Bucht am ewigen Eis als Denkmal für einen Schleswiger

Börgen
Börgen

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16. August 2010, 07:14 Uhr

SCHLESWIG | Vom Sohn eines Schleswiger Färbers zum international geachteten Wissenschaftler: In Anerkennung seiner Leistungen als Forscher und Expeditionsmitglied sind Kap Börgen (Grönland) und Börgen Bay (Antarktis) nach dem Astronomen und Geophysiker Carl Nicolai Jensen Börgen benannt worden.

1843 in Schleswig geboren, absolvierte Börgen die Domschule und studierte Mathematik, Physik und Astronomie in Kopenhagen, Kiel und zuletzt in Göttingen, wo er als Assistent an der Sternwarte tätig war und den philosophischen Doktorgrad erwarb. Er war kein Gelehrter, der sich in den Elfenbeinturm zurückzog, sondern ein Wissenschaftler, der auch bereit war, sich an strapaziösen und riskanten Forschungsreisen zu beteiligen.

So begleitete er als astronomischer Mitarbeiter 1869/70 die von Carl Koldewey geleitete zweite deutsche Polarexpedition. Wie gefährlich solche Unternehmungen waren, lässt sich verdeutlichen an dem Fall einer Eisbären-Attacke auf Börgen, der abends zur Sternbeobachtung allein an Land gegangen war. Er wurde von einem Eisbären angegriffen, der ihm Bisswunden am Kopf beibrachte. Seine auf dem Schiff zurückgebliebenen Kollegen eilten ihm zur Hilfe und vertrieben den Bären. Koldewey fand den schwerverletzten Börgen am Boden liegend und rief erleichtert aus: "Gottlob, er lebt noch!"

Nach der Rückkehr von der Nordpolar-Expedition wurde er als Assistent an die Sternwarte der Universität in Leipzig berufen. Gemeinsam mit Ralph Copeland gab Börgen einen Sternkatalog heraus - der Anfang einer langen Reihe von wissenschaftlichen Veröffentlichungen.

1874 wurde er von der Admiralität zum Vorstand des geplanten Kaiserlichen Observatoriums ernannt. Doch bevor er seine neue Tätigkeit aufnehmen konnte, führte ihn eine Expedition ein zweites Mal ins Ausland: Zur Beobachtung des seltenen sogenannten Venustransits, also des Durchganges des Planeten Venus vor der Sonnenscheibe, wurde unter seiner Leitung ein Forschungsteam zum Kerguelen-Archipel in den südlichen indischen Ozean entsandt. Trotz schlechter Witterungsverhältnisse gelang den Experten Messungen, die zu neuen Erkenntnissen führten. Darüber hinaus wurden während dieser mehrmonatigen Fahrt Gezeiten-, magnetische und Pendel-Beobachtungen vorgenommen.

Die folgenden 34 Berufsjahre von Carl Nicolai Jensen Börgen galten wesentlich dem Aufbau und der Leitung des Marineobservatoriums in Wilhelmshaven. Erst 1878 wurde der Bau des Observatoriums abgeschlossen, "dessen Geschicke er stets mit gleichbleibender Hingabe und Begeisterung für seinen Beruf zum Nutzen der nautischen Wissenschaft geleitet hat", wie es in einer Würdigung Börgens heißt.

Er war ein vielfach gefragter Experte als Ausbilder und Berater. In Vorbereitung und zur Auswertung von Forschungsreisen wurde er wiederholt konsultiert, so bei der ersten internationalen Polarjahr-Expedition 1883/84 und bei der Gauss-Expedition 1901-1903, die von Kiel aus in die Antarktis führte. 1882 wurde er in Anerkennung seiner Verdienste zum Professor ernannt, 1892 in die kaiserlich-deutsche Akademie der Naturforscher ("Leopoldina") aufgenommen und 1900 als erster mit der Georg-Neumayer-Medaille ausgezeichnet, benannt nach einem frühen Antarktisforscher.

Carl Nicolai Jensen Börgen starb 1909 in Wilhelmshaven.

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