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Biohof Bluschke : Brodersbyer Kühe verlassen Hallig Gröde

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

40 Rinder treten nach fünf Monaten auf den Salzwiesen auf Gröde heute per Schiff die Heimreise nach Angeln an.

Während für die Schüler diese Woche die Ferien beginnen, geht für andere der Urlaub zu Ende. 40 Fleischrinder treten heute die Heimreise aus ihrem Sommerdomizil an – und zwar mit dem Schiff. Seit sechs Jahren lassen Britt-Marie Svanberg-Bluschke und ihr Ehemann Bernd, Betreiber eines Biohofs in Brodersby, einen Teil ihrer Jungtiere auf Hallig Gröde im Wattenmeer den Sommer verleben. Unter optimalen Bedingungen wachsen dort an der Nordseeluft auf den Salzwiesen, die würzig nach Wermut und Halligflieder duften, die Mastrinder zu prächtigen Tieren an, sagen die beiden. Die Auslagerung der Rinder auf die vor der Nordseeküste liegende Hallig sei Arbeitsentlastung und günstig zugleich.

Die Brodersbyer Landwirte besitzen knapp zehn Hektar eigenes Land, rund 50 Hektar haben sie zusätzlich in der Umgebung angepachtet, aber die Pachtpreise seien in jüngster Zeit ins Unermessliche gestiegen, sagen beide. Für sie als Bio- und Minibetrieb sei das nicht mehr bezahlbar. Im Wettbieten um die Flächen mit Landwirten, die Mais für ihre Biogasanlagen anbauen wollen, zögen sie ganz klar den Kürzeren und aus ihrem kollegialen Umfeld kennen sie Fälle, in denen der Landmangel dazu führe, dass kleine landwirtschaftliche Höfe ihren Betrieb verkleinern müssten. Weniger zur Verfügung stehendes Land bedeute schließlich auch weniger Tiere.

Für ihre eigene Strategie, die Jungrinder im Sommer auf Hallig Gröde grasen zu lassen, sei die zunehmende Vermaisung der Felder im Zuge der Zunahme der Biogasanlagen jedoch nur einer von zwei Gründen. „Wir wissen einfach, dass die Tiere dort bei Herrn Mommsen in guten Händen sind“, sagt Britt-Marie Svanberg-Bluschke.

Volker Mommsen ist Bürgermeister der gerade einmal neun Einwohner zählenden Gemeinde Gröde und Angestellter des Landes im Bereich Küstenschutz. Die Hallig ist FFH-Gebiet und so werde dort absolut naturverträglich ohne jeglichen Dünger und mit klaren Vorgaben, wo die Hallig beweidet werden dürfe und wo nicht, gewirtschaftet. „Wir arbeiten hier nach dem Halligprogramm von 1986, in dem das alles geregelt ist“, erklärt Mommsen, der sich die Sommermonate über um das sogenannte Pensionsvieh kümmert. Die Rinder sind eineinhalb bis zwei Jahre alt, wenn sie das erste Mal verschifft werden. Die Anreise zu der 270 Hektar kleinen Hallig erfolgt in der Regel Ende April. „Dieses Jahr waren wir aber ein bisschen später dran, weil der Frühling auf sich hat warten lassen und es auf den Salzwiesen noch nichts zu fressen gab“, sagt Britt-Marie Svanberg-Bluschke.

Die Überfahrt mit einem alten ausgedienten Ölfangschiff, das vom Festlandhafen Schüttsiel startet, wird von den Gezeiten bestimmt. Nur während des kurzen Hochwassers besteht für Schiffe die Möglichkeit, die Hallig zu erreichen. Eine Linienverbindung für Touristen und Tagesgäste existiert nur nach Bedarf. Die Rinder werden bei der Überfahrt zur Beruhigung von wenigen älteren Tieren begleitet, die bereits einmal auf Hallig-Urlaub waren. „Sie scheuen sich nicht so doll, bilden die Vorhut und die anderen folgen ihnen automatisch“, erklärt Britt-Marie Svanberg-Bluschke.

Auf der Hallig angekommen, begrenzen nur Priele, Gräben und das Meer den Auslauf der Tiere. Die Sturmfluten, bei denen das ganze Weideland überflutet ist, haben die Rinder bisher immer heil überstanden. Dann werden sie auf eine der beiden Warften der Hallig, auf denen auch die alte Kirche und die einzigen vier Wohnhäuser liegen, getrieben. „In sechs Stunden ist die Hallig in der Regel wieder frei“, sagt Mommsen, der die Tiere täglich durchzählt, um sicher zu gehen, dass keines abhanden gekommen ist. Bisher konnte er immer alle „Schäfchen“ beisammen halten. Und so wird er auch heute wieder alle 40 Rinder, die Anfang Mai in seine Obhut gegeben wurden, gesund und propper an ihre Besitzer übergeben können.

> Der Hof Bluschke verkauft seine Bio-Wurst- und Fleischwaren auf folgenden Wochenmärkten: Hamburg-Isemarkt, Di und Fr 8 bis 14 Uhr; Eckernförde-Rathausplatz: Mi 7 bis 13 Uhr; Kiel-Blücherplatz: Do 8 bis 13 Uhr; Schleswig Stadtfeld: Sa 7.30 bis 13 Uhr. Der Hofladen in der Missunder Fährstraße 8 in Brodersby hat Mo bis Fr von 17 bis 19 Uhr geöffnet.

 

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erstellt am 01.Okt.2013 | 07:45 Uhr

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