und am Ende ist es ausgerechnet ein Mann, Mittelangelns Bürgermeister Bernd Karde, der für ein Weitermachen der Gruppe kämpft.

Von den 130 Mitgliedern kamen 69 zur außerordentlichen Mitgliederversammlung in den Satrup-Krog. An Mitgliedern mangelt es den Landfrauen nicht, auch nicht an Aktivitäten: Das Jahresprogramm berichtet von zahlreichen Ausflügen und Aktionen. Dies würde andere Vereine vor Neid erblassen lassen. Der Blick in die Runde der Versammlung im Satrup-Krog machte jedoch deutlich, warum die Satruper Landfrauen ums Überleben kämpfen müssen. Wie in vielen Vereinen ist es die Überalterung der Mitglieder und damit die zurückgehende Bereitschaft, ein Amt zu übernehmen.

Das Dilemma der Satruper Landfrauen reicht über ein Jahrzehnt zurück. Vor acht Jahren gelang es nur mit viel Mühe, Christa Beeck zur Übernahme des Vorstandsvorsitzes zu bewegen. Auch aus gesundheitlichen Gründen wollten die Vorsitzende und drei weitere Vorstandsmitglieder nun nicht erneut kandidieren. Vier Frauen stellten sich weiter zur Verfügung, aber keine wollte den Vorsitz. Und so richtig Lust hatten die verbliebenen Vier auch nicht mehr.

Auch Appelle der stellvertretenden Landesvorsitzenden Birgit Feddersen und der Kreisvorsitzenden Andrea Gosch-Petersen halfen nichts. Bereitschaft zum Mitmachen im Vorstand war nicht zu erkennen. Lediglich Maria Michalske stemmte sich gegen den Trend und signalisierte, die Vorstandsarbeit mit zu übernehmen, trotz ihres Vorsitzes bei den Mittelangler Schützen und ihrer Berufstätigkeit.

Auch Esther Trahn, Vorsitzende des Nachbarvereins Ekebergkrug, konnte mit ihrem Vorschlag, den Vorsitz für beide Vereine für eine Zeit in Personalunion zu übernehmen, die Kuh nicht vom Eis holen.

Nun kam die Stunde von Bürgermeister Bernd Karde. Mehrere Male eilte er zum Mikrofon, um Vorschläge zum Weitermachen zu unterbreiten. „Das kann es ja wohl nicht sein, dass ein Verein mit einer so langen Geschichte und vielen Aktivitäten Schluss macht“, appellierte Karde an die Mitglieder, sich doch zu engagieren. Als auch des Bürgermeisters Aufforderung ohne Resonanz verhallte, warf er sein Amt mit in die Waagschale und forderte den bestehenden Vorstand auf, ein halbes Jahr weiter zu machen und in dieser Zeit gemeinsam mit ihm und dem Kulturausschuss-Vorsitzenden Helmut Wacker nach möglichen Lösungen für die Zukunft zu suchen. Durch die Kompetenz des ebenfalls einzubeziehenden Familienzentrums könnten neue Strukturen und neue Wege gefunden werden, ist sich Karde sicher.

Doch auch diese Vorschläge vermochten die Lustlosigkeit nicht zu überwinden. Plötzlich wurde abgestimmt und 30 Hände gingen hoch, die den Verein beerdigen wollten. Dagegen waren nur acht Stimmen. Bei der Frage nach der Stimmenthaltung gingen nicht einmal deren Finger hoch. So blieb der Vereinsführung nur der Verweis darauf, dass der Verein zum 31. Dezember aufgelöst wird, das Programm aber noch bis Jahresende durchgezogen wird. Letzte Veranstaltung ist somit ein Weihnachtsessen am 12. Dezember.

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