Schleswigs Parkhaus : Bröckelnder Beton: Wie lange geht das noch gut?

Kein gutes Gefühl  im Parkhaus: Überall abgeplatzte Betonteile  und darunter  verrostete Stahlschienen.
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Kein gutes Gefühl im Parkhaus: Überall abgeplatzte Betonteile und darunter verrostete Stahlschienen.

Das Parkhaus bröckelt vor sich hin , doch die Komplett-Sanierung für 4,5 Millionen steht weiter aus. Inzwischen denkt die Stadt auch verstärkt über Parkgebühren nach.

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19. Juli 2014, 18:41 Uhr

Schleswig | Das Stadtbauamt ermittelt in Sachen Parkhaus in alle Richtungen: Soll das marode Gebäude saniert und danach von der Stadt selbst bewirtschaftet werden? Oder sucht man nach Privatinvestoren, die diese beiden Aufgaben auf eigenes Risiko übernehmen? „Wir sind gerade mittendrin, die für die Stadt sinnvollste Lösungsvariante zu erarbeiten“, erklärte auf SN-Nachfrage Philipp Schöning, stellvertretender Bauamtsleiter. Im frühen Herbst werde man sich darüber mehr Klarheit verschafft haben, sagte er. Dann könnten erste Vorschläge zum weiteren Werdegang des Parkhauses den politischen Gremien vorgelegt werden.

Bis dahin finden regelmäßige Treffen zwischen Baufachleuten und Bürgermeister Arthur Christiansen statt, um den „Ist-Zustand“ des Parkhauses im Auge zu behalten. Denn der sieht, wie für jedermann erkennbar, teilweise erschreckend aus. Es bröckelt und rostet auf allen Decks vor sich hin.

Wer durch das Parkhaus geht und sich die Decken, Böden, Pfeiler, Säulen und Stahlstreben genauer anschaut, sieht, dass insbesondere auf Deck C die Böden mit Beton-Abplatzungen übersät sind. Sogar mit tiefen Beton-Abplatzungen. Nackt erscheinen darunter schon verrostete Stahlstreben.

Wie lange geht das noch gut?

Die dringliche Sanierung hatte bereits vor über einem Jahr der Gutachter und Statiker Klaus d’Aubert festgestellt. Seine Kostenschätzungen liegen bei etwa 4,5 Millionen Euro, um das Parkhaus für ein weiteres Jahrzehnt nutzbar zu machen. Für die Stadtkasse aber bedeutet diese hohe Summe ein Debakel. So wurden zwischenzeitlich nur punktuell Ausbesserungen vorgenommen wie etwa im vergangenen August der Einbau neuer Stützen auf Parkdeck C – „wegen der statischen Ermüdung des Gebäudes“, lautete damals die Formulierung der Stadt. Der große Sanierungsschlag aber steht weiterhin aus.

Im Gutachten von d’Aubert, der gestern wegen seines beginnenden Urlaubs keine aktuelle Ortsbesichtigung mit den SN im Parkhaus unternehmen konnte, werden starke Schäden an Betonbauteilen im Parkhaus festgestellt. „Eine umfangreiche Instandsetzung dieser Teile ist erforderlich, um die Nutzung des Parkhauses zu gewährleisten“, schreibt er. Doch eine wirkliche Beurteilung der Lage sei erst dann möglich, wenn Bauteile nach der Öffnung von innen her einsehbar würden.

Das Parkhaus wurde 1982/83 gebaut, mit der Stadt steht als Bauherrin. Die Schäden im Parkhaus gelten als typisch für Betonbauten aus dieser Zeit. Um Geld zu sparen, wurde seinerzeit die Stahl-Bewehrung von Zwischendecken und Säulen mit zu wenig Beton überdeckt. Deshalb jetzt überall die Abplatzungen und Risse, durch die Feuchtigkeit in die Bausubstanz eindringen konnte. Gutachter d’Aubert nennt dazu ein Beispiel: Ein Auto, das im Winter ins Parkhaus fährt, trägt durchschnittlich vier Liter salzhaltiges Wasser hinein. Dieses Salz greift den Stahl an, und zwar massiv. Das Parkhaus, das für 800 Autos ausgelegt und an Werktagen zu 90 Prozent ausgelastet ist, sieht an vielen Stellen entsprechend Besorgnis erregend aus.

Ist denn die Standfestigkeit aus Sicht von Sachverständigen noch uneingeschränkt vorhanden? „Wir gehen davon aus, denn der Statiker hält die Standsicherheit für weiterhin gegeben“, sagte Philipp Schöning auf diese Nachfrage.

Was die Parkraum-Bewirtschaftung angeht – dazu hat sich Bürgermeister Christiansen bereits mehrfach geäußert. „Keine Stadt kann es sich auf Dauer leisten, ein Parkhaus zu unterhalten, ohne Parkgebühren dafür einzunehmen,“ meint er.

Demnach scheint es zweitrangig zu sein, ob das bisher kostenlose Parkhaus künftig in städtischer oder in privatwirtschaftlicher Regie geführt wird – alles sieht danach aus, dass auch in Schleswig die Autoparker bald ihr Scherflein beitragen müssen.

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