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BUND-Aktion : Bürger stellen ihre Bäume unter Schutz

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

120 Grundstücksbesitzer beteiligen sich an einer landesweiten symbolischer Aktion. Die BUND-Kreisgruppe kämpft damit auch um eine Baumschutzsatzung für Schleswig.

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erstellt am 13.Feb.2014 | 17:00 Uhr

Die Blutbuche im Garten von Heinrich Langbehn ist von Weitem gut zu sehen. Für Passanten auf der Knud-Laward-Straße ebenso wie für Segler, die im Stadthafen festmachen. Im Sommer lassen die tiefroten Blätter den Baum besonders hervorstechen. Wenn Heinrich Langbehn wollte, bräuchte er zwar eine Genehmigung nach dem Landesnaturschutzgesetz, aber die könnte er wohl bekommen. Aber er will nicht. Er hat seinen Baum jetzt selbst unter Schutz stellen lassen – freiwillig und symbolisch.

Gestern überreichte ihm Birte Pankau, Projektleiterin beim BUND-Landesverband in Kiel, eine Urkunde, eine Plakette und einen Aluminiumnagel, mit dem er die Plakette an seiner Blutbuche befestigen kann. „Wenn Sie den Nagel vorsichtig und nur wenige Zentimeter in die Rinde schlagen, schadet das dem Baum nicht“, versicherte sie.

Die Baumschutz-Aktion des BUND geht nach drei Jahren nun zu Ende. Pankau: „Wir haben nur noch ganz wenige Restplaketten.“ 120 Grundstückseigentümer aus ganz Schleswig-Holstein haben sich daran beteiligt. Allein 45 davon wohnen im Kreis Schleswig-Flensburg. Dass sich die Schleswiger BUND-Gruppe für das Projekt besonders engagiert, hat auch einen kommunalpolitischen Grund. Anders als in vielen anderen Städten und Gemeinden gibt es in Schleswig keine Baumschutzsatzung mehr. Die Ratsversammlung hat sie vor zehn Jahren mit den Stimmen der damaligen CDU-Mehrheitsfraktion abgeschafft – mit der Begründung, dass viele Bürger sich durch die strengen Vorschriften gegängelt fühlten. Seither kämpft der BUND erfolglos darum, die Satzung wieder einzuführen – trotz inzwischen veränderter Mehrheitsverhältnisse im Rathaus.

Alte und selbst tote Bäume seien ökologisch viel wertvoller als Neuanpflanzungen, betonte Pankau. In Ritzen und Höhlen siedeln die unterschiedlichsten Tiere und Pflanzen. Oft haben die Gartenbesitzer, die sich eine Schutzplakette besorgen, nicht nur solche ökologischen Gründe, sondern eine emotionale Beziehung zu ihrem Baum. Zum Beispiel Johannes Fechter aus Berend. Seine Eiche, dessen Stamm inzwischen einen Umfang von zwei Metern hat, stammt aus Ostpreußen. „Meine Schwester hat damals, als wir unsere Heimat verlassen mussten, einen kleinen Ableger mitgenommen“, erzählte er gestern.

Professor Joachim Reichstein aus Fahrdorf hatte die Linde vor seinem Haus schon ins Herz geschlossen, als er es vor 35 Jahren bezog. Auf jedes Grundstück in der Siedlung am Bergholm wurde damals ein so genanntes „Großgewächs“ geplanzt. Die meisten verdorrten, bevor die ersten Bewohner die neuen Doppelhäuser bezogen hatten. Heute steht nur noch der Baum der Familie Reichstein. „Er stört natürlich all diejenigen, die jetzt nicht mehr auf die Schlei blicken können“, sagte der pensionierte Landesarchäologe. „Die Plakette ist ein zusätzliches Mandat, ihn zu verteidigen. Das genieße ich.“

Nicht immer ist es die Motorsäge, der ein schutzwürdiger Baum zum Opfer fällt. Auch eine Trauerweide an der Schleistraße hätte gestern eigentlich eine Plakette bekommen sollen. Aber sie steht nicht mehr. Sie stürzte im Herbst während des Orkans Christian auf die Straße.

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